Atteridgeville. In einer Gastfamilie sind die Freiheiten zum Teil eingeschränkt.
Wie ich schon im vorherigen Artikel erzählte, habe ich andere Freiwillige in Pretoria besucht. Dort habe ich in der Gastfamilie einer Freundin, Elisa, in Atteridgeville, ein Township in Pretoria, gewohnt. Atteridgeville sieht für ein Township sehr gut aus, zumindest der Teil, wo sie wohnt. Die Straßen weisen alle eine gute Infrastruktur auf und die Backsteinhäuser besitzen Gates und Stacheldrahtzäune zum Schutz. Auch das Haus, indem ich für ein paar Tage leben durfte, sah nicht nur von außen sehr gut aus. In den Innenräumen des Township Hauses kam man sich gar nicht so vor, als würde man sich in einem solchen Haus befinden. Die Küche wies „Luxusgegenstände“ wie einen großen Kühlschrank und das Wohnzimmer einen Fernseher auf. Ich durfte in Elisas Zimmer schlafen, welches nicht sehr groß, aber immerhin ein Einzelzimmer ist. Ich muss mir mein Zimmer ja mit Deborah teilen, was bis jetzt auch noch kein Problem war, aber ein eigenes Zimmer zu haben ist auf jeden Fall schöner. Überhaupt war ich von der Wohnsituation Elisas anfangs sehr begeistert. Denn in dem Haus war alles sauber und aufgeräumt, nicht so wie in unserer WG, die zurzeit aus zwölf Mitgliedern besteht. In unserer WG läuft daher nicht alles so, wie es normalerweise laufen soll. Die meisten der jungen Männer machen nämlich ihr Geschirr nicht und lassen alles hinter sich stehen, was nicht sehr angenehm ist. Daher habe ich Elisa anfangs leicht beneidet, vor allem kocht die Gastmutter immer für die ganze Familie und für Elisa. Ich muss immer selbst einkaufen und abends für mich kochen, was nach einem anstrengenden Arbeitstag nicht immer leicht fällt.
In dem Badezimmer, welches Elisa benutzen darf, ist eine Badewanne, die jedoch keinen Duschkopf hat. Als ich mich dort das erste Mal reingesetzt habe, war es daher ein leichtes Abenteuer. Dass die Badewannen keinen Duschkopf besitzen, kommt in Südafrika öfters vor, vor allem in den Townships.
Ein weiterer Unterschied zu meiner Wohnsituation ist, dass Elisa zwar eine Waschmaschine hat, aber die weiße Wäsche jedoch trotzdem mit der Hand gewaschen wird. Die Familie hat für die Handwäsche im Hinterhof extra zwei große Waschbecken mit Waschrillen. Es hat mir überhaupt nichts ausgemacht meine weiße Wäsche mit der Hand zu waschen, im Gegenteil, es hat sogar Spaß gemacht.
Das Leben in einer Gastfamilie ist trotzdem nicht immer einfach, da man einige Verpflichtungen hat beziehungsweise manchmal eingeschränkt ist. Elisa fragt zum Beispiel oft, ob sie sich etwas zu essen nehmen darf oder ob es in Ordnung ist, wenn sie die Wäsche jetzt wäscht. In meiner WG kann ich machen, was ich möchte und muss niemanden fragen, ob es auf Zustimmung trifft oder nicht. Auch nach einer Party kann ich nach Hause kommen, wann ich möchte. Elisa soll seit neuesten nicht mehr so spät nach Hause kommen, da sich die Familie sonst Sorgen um ihre Sicherheit macht.
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