Kapstadt. Selbst bei einem Braai kann man einiges falsch machen.
Braai heißt Grill und vleis bedeutet Fleisch, ist hier in Südafrika Männersache und entspricht soviel wie dem amerikanischen Barbecue. Was ich einem Reiseführer entnehmen konnte ist, dass das Braaivleis – kurz Braai - lange Traditionen hat und es vor allem bei den weißen Afrikanern burischer Abstammung ein wichtiges Ereignis ist. Seinen Ursprung hat es von den Voortrekker, die mit ihren Ochsenwagen ins Landesinnere Südafrikas vorgedrungen sind und jagten, um zu überleben. Das Wildfleisch grillten sie dann über dem offenen Feuer. Heute gehören Rind-, Schweinefleisch- und Hammelfleisch sowie die geringelte Boerewors, eine gut gewürzte Bratwurst aus Rinder- und Hammelfleisch, mit unserer Thüringer oder Krakauer Bratwurst absolut nicht zu vergleichen, und Pap, ein mehr oder weniger trockener Maisbrei, zu einem Original-Braai dazu.
Wir haben hier auch sehr oft einen Braai, allerdings sind teure Fleischsorten wie Rind nur sehr selten auf unserem Grill zu finden. Schweinefleisch, Boerewors und Hühnchen schmecken mit Salat, Baguette und Pap aber genauso gut. Am Anfang hatte ich Probleme damit, das Wort Boerewors auszusprechen, es erschien mir wie ein Zungenbrecher, aber allmählich klappt es zum Glück mit der Aussprache.
Meinen ersten Braai hatte ich gleich am ersten Wochenende in Südafrika, da ein WG-Mitglied Geburtstag hatte. Er hatte viele Freunde zu uns eingeladen, sodass unser Hinterhof mit Menschen vollgestopft war. Es war daher schwierig überhaupt noch einen Sitzplatz zu finden. Wenn man zu einem Braai eingeladen wird, dauert es meistens sehr lange bis man essen kann, denn es wird erst gegessen, wenn das ganze Fleisch fertig gegrillt ist, sodass jeder etwas zu essen hat. Ich hatte mir vorher schon etwas Salat auf den Teller getan und diesen gegessen, da es Stunden gedauert hat, bis das Fleisch fertig war und ich gegen 21.30 Uhr immer sehr hungrig bin. Dieses Verhalten kam gar nicht gut an, denn es wird immer zusammen gegessen und nicht alleine. Braai ist ein Gemeinschaftsfest, es geht nicht nur um das Essen, sondern um das Zusammensein. Man feiert, isst, trinkt und tanzt zusammen. Mir war es furchtbar unangenehm und ich habe es auch nicht wieder gewagt vor Südafrikanern bei einem Braai vorher schon etwas zu essen.
Man kann auch in die Townships fahren und dort braaien. Das haben wir mit unseren WG-Mitgliedern auch schon gemacht. In den Townships ist das Fleisch sehr günstig und natürlich auch sehr lecker, aber auch hier mussten wir leider mehr als zwei Stunden auf unser gegrilltes Fleisch warten, was nicht immer leicht fällt, wenn man sehr hungrig ist.
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