Kapstadt. An manche Tage erinnert man sich noch bis ins hohe Alter.
Kurz vorweg, ich habe mich gegen die Prüfungen entschieden und meine Lehrerin hat es zum Glück auch ohne weiteres akzeptiert.
Ich möchte jetzt von einem wunderschönen Tag erzählen, der schon ein paar Tage zurückliegt.
An einem sonnigen Sonntag haben Deborah, meine Zimmernachbarin, und ich uns mit zwei Mädchen, von denen ich schon eine aus Deutschland kannte, zum Wandern getroffen. Die Beiden sind ebenfalls Freiwillige in Kapstadt, daher gab es den ganzen Weg auch jede Menge zum Austauschen, sei es über unsere Projekte oder aber auch über andere Themen, wie zum Beispiel kulturelle Unterschiede.
In Kapstadt kann man mehrere Berge hochwandern. Wir haben uns an diesem Tag für den Lions Head entschieden, da dieser eine 360° Aussicht bietet und man ihn laut eines Reiseführers in ein- anderthalb Stunden besteigen kann. Der Lions Head ist 669 Meter hoch und meiner Meinung nach nicht in einer Stunde machbar. Wir haben für den Hinweg mit einer Pause von zwanzig Minuten zweieinhalb Stunden gebraucht. Es war bei der Hitze sehr schweißtreibend und wir waren alle erleichtert, als wir an der Spitze angekommen sind. Die meiste Zeit des Weges geht man Felstreppen oder Wege mit kleinen und großen Felsbrocken hinauf. An einigen Stellen muss man sich jedoch mit Ketten steile Felswände hochziehen, was zeitweise etwas beängstigend sein kann. Dieser Teil der Wanderung nennt sich die schnelle Route.
Der anstrengende Weg hat sich aber auf jeden Fall gelohnt. Der Lions Head bietet eine traumhaft schöne Aussicht auf ganz Kapstadt. In diesem Moment habe ich mich sehr glücklich geschätzt, dass ich die Chance bekommen habe für ein Jahr nach Kapstadt gehen zu können. Es ist nicht so, dass ich mich sonst nicht glücklich schätze, aber im Alltag vergisst man leicht, was man alles hat.
Der Weg nach unten hat nur etwa eine Stunde gedauert, und war auch nicht ansatzweise so anstrengend, wie der Weg nach oben. Hinterher haben wir uns noch das Stadtviertel Bo-Kaap angeschaut. Bo-Kaap bedeutet soviel wie Top Cape und liegt in der Nähe des Lions Head und des Signal Hills. Eins nach dem anderen werden die bunten, alten Häuser an der Straße seit einigen Monaten restauriert. Das kleine Stadtviertel wird allmählich zum Szeneviertel und große Namen wie Mercedes, Ferrari etablieren sich nach und nach. Steile, enge und kopfsteingeplasterte Straßen und Gassen geben dem Moslem-Viertel jedoch immer noch seinen eigenen Flair. 1780 begann die Besiedlung Bo-Kaaps mit kleinen Häuschen und Moscheen. Auf dem Rückweg vom Lions Head konnten wir bereits den Gesang aus einer Moschee hören, worüber wir uns erst etwas gewundert haben. Da Kapstadt sehr multikulti ist bekommt man von jeder Kultur einen kleinen Eindruck, was eigentlich sehr schön ist. Nach meinem Geschmack leben hier jedoch viel zu viele Deutsche.
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