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„Wally“ geht auf Tiefsee-Tour


Bremen. Laurenz Thomsen schaut auf seinen Computer. Mit der Maus klickt er auf einen grünen Pfeil. Auf dem Bildschirm setzt sich etwas in Bewegung. „Jetzt fahre ich vor Kanada in 900 Metern Wassertiefe vorwärts“, erklärt der Meeresforscher. Von Sabrina Knoll


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Der Tiefsee-Forschungsroboter „Wally“ an seinem Einsatzort. Das ist 900 Meter unter der Meeresoberfläche vor Vancouver Island. Foto Neptune Canada Tiefseeobservatorium

Möglich macht dies nicht etwa eine Tiefsee-Variante von Google Earth, sondern Wally, der erste internet-gesteuerte mobile Forschungsroboter der Welt. „Wir wissen heute mehr über die Oberfläche von Mond oder Mars als darüber, was auf dem Meeresboden unseres eigenen Planeten vor sich geht“, sagt Laurenz Thomsen. Hier kommt Wally ins Spiel.

Von jedem Rechner steuerbar

Zwar robben sich bereits viele Tiefsee-Crawler (Kriecher) über den Meeresgrund. Das Besondere an dem im Meereslabor der Jacobs University entwickelten Roboterfahrzeug ist jedoch, dass Wally sich von jedem Rechner der Welt fernsteuern lässt.

„Du brauchst also kein teures Forschungsschiff mehr, das mit dem Crawler unter ihm verbunden ist, um ihn zu steuern“, sagt Thomsen. Er schickt den mit einer Web-Kamera ausgestatteten Roboter erneut auf Reisen in Richtung der roten Tiefsee-Anemone schräg vor dessen Linse. „Einfach mal gucken, was da los ist.“ Das sein eben bisher nicht möglich gewesen. Überfahren habe er hier zum Glück noch nie etwas.

Acht Jahre dauerte die Entwicklung der Weltneuheit. Im Mai 2009 wurde Wally in 900 Meter Tiefe vor Vancouver verankert. Drei Monate später waren 800 Kilometer Glasfaserkabel verlegt, Wally konnte eingeschaltet werden. Vor, zurück, links, rechts, hoch und runter – es gibt nichts, was Wally in seinem Radius von 1500 Quadratmetern nicht kann. Wally bewegt sich auf einer mit Methan-Eis durchsetzten Erhebung, die konstant Methan in das umgebende Wasser abgibt.

Acht Sensoren messen Temperatur, Druck, Strömung, Salzgehalt, Methankonzentration und Trübung und speisen im Sekundentakt Daten ins Netz. „Da fliegt gerade ein Shrimp durchs Bild“, beschreibt Thomsen die Geschehnisse auf der nächsten Tiefsee-Tour. „Darüber bin ich ganz froh“, sagt der Wissenschaftler. Denn mit der Zeit habe sich ein feiner Biofilm auf die Scheibe des Roboters gesetzt, den die Shrimps abfressen. „Es kann sein, dass Wally bis Mai total zustaubt und er dann nicht mehr so viel zu sehen hat“, befürchtet Thomsen. Aber in dem Monat sollte der Tiefsee-Roboter ohnehin zur Wartung an die Oberfläche geholt werden.

Weitere Modelle sollen mit einer Wasserpumpe ausgestattet sein, die regelmäßig Wasser über Scheiben und Sensoren spritzt.

Artikel vom 20.03.10 - 06:00 Uhr
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