Die Stimmung im Kontroll- und Diagnoseraum des Raumfahrtunternehmens Astrium in Bremen ist gespannt. „Ten minutes“, sagt eine Stimme an. Techniker kommunizieren per Handzeichen, telefonieren, drehen an den Knöpfen eines Mischpults. Die Schüler des Gymnasiums Vegesack blicken gebannt auf die Leinwand.
„Half a minute“, sagt die Stimme dann an. Auf der großen Leinwand erscheint der Kontrollraum von Astrium in Houston (USA), die Verbindung zur Internationalen Raumstation wird von dort aus hergestellt. Einige Sekunden später winkt Astronaut André Kuipers nach Bremen.
Das Kabel von seinem Mikrofon muss der Niederländer gut festhalten, auch er selbst muss sich immer wieder von der Decke des Columbus-Labors auf den Boden zurückdrücken. Dabei beantwortet er die Fragen der Schüler. Wie oft er mit seiner Familie sprechen könne, wollen sie wissen. Wie es sei, mit einem internationalen Team zu arbeiten und was der spannendste Part bei seiner Mission auf der Internationalen Raumstation sein werde.
Seine Familie spreche er einmal wöchentlich, sogar in einer Video-Konferenz. Das Team sei super, sagt Kuipers am Mittwoch. Und die größte Herausforderung werde wohl das Andocken von „Edoardo Amaldi“ sein, dem automatischen Versorgungsfahrzeug (ATV). Langsam fängt er an, sich auf den Kopf zu drehen. Eine weitere Herausforderung sei es, im Weltraum immer die Orientierung zu behalten, meint Kuipers und lacht.
Der niederländische Astronaut ist seit dem 23. Dezember Mitglied der sechsköpfigen ISS-Besatzung. Im Wissenschaftslabor Columbus, das seit fast vier Jahren Bestandteil der ISS ist, führt er eine Reihe von Experimenten durch und soll die Mission des automatischen Versorgungsfahrzeugs – das unter anderem Sauerstoff, Nahrung und Wasser liefern soll – begleiten. Das größte und schwerste Versorgungsfahrzeug der Europäischen Weltraumorganisation soll am 9. März starten und zehn Tage später an die ISS andocken. Für Kuipers ist es bereits der zweite Einsatz auf der Internationalen Raumstation, seine Rückkehr zur Erde ist für den 16. Mai geplant.
„Als Astronaut braucht man nicht nur Ingenieurwissen, man muss auch Begeisterung mitbringen“, erzählt der ehemalige Astronaut Reinhold Ewald. Manche Aufgaben geben den Astronauten nämlich eher das Gefühl, „Hausmeister der Station“ zu sein. Die Schüler des Gymnasiums Vegesack haben den Unterrichtsschwerpunkt Luft- und Raumfahrt gewählt – ein spannendes Thema, findet der Zwölftklässer Fynn Luca Menke. „Das Weltall ist ziemlich unerforscht und unbekannt, das macht es so spannend“, sagt er kurz vor dem Live-Gespräch.
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