
Ausgerechnet im Bremer AWD-Dome unterhalten sich die beiden über die Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise. Kaum ein Veranstaltungsort hätte sich am diesem Himmelfahrts-Abend besser geeignet: Der nach eigenen Angaben „unabhängige Finanzoptimierer“ AWD will es sich in Zukunft sparen, der Bremer Stadthalle seinen Namen für Geld aufzudrücken. Wenn sich kein anderer Sponsor findet, heißt die Stadthalle bald wieder Stadthalle – die Krise hat auch ihre guten Seiten. Aber umso mehr schlechte.
„Wir schätzen, dass infolge der Weltwirtschaftskrise zwei Millionen Säuglinge sterben werden. Gerade die Armen trifft die Krise besonders hart“, sagt Zoellick. Die Botschaft sitzt. Der Weltbankchef spricht sachlich, berichtet von Ernährungsprogrammen für die armen Länder der Welt, die die Weltbank aufgelegt hat. Ein 20-minütiger Monolog in breitem amerikanischen Englisch tönt durch die Halle. Solange muss das Publikum warten, bis Schmidts Schnauze
Aber sie haben Geduld, denn so viel ist klar: Sie sind wegen ihm da, ihn wollen sie sehen, ihm wollen sie zuhören. Als Helmut Schmidt auf einen Stock gestützt die Bühne betritt, erheben sich alle von ihren Plätzen. Jubel und Applaus erfüllen die Halle. Sie feiern ihn, den alten Mann, wie einen Popstar.
Und Schmidt enttäuscht sein Publikum nicht. Er weiß, wer die Schuld an der Krise hat: „die Banker und Politiker“ – die klare Botschaft seiner Schachtelsätze. „Für alles gibt es Regeln“, sagt Schmidt. „Wenn ein Schiff über die Weltmeere fährt, gibt es Regeln, die Beleuchtung ist vorgeschrieben, auch wer Vorfahrt hat. Natürlich hat auch der internationale Flugverkehr seine Regeln. Nur die internationalen Finanzmärkte, die nicht. Und diese Freiheit ist in den vergangenen 30 Jahren maßlos missbraucht worden.“ Er fordert weltweite Regeln für den Kapitalverkehr – „und eine Bankenaufsicht muss her. Wir müssen dafür eine neue Institution schaffen“, fordert Schmidt. Allerdings werde es wohl lange dauern, bis internationale Vorschriften für die Finanzbranche eingeführt werden könnten. „Es wird ein langer Prozess sein. Politiker sind selten bereit, ihre Fehler einzugestehen und sich zu korrigieren“, sagt Schmidt. Er weiß, wo von er spricht, er kennt das Geschäft der Politik – und einer wie er, der hat natürlich immer recht.
Zumindest an diesem Abend, an dem die globale Krise doch eine Verschnaufpause einzulegen scheint: Draußen vor der Halle genießen die Menschen den Kirchentag, feiern zur Musik der A-cappella-Gruppe Wise-Guys auf der Bürgerweide, Helfer in Pfadfinderuniformen treiben Schabernack mit dem Megafon – und über alledem thront ein Regenbogen. Irgendwie wohlbehütet, dieses Fest.

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