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Richterbänke mit Arbeiterhemd gepolstert

Bremen. Das Landgerichtsgebäude zählt zu den prächtigsten öffentlichen Bauten in Bremen. Die reich dekorierte Fassade, die Originalausstattung der Innenräume und der größte Teil des historischen Mobiliars haben Krieg und die Modernisierungswellen nahezu unbeschadet überstanden. Jetzt kehrten vier alte Bänke, die aufwendig restauriert worden, zur Justiz zurück.

Besonders der Lederbezug und die Polsterung der aus astreiner Eiche gefertigten Richtersessel und Bänke waren nach 110 Jahren ständigen Gebrauchs verschlissen und schlichtweg durchgesessen. Mit der Unterstützung von Restaurator Roger Kossann konnten jetzt die Bänke in den Originalzustand zurückversetzt werden. Kossann: „Das war schwieriger, als es zunächst aussah. Um den Lederbezug, genau wie das historische Vorbild, aus einem Stück fertigen zu können, mussten erst einmal Rinder gefunden werden, die groß genug waren – so etwas wird heute gar nicht mehr gezüchtet.“ Fündig wurde man schließlich in Argentinien, wo man einen Posten Rinderhäute in Übergröße erstehen konnte.

Als nächstes musste eine Gerberei ausfindig gemacht werden, die bereit war, ihre Maschinen für so eine klei-ne Stückzahl einzustellen. Auch das Färben war besonders aufwendig, weil die Gerber extra Personal bereitstellen mussten, das die riesigen Häute aus der Gerbflüssigkeit wuchten konnte. Kossann: „Für eine vollgesogene Rinderhaut dieser Größe benötigt man vier Männer, um sie aus dem Bottich zu hieven.“

Beim Abpolstern der jetzt restaurierten Bänke erlebte Kossann eine besondere Überraschung: Ein Vorgänger des Restaurators hat vor vielen Jahren offenbar nicht nur viel Arbeit investiert, sondern im wahrsten Sinne des Wortes auch sein letztes Hemd hergegeben. Unter einem Rückenpolster war ein säuberlich zusammengefaltetes, blaues Arbeitshemd verborgen.

Das Hemd war über lange Jahre getragen und immer wieder genäht und gestopft worden. Warum es in der Bank endete, weiß niemand. Kossann: „Ich glaube, da hat sich ein Polsterer vor vielen Jahren einen Scherz erlaubt. Vielleicht wollte er, dass sein Hemd ihn überlebt oder ihn hat der Gedanke amüsiert, dass die Juristen bei ihren Gerichtsverhandlungen jahrzehntelang auf seinem Hemd sitzen würden.“

Artikel vom 17.03.10 - 06:00 Uhr
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