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Mit Rossi unter Weinreben


Bremen. 3,5 Millionen verkaufte Tonträger, Gold und Platin für die Platten, dazu berstende Arenen: keine Frage, Semino Rossi ist ein Superstar. Seine Karriere beschreibt den steilen Aufstieg vom Straßensänger zum Echo-Gewinner. Das kann es nur im Schlager geben. Von Moritz Herrmann


Nur im Schlager ist Kitsch noch erlaubt und nur im Musikantenstadl funktionieren Lieder, die „Ich wein vor Glück, weil es dich gibt“ heißen. Wer sich Semino Rossi anschaut, sieht, dass der Mann mit den grünen Augen für das volkstümliche Genre gemacht wurde. Der Delphin ist sein Lieblingstier, Rosen findet er am schönsten. Rossi mag Türkis, er hasst Ungerechtigkeiten und würde, so sagt er, für einen feuerroten Sonnenuntergang am Strand sterben. Der Steckbrief kommt, gepaart mit sehnsuchtsvollem Gesang, gut an im Publikum von Florian Silbereisen. Rossi singt vor Wasserfällen, weidenden Pferden und Weinreben. Dafür bekommt er regelmäßig den Amadeus und die Goldene Henne. Ein erfolgreiches Sängerleben, für das aber erstmal zwanzig erfolglose Jahre verstreichen mussten.

1962 wurde Rossi in Argentinien geboren, in Rosario. Die Stadt von Che Guevara und Héctor Zeoli beseelte den kleinen Semino, es selbst zu Ruhm zu bringen. Seine Kindheit stand im Zeichen der Musik. Die Mutter, studierte Pianistin, lehrte ihn das Klavierspiel, der Tänzervater die Liebe zum Tango. So vorgeschult, wollte Rossi unbedingt nach Europa.

Mit einem Traum im Kopf und Ticket ohne Rückreiseoption landete er in Spanien, Italien und Österreich. Der große Durchbruch ließ auf sich warten. Rossi verdingte sich als Straßensänger und unterhielt in Hotels, die Gagen waren allenfalls eine Aufwandsentschädigung. Schließlich drückte der Wahltiroler auf einer privaten Geburtstagsfete, nicht ohne Verzweiflung, einem Plattenboss seine Demo-CD in die Hand. Der war begeistert, fragte nur: Welche Zielgruppe kann es geben für einen 40-jährigen Newcomer? Antwort: den Schlager. Der Rest ist Erfolgsgeschichte.

Im Februar kommt Rossi nach Bremen. Er präsentiert die aktuelle Scheibe „Augenblick“, ein Werk, das seinen Vorgängern in nichts nachsteht. Rossi besingt seine Frau, die Liebe, den eigenen Aufstieg. Meist auf deutsch, manchmal in spanisch.

Artikel vom 03.02.12 - 12:00 Uhr
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