
Ein solcher Erfolg verlangt Fortsetzungen. Im Kaminsaal des Rathauses stellte Scherf jetzt sein neues Buch „Wer nach vorne schaut, bleibt länger jung“ (Herder-Verlag, 217 Seiten, Preis: 16,99 Euro) vor. Fast 100 Zuhörer drängten sich in dem Raum. Es war die Premieren-Lesung, praktisch eine Uraufführung.
Und es war Scherf, wie er leibt und lebt – Schwierigkeiten und dunkle Phasen des Lebens (besonders: des Alters) bestreitet er nicht, aber er betont das Positive, den Optimismus. Seine Lebenserfahrung sei es, dass die „schwierigen Lebenslagen besser zu meistern sind, wenn ich mich auf die vielen positiven Möglichkeiten konzentriere“. Und: „Die Angst vor dem Alter ist weit verbreitet. Und sie ist ein Vorurteil.“ Scherf schaut eben buchstäblich nach vorn, wie der Buchtitel es schon sagt. Scherf bietet Anfeuerungsrufe für den Alltag. Sein wichtigstes Schlagwort: Gemeinschaft.
„Leben ist wertvoll“, liest Scherf seinem Publikum im Kaminsaal vor, „wenn es gemeinschaftlich gelebt wird. Erst im Spiegel der anderen erfahre ich, wer ich bin und wozu ich lebe. Ich jedenfalls habe mich selber immer wieder über andere entdeckt. Nicht durch Grübeln bin ich zu mir gekommen, sondern dadurch, dass ich Menschen gefunden habe, die an mir interessiert waren und an denen ich selber auch interessiert war.“
Was da geschrieben steht in Scherfs Buch, das klingt genauso wie das, was Scherf, der Kommunikator, immer so erzählt. Es ist der echte Scherf-Ton. Wie ist das gelungen?
Für das Buch, den ersten Band einer Reihe mit dem Namen „Life lessons“, habe er sich über den Zeitraum eines Jahres mit seinem Lektor getroffen, sagt Scherf. „Dann habe ich geredet, bis ich nicht mehr konnte. 25 Gespräche haben wir gemacht.“ Der Lektor habe die Gespräche dann zu einem „durchlaufenden Text“ gegliedert.
Scherf blickt auf sein Leben zurück, schildert Persönliches und auch Politisches. Scherf erinnert sich an seine schwierige Pubertät. „Ich stotterte. Es war ein Fiasko, die finsterste Zeit meines Lebens.“ Niederlagen gab es auch im Politischen – etwa die versprochene Freistellung des armen Bundeslands Bremen von den Auswirkungen der Steuerreform im vielzitierten „Kanzlerbrief“ von Gerhard Schröder (SPD).
„Es ist mir dann aber 2005 nicht gelungen, das bei Schröder einzufordern. Er tat so, als gäbe es den Brief nicht“, schreibt Scherf. „Eigentlich hätte ich aus der SPD austreten müssen.“ Diese Erfahrung habe dazu beigetragen, über sein „Ende als Politiker“ nachzudenken. Im November 2005 trat Scherf als Präsident des Senats zurück und nannte dafür persönliche Gründe.
Heute gilt er als Experte für eine gelingende Lebensgestaltung im Alter. Das Leben ist eben voller Überraschungen.
Verlag: Herder-Verlag, 217 Seiten Preis: 16,99 Euro
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