Dieter Bischop (zweiter von rechts) zeigt den Lesern der NORDSEE-ZEITUNG Scherben, die vor Ort gefunden wurden. Foto: Brocks
Dieter Bischop (zweiter von rechts) zeigt den Lesern der NORDSEE-ZEITUNG Scherben, die vor Ort gefunden wurden. Foto: Brocks

Regen vertrieb einst schon die Chauken

Schiffdorferdamm. Die einstigen Bewohner haben ihre Siedlung irgendwann einfach aufgegeben: „Vermutlich war es ihnen hier in der Gegend einfach zu nass“, vermutete Archäologe Dr. Dieter Bischop – und erntete dafür großes Gelächter. Bei teils strömendem Regen führte er 15 Leser der NORDSEE-ZEITUNG über das Grabungsfeld im Stadtteil Schiffdorferdamm. Die Fläche gleicht momentan wetterbedingt zwar eher einer Schlammwüste, trotzdem gab es für die Teilnehmer der „NZ+Ich“-Aktion viel zu sehen.

Bei Erschließungsarbeiten für ein neues Baugebiet waren im vergangenen Jahr Spuren einer rund 2000 Jahre alten Siedlung entdeckt worden. Seitdem sind die Archäologen am Werk. „Ganz am Anfang haben wir Münzen und Keramik aus der Römerzeit entdeckt. Da wussten wir, dass wir uns das Gelände näher ansehen sollten“, erklärte Bischop, während er einige Funde herumreichte. Inzwischen stecken hunderte weiße Fähnchen im Erdreich. Jedes markiert eine Fundstelle. Bisher haben die Archäologen vor allem Keramikscherben, Tierknochen und Eisenschlacken entdeckt, aber auch Überreste von Wohnstallhäusern.

 „Dort, wo es dunkle Verfärbungen im Boden gibt, standen einmal Pfosten“, erklärte der Experte. Gelebt haben in der Siedlung einst vermutlich die Chauken; ein germanischer Stamm, der beidseits der unteren Weser siedelte. Häuser und Brunnen konnten die Experten bereits lokalisieren. „Ich vermisse aber noch ein Gräberfeld“, verriet Bischop. Normalerweise seien die Bewohner in direkter Nähe zur Siedlung begraben worden, eventuell dort, wo heute bereits Häuser stehen.

„Man hat doch schon so viel ausgegraben. Kann man denn überhaupt noch neue Erkenntnisse gewinnen“, interessiert einen Leser. „Aber ja: Wir finden an jedem Ort etwas anderes interessantes heraus“, betonte Bischop. Anhand der Funde ließen sich Rückschlüsse darauf ziehen, wie die Menschen einst lebten. „Es ist spannend, der Geschichte eines Ortes auf den Grund zu gehen. Hier haben wir gerade die letzte Gelegenheit zu erforschen, was sich vor 2000 Jahren hier abgespielt hat“, so Bischop.

„Ich bin geschichtlich interessiert und unsere Kinder bauen hier in der Nähe, daher ist das für mich besonders interessant“, sagte Astrid Witte. Mit so mancher Entdeckung habe sie nicht gerechnet: „Dass hier Fundstücke aus der Römerzeit entdeckt wurden, hat mich schon überrascht.“

Gerhard In der Wische hat die Entwicklungen von Anfang an mitverfolgt. Beim Rundgang habe er sehr viel gelernt; besonders spannend für ihn: die Lebensbedingungen: „Man kann sehen, wie gut es uns heute geht.“ (akb)