Lena Wojtowicz (26) freute sich, einmal im Hubschrauber-Cockpit Platz nehmen zu dürfen – und wäre am liebsten losgeflogen. Foto: Brocks
Lena Wojtowicz (26) freute sich, einmal im Hubschrauber-Cockpit Platz nehmen zu dürfen – und wäre am liebsten losgeflogen. Foto: Brocks

Piloten-Feeling auf dem Marineflieger-Stützpunkt

Dutzende Knöpfe, zahlreiche Hebel, allerlei Anzeigetafeln und eine alles entscheidenden Frage: „Was muss ich tun, um zu starten?“ Bei einer „NZ+Ich“-Aktion auf dem Marinefliegerstützpunkt in Nordholz durften sich 16 Leser der NORDSEE-ZEITUNG die Hubschrauber und den Seefernaufklärer aus der Nähe ansehen – und wären am liebsten gleich losgeflogen.

In die Luft ging es zwar nicht, doch bei ihrem Besuch erfuhren sie alle Wissenswertes über die technische Instandsetzung der Maschinen, die Flugvorbereitung und -kontrolle und die Einsätze der Marineflieger.

2500 Soldaten und Zivilisten arbeiten auf dem Gelände

Mit dem Bus ging es über das weitläufige Gelände, auf dem rund 2500 Soldaten und Zivilisten arbeiten – vorbei an Abstell- und Werkstatthallen für Hubschrauber und Flugzeuge, Feuerwehrwache und Krankenstation bis zur 2700 Meter langen Start-und- Lande-Bahn. Hier konnten die „NZ+Ich“-Teilnehmer – alle aus Bremerhaven und der Stadt Geestland – den Anflug mehrerer Maschinen ganz aus der Nähe verfolgen: Kurz schien es, als würden sie landen, dann aber starteten sie sofort wieder durch: „Die Abläufe ändern sich dadurch nicht grundlegend, aber es schont die Reifen“, erklärte Personalwerbefeldwebel Klaus-Dieter Priester, der die Gruppe auf ihrer Tour durch Sicherheitsbereiche begleitete.

„Inzwischen üben wir viele Manöver an unseren Simulatoren“, erklärte Priester. Immerhin koste eine Flugstunde in einem echten Hubschrauber 30000 bis 40000 Euro. Und manches – etwa der Ausfall aller Motoren – lässt sich auf Simulatoren sogar besser trainieren. „Die regelmäßige Übung nimmt einem die Angst. Im Ernstfall behält man so einen klaren Kopf“, erklärte ein Soldat.

Im Einsatz gegen Piraten und Umweltsünder

Zum täglichen Geschäft der Marineflieger gehört die Jagd auf Umweltsünder. Mit dem Propellerflugzeug „Dornier Do 228“ etwa überwachen sie seit 30 Jahren die Nord- und Ostsee und spüren Schiffe auf, die illegal Öl ins Meer einleiten.

Auch der Seefernaufklärer „P-3C Orion“ dient als „fliegendes Auge“. Er kann zur U-Boot-Jagd und im Kampf gegen Piraterie eingesetzt werden. „Die Maschine ist mit modernster Aufklärungselektronik ausgestattet“, sagt ein Crewmitglied. Die Besatzung besteht aus 11 bis maximal 21 Personen, davon 2 Piloten im Cockpit.

Oft ist die Crew bis zu zehn Stunden in der Luft – kein Vergnügen: „Langsam und tief zu fliegen ist deutlich anstrengender als hoch und schnell“, erfuhren die Besucher. „Von außen sieht es aus wie ein Passagierflugzeug. Aber wirklich gemütlich ist das hier drinnen nicht“, sagte Julia Wojtowicz (34), für die „NZ+Ich“-Aktion auf dem Stützpunkt eine „einmalige Chance“ war, die Arbeit der Marineflieger kennenzulernen.

Auch die „Sea Lynx“-Hubschrauber sind an Anti-Piraterie-Missionen beteiligt, werden aber auch häufig zum Transport von Mensch und Material eingesetzt. „Alle Hubschrauber, die hier stehen, sind einsatzbereit“, erklärte Priester bei der Besichtigung einer Abstellhalle. 43 Hubschrauber gibt es, alle müssen regelmäßig zu einer großen Inspektion: „Dann wird er in seine Einzelteile zerlegt und alles wird überprüft.“ Drei bis vier Monate kann eine solche Inspektion dauern, erst dann darf der Hubschrauber wieder starten.

„Fachkompetenz der Mannschaft war fantastisch“

„Toll, dass wir so viele Informationen bekommen“, lobte Eva- Maria von Döhlen. Aus der Ferne hat die 76-Jährige schon viele Starts und Landungen mitverfolgt: „Ich hatte gehofft, dass wir hier einige Maschinen sehen. Aber ich war doch überrascht, dass wir uns sogar alles aus der Nähe ansehen durften.“ Ein Höhepunkt für alle war es, einmal im Cockpit Platz nehmen zu dürfen: „Ich hätte nicht erwartet, dass in einem Hubschrauber so viel Technik steckt“, sagte Klaus Rinke, der mit den Experten fachsimpelte. „Die hohe Fachkompetenz der Mannschaft war fantastisch“, lobte der 77-Jährige.