Ingo Kramer ist Geschäftsführer der Firmengruppe J.H. Kramer mit Sitz
im Bremerhavener Fischereihafen. Das Unternehmen hat die
Forschungsstation zusammen mit Kaefer-Isoliertechnik aus Bremen gebaut.
Kramer ist zur Einweihung in die Antarktis geflogen. Drei Fragen an ihn.
Was haben Sie für die Antarktis im Koffer – auch Glücksbringer?
Kramer (lacht): Nein, kein Maskottchen. Aber eine Rolle mit Sicherheitsplänen, das Betriebshandbuch – eine Kiste voller Ordner – und statt Koffer einen Seesack voll mit Polarkleidung vom Awi, Sonnencreme Faktor 50 und ein paar persönliche Sachen.
Wie sehen Sie solch einen Mammutauftrag aus unternehmerischer Sicht, bedeutet Neumayer III eher Profit oder Profil – zu zeigen, dass diese Firma so etwas kann?
Kramer: Kein Unternehmen nimmt einen Auftrag mit Verlusterwartung an. Es ist kein Mordsprofit, aber es muss etwas dabei herumkommen. Wir haben ja öfter spannende Aufgaben, aber die stehen nicht so im Rampenlicht wie diese. Es dient dem Renommee, so einen Auftrag termingerecht trotz anfänglicher Verspätungen abzuliefern. Und innerhalb des Unternehmens bringt es viel Selbstbewusstsein und ein erhebliches Verständnis fürs Ineinanderwirken aller Zahnräder, weil über Jahre vom Lehrling bis zum Geschäftsführer alle daran beteiligt waren.
Steht schon ein neues Großprojekt dieser Art an, eine Forschungsstation für eine andere Nation vielleicht? Die Belgier haben ja auch gerade eine eigene Station in der Antarktis eröffnet...
Kramer: Nein, noch nicht. Das erwarte ich auch nicht. Bei nationalen Prestigeobjekten wird so ein Auftrag auch nicht ins Ausland vergeben, das baut man selbst. Unsere Firmengruppe lebt von einer Vielzahl mittelgroßer und wenigen großen Aufträgen, so einer über drei Jahre ist selten. Wir betreuen ja auch Schifffahrtsindustrie, Energiewirtschaft, allgemeine Industrie. Bei der Petrochemie und Erdgasindustrie tut sich sehr viel, mehr sage ich dazu nicht. Aber wir sehen optimistisch nach vorne. Pessimisten gibt es eh zu viele.
