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28. Juli 2004: Neue Forschungsstation soll mit den Eismassen wachsen

Bremerhaven (bro). Jedes Jahr wächst die Schneedecke über der Neumayer-Station in der Antarktis um einen Meter, so dass sich die stählernen Röhren ganz langsam durchbiegen. Für 26 Millionen Euro wird deshalb neu gebaut – auf Stelzen über dem Schelfeis. Zurzeit prüfen Ingenieure, wie die Umwelt am Südpol den Neubau vertragen wird.

Am Montag hat Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) während der internationalen Antarktis-Konferenz in Bremen bestätigt, dass der Bund die neue Station finanzieren wird. Schon lange bevor die Ministerin ihren Segen gab, saßen die Logistiker im Alfred-Wegener-Institut (Awi) an den Bauplänen, denn dass die unterirdische Neumayer-Station – gebaut aus zwei 100 Meter langen Stahlröhren – ganz langsam von den Eismassen, die auf ihr lasten, zerquetscht werden würde, war schon bei deren Einweihung 1992 klar.

„Röhren waren das beste“„Damals“, sagt Awi-Chef-Logistiker Dr. Hartwig Gernandt, „waren Röhren das beste. Heute macht das keiner mehr.“ Denn den Stationen unter dem Eis sei eine maximale Lebenszeit von 14 oder 15 Jahren beschieden, die künftige Station auf Stelzen soll mindestens 25 Jahre halten, weil sie mit dem wachsenden Eis jedes Jahr ein Stück angehoben werden soll.Im antarktischen Sommer 2006 möchte das Awi mit dem Bau ein paar Kilometer südlich der heutigen Station auf dem Eckström-Schelfeis am Rande des Weddellmeeres beginnen, zwei Sommer lang werden die Arbeiten vermutlich dauern.

Der Clou dabei: Die eigentliche Station wird oberirdisch stehen, die Garage für die Pistengeräte und Schlitten aber unterirdisch – beides zusammen aber muss wegen der wachsenden Eisschicht angehoben werden können.An der Entwicklung haben sich auch die britischen und französischen Antarktis-Institutionen beteiligt, die ihren deutschen Kollegen ebenfalls beim Bau am Südpol behilflich sein wollen. Weil der internationale Antarktisvertrag vorsieht, dass alles, was ins ewige Eis kommt, eines Tages von dort auch wieder verschwinden muss, untersucht das Umwelt-Bundesamt schon die Awi-Pläne.

Vermutlich im Mai 2005 werden alle Staaten, die in der Antarktis vertreten sind, in Stockholm die Pläne begutachten und ihren Kommentar dazu abgeben. Während diese Rahmenbedingungen nacheinander abgesteckt würden, so Gernandt, arbeiteten Ingenieure schon an einer Studie, welche Form Neumayer III erhalten könnte und wie die Statik beschaffen sein müsste. Noch in diesem Jahr werde der Bau vermutlich „mindestens europaweit“ ausgeschrieben, weiß Gernandt. Gesucht wird ein Generalunternehmer, der auch gleich die alte Neumayer-Station aus dem Schnee ausgräbt und jedes der 154000 Einzelteile mit zurück- nimmt.

Die neue Station soll im Sommer bis zu 58 Forschern Platz bieten. Im langen, dunklen Winter wollen elf Menschen dort aushalten: Nirgends auf der Welt ist es kälter und nirgendwo stürmischer. Zurzeit wohnen und arbeiten neun deutsche Überwinterer am Südpol.

Artikel vom 19.02.09 - 11:52 Uhr
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