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„Verbraucherwunsch zählt“

Bremerhaven. Astrid Grotelüschen ist seit Ende April niedersächsische Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin. Warum Massentierhaltung für die 45-Jährige weiter hohen Stellenwert genießt und welche Rolle der Verbraucher bei der Fleischproduktion spielt, erläutert die CDU-Politikerin im Gespräch mit den Redakteuren Inga Hansen und Wolfgang Ehrecke.

Frau Grotelüschen, Sie haben am Wochenende in der Nähe von Hamburg die Aktionstage Ökolandbau eröffnet. Sind Sie da von Biobauern attackiert worden?

Nein, ich bin dort sehr herzlich empfangen worden.

Wir fragen deshalb, weil Ihnen ja schon beim Amtsantritt Lobbyismus für die Massentierhaltung vorgeworfen wurde.

Dieser Vorwurf ist einfach nicht wahr. Mit Bezug auf den Ökolandbau hatte ich schon eine Vielzahl wichtiger Termine, wo Dialog und Kommunikation möglich waren.

Nun stehen Sie ja derzeit mächtig unter Beschuss: Was sagen Sie zu den Vorwürfen, dass in Putenmastbetrieben, mit denen Ihr Mann kooperiert, Tiere gequält wurden?

Ich habe mich dazu schon in epischer Breite ausgelassen. All das, was sachlich gesagt werden sollte, ist gesagt worden.

Immerhin hat die Tierschutzorganisation Peta Sie angezeigt.

Ich kenne noch keine Anzeige. Für mich ist wichtig, dass ich von der Staatsanwaltschaft erfahre, was mir konkret vorgeworfen wird, dann werden wir das auch ganz sachlich bearbeiten.

Die Vorwürfe, dass in Geflügelmastbetrieben Tiere nicht so gehalten werden, wie es ihnen entspricht, sind ja nicht neu.

Vorwürfe gibt es immer wieder. Es mag sein, dass es schwarze Schafe gibt. Fakt ist, dass wir in Deutschland ein Tierschutzgesetz haben, das eines der strengsten ist und das aus Deutschland heraus auch auf Europa übertragen wurde. Es ist wichtig, dass wir bei berechtigten Vorwürfen einschreiten und Missstände verhindern. Aber es ist genauso wichtig, dass wir Dinge klarstellen, die unberechtigterweise angesprochen werden.

Stimmt es, dass Puten in der Massentierhaltung teilweise so überzüchtet sind, dass sie unter ihrem Gewicht zusammenbrechen?

Das ist nicht die Regel.

Aber es passiert?

Ich glaube, wir sollten hier keine Fachdiskussion über Puten führen.

Die aktuelle Diskussion zeigt aber, dass die Verbraucher ethisch einwandfrei erzeugtes Fleisch auf dem Teller wünschen – Ethik und günstige Preise scheinen in der Fleischproduktion aber immer noch Gegensätze zu sein.

Masse ist kein Kriterium für eine schlechte oder eine gute Produktion. Bei uns werden Lebensmittel in einer großen Vielfalt und in hoher Qualität produziert – so wie es die Verbraucher wünschen.

Heißt das, es wird weiterhin Mastbetriebe mit Massentierhaltung geben, solange der Verbraucher billiges Fleisch haben möchte?

Jeder Landwirt produziert für den Markt, und der Markt ist der Verbraucher. Aus Sicht einer Landwirtschaftsministerin und der Berufsbranche ist es wichtig, ein Angebot zu schaffen, das den Wünschen des Verbrauchers entspricht. Wenn der Preis zu hoch ist oder der Geschmack nicht stimmt, bleiben die Produzenten auf ihren Erzeugnissen sitzen.

Also wird es die Billigfleisch-Angebote weiter geben?

Die Alternative wäre, das Fleisch aus Brasilien zu importieren.

Was sollen Verbraucher tun, die beim Fleisch lieber Qualität als Masse haben wollen?

Sie schließen Menge und Qualität aus – da muss ich Ihnen widersprechen. Einem Verbraucher, der so denkt, steht es frei, zu sagen: Ja, das kaufe ich jetzt oder das kaufe ich nicht.

Millionen-Investition

Niedersachsen will 33 Millionen Euro in den Verbraucherschutz investieren. Mit dem Geld soll das neue Veterinärinstitut in Oldenburg errichtet werden, teilte das Verbraucherschutzministerium gestern mit. Unter anderem sollen dadurch die Kapazitäten im Bereich der Dioxinanalyse erweitert werden. „Das Veterinärinstitut ist für Niedersachsen als tierdichteste Region Europas von größter Bedeutung“, sagte Verbraucherministerin Astrid Grotelüschen (CDU). Die Leistungsfähigkeit dieses Arbeitsbereiches müsste deshalb gewährleistet bleiben. (dapd)

Artikel vom 07.09.10 - 12:00 Uhr
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