
Böhrnsen hatte sich am Montag mit Vertretern der Windenergie-Agentur Bremerhaven/Bremen (WAB) zum Meinungsaustausch getroffen. Diese Agentur ist das Netzwerk der Branche in der Nordwest-Region und bundesweiter Ansprechpartner für die Offshore-Windindustrie. Mehr energisches Handeln für die Energie-Wende verlangen die Macher der Branche. „Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte über die Rettung Europas und ihrer Koalition die Zukunftschancen des deutschen Nordens nicht vergessen“, sagte Böhrnsen. Mit einem Koordinator solle Schwung in die Energiewende kommen.
Das Thema wird heute auf der gemeinsamen Kabinettssitzung der Landesregierungen Bremens und Niedersachsens aufgerufen. Zudem wird es durch Böhrnsen bei der nächsten Sitzung der norddeutschen Ministerpräsidenten im März eingebracht.
Bis 2020 sollen in der Nord- und Ostsee rund 2500 Anlagen aufgebaut werden. Um das Ziel zu erreichen, müsste der Ausbau der Hafeninfrastruktur zügig vorangetrieben werden. Neben Errichter-Häfen müssten auch Servicehäfen finanziell unterstützt werden und planungsrechtliche Hindernisse beseitigt werden, hieß es.
Für den Hafenausbau müsste die Bundesregierung Geld bereitstellen und mit Hilfe des Risikofonds Sicherheit für Privatinvestoren schaffen. Auch bei Offshore-Spezialschiffen stellen Finanzierungsfragen ein großes Hindernis dar. Die Branche brauche ein weiteres Sonderprogramm der staatlichen KfW-Bankengruppe, lautete die Forderung.
Die Windenergie-Agentur forderte eine Beschleunigung des Netzausbaus und Hilfe des Bunds bei der Beschaffung des Kapitals für die Netzanschlüsse. Der Bund solle auch eine Risikobeteiligung prüfen für die ungeklärten Haftungs- und Finanzierungsfragen. Die Betreiber der Strom-Übertragungsnetze schlagen ihrerseits Alarm: Lex Hartman, Mitglied der Geschäftsführung bei Tennet, sagte, es gebe eine Unmenge von Anschluss-Anfragen, die sein Unternehmen „unmöglich alle gleichzeitig abarbeiten“ könne. Pro Anschluss seien Investitionen teils in dreistelliger Millionenhöhe notwendig. Tennet schlage vor, eine unternehmensübergreifende Gesellschaft für die Anbindung der Windparks zu gründen.
Unterdessen soll der Energiekonzern Eon bei der Suche nach Geld jetzt bereit sein, Finanzinvestoren Beteiligungen an seinen Offshore-Wind-Projekten anzubieten. Die Landesregierung in Schleswig-Holstein überlegt, die Bürger über Kapitalanlagen am Ausbau des Stromnetzes für die Energiewende zu beteiligen. (rn)
