
Per TED ließ die veranstaltende Windenergieagentur WAB die Teilnehmer darüber abstimmen, wo sie die Windkraftindustrie im Jahr 2020 sehen. Ergebnis: Nur fünf Prozent der Manager glauben noch, dass bis dahin die von der Bundesregierung geplanten 10 000 Megawatt – also rund 2000 Windräder – in Nord- und Ostsee installiert sind. Die Mehrheit – 45 Prozent – sieht den Ausbaustand 2020 eher bei 6000 Megawatt.
Dirk Briese, Chef des Marktforschungsinstituts Windresearch, hat drei Szenarien durchgerechnet, wie sich die Branche entwickeln könnte. „Im besten Fall wird die Latte von 10 000 Megawatt nur knapp gerissen“, sagt er. Dazu müsste allerdings das Thema Netzausbau noch vor der Sommerpause gelöst werden, müssten die Kosten eines Windparks um 30 Prozent sinken und in den nächsten zwei bis drei Jahren geeignete Häfen für den Bau der Windparks geschaffen werden. Für wahrscheinlicher hält der Marktforscher einen Ausbaustand von gut 7000 Megawatt bis 2020, im ungünstigten Fall stagniert die Entwicklung bei weniger als 3000 Megawatt. Zurzeit drehen sich auf See 55 Windräder mit einer Leistung von 215 Megwatt.
Die Blicke der Branche richten sich nach Berlin: Ein Gesetz muss her, das die Stromnetzbetreiber von bestimmten Haftungsrisiken freistellt – nur so könnten Investoren gefunden werden, die Geld in den dringend erforderlichen Ausbau der Kabelnetze auf See stecken. Doch als der maritime Koordinator der Bundesregierung, Hans-Joachim Otto (FDP), am Mittag im Hubschrauber über dem Messegelände einschwebte, hatte er den Gesetzentwurf wieder nicht dabei. Anfang August solle das Kabinett darüber entscheiden, kündigte er an.
Warum sich die Politik mit dem Thema so schwertut, liegt auf der Hand: Auf die Stromkunden kommen zusätzliche Kosten zu. „Es muss eine faire Verteilung der Lasten geben, Investoren müssen die Risiken mittragen“, forderte der Vorsitzende der Stiftung Offshore-Windenergie, Jörg Kuhbier, ehemaliger SPD-Senator in Hamburg. „Aber ein großer Teil des Schadens wird bei den Verbrauchern landen.“
