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Mit schneller Geisterhand


Hamburg. Es ist gängige Praxis in allen Häfen der Welt: Erst werden die Schiffe entladen und dann beladen. Doch das Ende dieses jahrhundertalten Verfahrens ist gekommen: Zum Jahresende will der Hamburger Hafenbetreiber HHLA in seinem Container Terminal Altenwerder Zeit und Kosten sparen und Container gleichzeitig löschen und laden. Unter Federführung der Ingenieurin Gerlinde John ist der Optimierungsprozess angelaufen. Von Wolfgang Stephan


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Die Ingenieurin Gerlinde John hat vor zehn Jahren in Hamburg entscheidend an der Entwicklung des Leitstandes gearbeitet, dem Herzstück des vollautomatischen Container Terminals Altenwerder. Jetzt hat sie ein neues, revolutionäres Projekt in der Erprobung: „Dual Cycle“, das gleichzeitige Löschen und Laden eines Schiffes.

„Den Leerlauf kennt jeder vom eigenen Umzug: Die Kisten werden rausgetragen, ohne Gepäck geht es zurück, bevor die nächste Kiste angepackt wird“, erklärt Ingenieurin John die Keimzelle, aus der sie mit ihrem Team das „Dual Cycle“-System entwickelt hat. Mit dem neuen Ladeverfahren soll die Container-Abfertigung deutlich schneller gehen. Die beiden Greifer der Containerbrücke und die automatisierten Transportfahrzeuge werden – statt Leerfahrten zu machen – auf jedem Weg Container transportieren. Bisher verursacht jeder Container zwei Bewegungen der Transportfahrzeuge und der sogenannten „Katze“, die ihn vom oder auf das Schiff hievt: eine mit Ladung und eine ohne zurück. Der wirtschaftliche Effekt der Neuerung sei groß und der Nebeneffekt nicht zu unterschätzen, sagt Gerlinde John, denn der Verkehr im Container-Terminal reduziere sich erheblich. Nicht ganz um die Hälfte, denn nicht alle Schiffe und alle Container könnten mit diesem Verfahren behandelt werden. Derzeit läuft die Erprobung, bis Jahresende soll das beschleunigte Verfahren zum Einsatz kommen.

Der HHLA-Containerterminal in Altenwerder feiert in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag. Am 25. Juni 2002 wurde mit der „Nedlloyd Africa“ das erste Containerschiff abgefertigt. Seitdem hat die Anlage mehr als 20 Millionen Standardcontainer umgeschlagen. „Wir sind das leistungsstärkste Terminal in Nordeuropa“, sagt Geschäftsführer Thomas Lütje. Der Grund ist die Systemtechnik, denn die Container werden nahezu vollautomatisch bewegt: Von der Containerbrücke werden die Kisten auf die selbstfahrenden AGV (Automatic Guided Vehicles), im Hafen-Slang „Roboter-Brummis“, gehoben und zu den Blocklagern gefahren, die auch mit vollautomatisch arbeitenden Kränen die Container stapeln und verwalten.

Am Ende dieser Technisierung steht die „Selbstbedienung“ der Spediteure, die mit einer Chipkarte die Systeme in Gang setzen und ohne Menschenhand den Container auf ihren Lkw gesetzt bekommen. Obwohl diese Technik wie von Geisterhand gesteuert funktioniert, arbeiten in dem Terminal rund 700 Mitarbeiter der 4800 HHLA-Beschäftigten in Hamburg. 2011 hat die Nummer 1 im Hafenhandel in Hamburg den Containerumschlag um 21 Prozent auf 7,1 Millionen Container erhöht. Allein im Container Terminal Altenwerder wurden 2011 sieben Millionen Container umgeschlagen. Rund die Hälfte betrifft den Asien-Handel.

Artikel vom 13.07.12 - 07:00 Uhr
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