
„Wir erleben, dass das Interesse an Fisch gestiegen ist“, sagt Matthias Keller, Geschäftsführer des FIZ. Dazu trage auch der demographische Wandel in der Bevölkerung bei: „Menschen ab 50 achten mehr auf gesunde Ernährung – da liegt Fisch als leichtes, bekömmliches Nahrungsmittel im Trend“, sagt Keller. Schließlich empfehle die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, zweimal pro Woche Fisch zu essen.
Dem Loblied der Ernährungswissenschaftler stehen allerdings regelmäßig die Schreckensmeldungen der Umweltschützer gegenüber: 80 Prozent der weltweiten Fischbestände seien gefährdet, beklagen sie, und warnen vor dem Verzehr von Hering, Rotbarsch und Kabeljau. Gibt es also gar nicht mehr genug Fisch, um den erhofften Konsumanstieg zu decken? „Doch“, versichert Keller. Denn in der Schreckenszahl „80 Prozent“ seien neben den tatsächlich überfischten Beständen (knapp 30 Prozent) auch die maximal genutzten Vorkommen (gut 50 Prozent) enthalten, rechnet Keller vor. „Hier werden Zahlen der Welternährungsorganisation FAO einseitig interpretiert“, beklagt er.
Die deutsche Fischwirtschaft plädiert dafür, die einzelnen Bestände differenziert zu betrachten, statt pauschal vor dem Verzehr bestimmter Fischarten zu warnen. Beispiel: Kabeljau. „In der Nordsee gehen die Bestandszahlen zurück“, räumt Keller ein. „Aber in der östlichen Ostsee erholen sie sich gerade auf wundersame Weise – dort kann also gefischt werden.“
Einfacher zu lesen wären für Verbraucher allerdings Gütesiegel, die die Herkunft der Fisches aus bestandserhaltender Fischerei bestätigen. Die allerdings kosten Geld. „Wir wollen das Angebot an zertifizierten Produkten erweitern, aber Gütesiegel wie das MSC-Siegel sind sehr teuer – das kann sich nicht jeder Hersteller leisten“, sagt Keller.
Dass die neue EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki den Umgang mit den Meeresressourcen grundlegend reformieren will, begrüßt die deutsche Fischwirtschaft – jedenfalls offiziell. „Die Fangquoten müssen enger an den Empfehlungen der Wissenschaftler liegen – da sind wir ganz klar dafür“, versichert Keller. Im Dezember kann die Fischwirtschaft das beweisen: Dann wird in Brüssel wieder über die Fangquoten für das nächste Jahr gefeilscht. (cb)
