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Eine Branche in Seenot


Hamburg. Vor dem Hintergrund der gravierenden Krise in der Schifffahrtsbranche treffen sich am Donnerstag in Berlin Vertreter von drei Bundesministerien, fünf norddeutschen Küstenländern und mehreren Firmen. Bei dem Krisengespräch sollen Möglichkeiten für staatliche Hilfen ausgelotet werden. Von Sebastian Bronst


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Auch Hapag-Lloyd , Deutschlands bekannteste Reederei, ist durch die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise in Schräglage geraten. Foto Archiv

Geleitet wird das Treffen vom erst kürzlich ernannten Koordinator der Bundesregierung für maritime Wirtschaft, Staatssekretär Hans-Joachim Otto (FDP) aus dem Wirtschaftsministerium. Dass es nach diesem ersten maritimen Gipfel schon konkrete Hilfsmaßnahmen zu verkünden gibt, gilt allerdings als unwahrscheinlich. Die Thematik sei „hochkomplex“, sagt Michael Ahrens, Sprecher von Hamburgs Wirtschaftssenator Axel Gedaschko (CDU).

Die einst boomende Branche ist schwer angeschlagen. Einbrüche im Welthandel führten zu einem Verfall der Frachtpreise, Reedereien fahren hohe Verluste ein, und Werften leiden unter der Stornierung von Bauaufträgen.

Überbrückungskredite

Eines der Themen des Gipfels sind mögliche Überbrückungskredite für Reeder. Diese klagen seit längerem, dass ihnen die Kapitalbeschaffung für Innovationen und den laufenden Schiffsbetrieb wegen des Verfalls der Frachtpreise und Schiffsmieten sowie einer zunehmenden Zurückhaltung der Banken große Probleme macht. Dabei geht es um gewichtige „Global Player“: Deutsche Reeder kontrollieren rund ein Drittel der Containerschiff-Tonnage auf den Weltmeeren; insgesamt sind rund 70 Prozent der auf dem Weltmarkt zur Charter angebotenen Handelsschiffkapazität in Händen deutscher Besitzer.

Während viele Reedereien seit 2008 hohe Verluste einfahren und teilweise nicht einmal die Betriebskosten ihrer Schiffe decken, können oder wollen ihnen die Kreditinstitute inzwischen aber kaum mit Extrakrediten helfen. Die HSH Nordbank als der weltgrößte Schiffsfinanzierer etwa ist selbst durch Fehlspekulationen in Schieflage geraten. Reguläre staatliche Hilfen für Unternehmen wiederum, etwa Sonderprogramme der staatlichen Förderbank KfW oder der in der Krise aufgelegte Deutschland-Fonds, können die Finanzlücke laut Verband Deutscher Reeder (VDR) nicht schließen, da sie auf die besonderen Gegebenheiten der Branche teils gar nicht passten. Um direkte Rettungspakete für einzelne Firmen soll es beim Krisentreffen nicht gehen. Doch schon allgemeine Kredithilfen für klamme Reeder könnten etwa auch den gebeutelten deutschen Werften nützen, die nach Angaben ihres Verbands in den vergangenen zwei Jahren rund ein Viertel ihres Auftragsbestands durch Neubau-Stornierungen seitens der Schiffseigner verloren.

Artikel vom 16.03.10 - 16:00 Uhr
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