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Dürre lässt die Felder sterben

Washington/Chicago. Braun dominiert die Felder: welke, sonnenverbrannte Maispflanzen. Zu ernten gibt es nichts mehr, Wassermangel und extreme Hitze lassen den Farmern in Iowa, Kansas und Arkansas keine Chance. Die Folge: enorme Preissprünge und die Gefahr einer weltweiten Nahrungsmittelkrise. Von Friedemann Diederichs (Büro Washington)

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Wie hier in Burlington (Wisconsin) sieht es überall im Mittleren Westen der USA aus: Eine katastrophale Dürre lässt die Erträge ausfallen und die Preise steigen. Foto dpa

Eine Jahrhundert-Dürre hält die Kornkammern des Mittleren Westens im Würgegriff: 28 der 50 US-Bundesstaaten erleben das wärmste und trockenste Jahr seit Beginn der offiziellen Temperaturaufzeichnungen 1895. Auch Viehzüchter sind von der Tragödie betroffen: Das Wasser für die Tiere muss täglich teuer gekauft und herantransportiert werden. Die Kühe geben weniger Milch, und mancherorts werden bereits Notschlachtungen vorgenommen.

Die Folge: Für August wird in den USA ein Anstieg der Preise für Agrarprodukte von bis zu 30 Prozent vorhergesagt, nachdem zuvor schon Mais, Weizen und Sojabohnen um bis 50 Prozent teurer wurden. Diese Preis-Explosion wird rund um den Erdball zu spüren sein, sagt die internationale Hilfsorganisation Oxfam. „Die USA sind der größte Exporteur dieser Produkte, und die Erschütterungen dieses Trends werden verheerende Konsequenzen für jene haben, die bereits darum kämpfen, genug zu essen zu bekommen.“ Die Vereinten Nationen gaben bekannt, dass die Lebensmittelpreise weltweit im Juli um sechs Prozent stiegen. Maispreise katapultierten sich sogar um 23 Prozent in die Höhe.

„Es ist alarmierend“, sagt Mathias Mogge, Programmvorstand der Deutschen Welthungerhilfe. Er denkt an die vielen afrikanischen Länder, die Getreide importieren müssen. In Westafrika seien bis zu 18 Millionen Menschen akut von Hunger bedroht, wenn nicht schnell genug ausländische Hilfe kommt.

„Allein zwischen 2005 und 2008 haben sich die Preise von Weizen, Reis und Mais verdreifacht“, betont die Sachverständigengruppe zu „Weltwirtschaft und Sozialethik“ der Deutschen Bischofskonferenz. Fast 80 Millionen Menschen stürzten damals in Hunger und Armut. Seither sanken die Preise nicht mehr auf den alten Stand, und immer wieder gibt es Preissprünge.

Tank oder Teller

Was das Problem verschärft: 40 Prozent der US-Maisproduktion werden an Biosprithersteller geliefert. Klare Worte dazu fand José Graziano da Silva, Direktor der Welternährungsorganisation (FAO): Mais müsse auf den Teller, nicht in den Tank. Silva forderte eine sofortige Aussetzung jener Kongressverfügung, die den Ethanolanteil der Maisernte regelt. Auch die US-Bundesstaaten North Carolina und Arkansas beantragten eine zeitweise Aufhebung der Ethanolquote.

Umweltschutz kontra globale Hungerkrise: für US-Präsident Barack Obama ein heikles Thema im Wahljahr. Bislang zeigte er keine Lust, dem internationalen Druck nachzugeben. Stattdessen kündigte er Hilfen für die US-Viehzüchter an: Das Agrarministerium will für 170 Millionen US-Dollar (140 Millionen Euro) Schweinefleisch, Lammfleisch und Hühner kaufen, um notleidende Farmer zu unterstützen.

Artikel vom 17.08.12 - 07:00 Uhr
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