
Eine Jahrhundert-Dürre hält die Kornkammern des Mittleren Westens im Würgegriff: 28 der 50 US-Bundesstaaten erleben das wärmste und trockenste Jahr seit Beginn der offiziellen Temperaturaufzeichnungen 1895. Auch Viehzüchter sind von der Tragödie betroffen: Das Wasser für die Tiere muss täglich teuer gekauft und herantransportiert werden. Die Kühe geben weniger Milch, und mancherorts werden bereits Notschlachtungen vorgenommen.
Die Folge: Für August wird in den USA ein Anstieg der Preise für Agrarprodukte von bis zu 30 Prozent vorhergesagt, nachdem zuvor schon Mais, Weizen und Sojabohnen um bis 50 Prozent teurer wurden. Diese Preis-Explosion wird rund um den Erdball zu spüren sein, sagt die internationale Hilfsorganisation Oxfam. „Die USA sind der größte Exporteur dieser Produkte, und die Erschütterungen dieses Trends werden verheerende Konsequenzen für jene haben, die bereits darum kämpfen, genug zu essen zu bekommen.“ Die Vereinten Nationen gaben bekannt, dass die Lebensmittelpreise weltweit im Juli um sechs Prozent stiegen. Maispreise katapultierten sich sogar um 23 Prozent in die Höhe.
„Es ist alarmierend“, sagt Mathias Mogge, Programmvorstand der Deutschen Welthungerhilfe. Er denkt an die vielen afrikanischen Länder, die Getreide importieren müssen. In Westafrika seien bis zu 18 Millionen Menschen akut von Hunger bedroht, wenn nicht schnell genug ausländische Hilfe kommt.
„Allein zwischen 2005 und 2008 haben sich die Preise von Weizen, Reis und Mais verdreifacht“, betont die Sachverständigengruppe zu „Weltwirtschaft und Sozialethik“ der Deutschen Bischofskonferenz. Fast 80 Millionen Menschen stürzten damals in Hunger und Armut. Seither sanken die Preise nicht mehr auf den alten Stand, und immer wieder gibt es Preissprünge.
Umweltschutz kontra globale Hungerkrise: für US-Präsident Barack Obama ein heikles Thema im Wahljahr. Bislang zeigte er keine Lust, dem internationalen Druck nachzugeben. Stattdessen kündigte er Hilfen für die US-Viehzüchter an: Das Agrarministerium will für 170 Millionen US-Dollar (140 Millionen Euro) Schweinefleisch, Lammfleisch und Hühner kaufen, um notleidende Farmer zu unterstützen.
