
Welchen Vorteil hat die Umkehrhypothek im Vergleich zum klassischen Kredit?
Sie hat einen ganz anderen Zweck. Die Umkehrhypothek dient nicht dazu, Maßnahmen am Haus zu finanzieren oder einen Hauskauf. Sie ist dazu da, dass man eine schuldenfreie Immobilie zu Geld macht, also zu einer Rentenzahlung oder auch zu einer Einmalzahlung, und gleichzeitig im Haus wohnen bleibt und auch keine laufende Belastung aus dem Kredit hat. Sie ist also praktisch ein Kredit, für den man während der Laufzeit, also bis zum Tod oder bis zum Auszug aus der Immobilie, keinerlei Raten, also weder Zins noch Tilgung zahlt. Zurückgezahlt wird der Kredit auf einen Schlag samt der aufgelaufenen Zinsen, wenn der Kreditnehmer stirbt oder aus der Immobilie auszieht. Das ist also eine Möglichkeit für diejenigen, die unbedingt und möglichst langfristig in ihrer eigenen Immobilie wohnen bleiben wollen, gleichzeitig aber Geld benötigen, um ihre Rente aufzubessern oder sich andere Wünsche zu erfüllen. Da gibt es auch sonst kaum Alternativen dazu, wenn man das Haus nicht verkaufen will.
Worauf ist beim Abschluss besonders zu achten?
Wir empfehlen, das erst in Anspruch zu nehmen, wenn man wirklich andere Geldmittel schon ausgeschöpft hat, weil die Kosten doch erheblich sind und die Auszahlung aus der Immobilienrente im Verhältnis zum Immobilienwert relativ gering ist. Das liegt an den relativ hohen Kosten. Zu den Zinsen kommen ja noch weitere Kosten. Beim Anbieter R+V sind das die Versicherungsbeiträge, beim Anbieter Immokasse sind es die Stundungsentgelte. Bei einer Einmalzahlung ist es so, dass sich die Kreditschuld innerhalb der ersten zehn Jahre mehr als verdoppelt. Jetzt kann man natürlich sagen: Man muss ja keine laufenden Raten zahlen. Trotzdem ist es natürlich für die Entscheidung, welches Angebot man annimmt, sehr wichtig. Weil davon eben auch die Höhe der Rente und die Höhe der Einmalzahlung abhängt.
Gibt es Umstände, unter denen gänzlich von diesem Finanzprodukt abzuraten ist?
Die Umkehrhypothek ist sozusagen das letzte Mittel. Wenn man noch andere Mittel zur Verfügung hat, sollte man erst die antasten. Das wird schlichtweg günstiger sein. Und sie ist sicher auch kein geeignetes Instrument, wenn man jetzt Erben zu versorgen hat oder versorgen will, weil das Nettovermögen, also die Differenz zwischen dem Wert der Immobilie und dem, was als Kredit aufläuft, immer mehr abnimmt, und irgendwann bleibt halt nichts mehr übrig.
Noch gibt es in Deutschland erst wenige Anbieter. Glauben Sie, dass sich das bald ändern wird?
Ich bin sogar überzeugt davon, dass sich das noch ändern wird. Die Zielgruppe ist zweifellos vorhanden. Wir müssen auch davon ausgehen, dass die Renteneinkommen für viele eher niedriger werden, so dass viele auf Zusatzeinkünfte angewiesen sind. Also der Bedarf ist mit Sicherheit da, und deshalb finden wir das im Grunde genommen auch sehr begrüßenswert, dass es jetzt die ersten Angebote gibt. Besser wär’s natürlich, es gäbe noch einige Angebote mehr, denn so richtig günstige Konditionen kommen meist erst heraus, wenn es auch einen entsprechenden Wettbewerb am Markt gibt.
Also je mehr Anbieter am Markt sind, umso besser werden die Konditionen werden?
Davon gehe ich aus. Die ersten Anbieter haben noch sehr vorsichtig kalkuliert und nehmen entsprechend hohe Abschläge vor. Insgesamt sind wir aber froh darüber, dass es jetzt wenigstens mal zwei bundesweite Anbieter gibt. Und mit der R+V ist ja schon allein durch den Vertrieb der Volks- und Raiffeisenbanken auch ein recht großer Anbieter dabei. Und ich gehe davon aus, dass auch andere große Anbieter nachziehen werden.
Sie haben bereits Anbieter getestet. Wen können Sie empfehlen, wen nicht?
Das kann man so schlecht sagen. Die R+V und die Immokasse sind ja auch schwer zu vergleichen. Die eine hat eine laufende Rentenzahlung. Wenn man das möchte, kommt die Immokasse eigentlich gar nicht in Frage. Die R+V macht das dagegen wahlweise mit einer laufenden Rentenzahlung, einer Kombination aus Einmalzahlung und Rente oder auch nur einer Auszahlung – das ist also flexibler.
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