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Löst der Computer das Schulbuch ab?


Hannover/Cuxhaven. Hat das Schulbuch bald ausgedient? Wenn es nach den Verlagen geht, ist die Zukunft im Klassenzimmer elektronisch. Auf der Bildungsmesse Didacta in Hannover, die am Dienstag beginnt, stellen 27 Verlage ihr Projekt „Digitale Schulbücher“ vor. Möglich wird die Entwicklung, weil die kompakten Netbooks und Tablet-Computer von immer mehr Klassen genutzt werden. Wie am Lichtenberg-Gymnasium in Cuxhaven. Von Yvonne stock


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Sieht so die Zukunft in deutschen Klassenzimmern aus? Viel deutet darauf hin, dass die Schüler in einigen Jahren mit dem Computer und digitalen Schulbüchern lernen. Das revolutioniert den Unterricht. Foto mstore.de

Dort ist bereits der zweite Jahrgang mit Netbooks ausgestattet. „Rechner sind für Schüler ein normales Arbeitsgerät“, erklärt Schulleiter Bernd Kreft. Davor könne sich eine Schule nicht verschließen.

Die Liste der Netbook-Vorteile ist aus Krefts Sicht lang: Die Schüler seien motivierter mit Computern als mit Heften zu arbeiten. Durch das Internet stehen mehr Materialien zur Verfügung, etwa an fremdsprachigen Beiträgen. Hausaufgaben würden über den schuleigenen Server schnell verteilt. Gruppenarbeiten könnten über denselben Weg zusammengeführt und auf der elektronischen Tafel präsentiert werden.

Diese „Whiteboards“ wurden noch vor einigen Jahren als Revolution im Klassenzimmer gefeiert. Dabei sind die elektronischen Tafeln nicht mehr als die Weiterentwicklung der Kreidetafel. Es geht darum, der Klasse etwas zu zeigen. Die Netbook-Klassen bieten die Chance für eine wirkliche Revolutionierung des Unterrichts: Denn wer vor dem PC sitzt, kann sofort Fakten aus allen Fächern abrufen. Der Lehrer vermittelt weniger Inhalte, sondern mehr Methoden, legt den Rahmen für das individuelle Lernen fest und führt Ergebnisse zusammen.

Sponsoren für Ausrüstung

Einer, der fest von der digitalen Zukunft in Klassenzimmern überzeugt ist, ist Herbert Jancke vom Verein „n-21: Schulen in Niedersachsen online“. Dieser sammelt Sponsorengelder, um die Revolution an den Schulen voranzutreiben. „Wir müssen Schüler auf das vorbereiten, was sie später im Beruf brauchen“, betont Jancke.

Auf der Messe Didacta erklärt der Verein Pädagogen den Umgang mit den digitalen Medien. „Die Lehrer müssen mit ins Boot geholt werden“, betont Jancke. „Da gibt es manchmal Probleme.“ Nicht jeder, der seit Jahren mit Hilfe von Kreidetafeln und Büchern unterrichtet, möchte sein Konzept völlig umkrempeln.

Und selbst wenn die Lehrer den Einsatz von Netbooks befürworten, bedeutet das noch nicht, dass sie entsprechende Schulungen bekommen. „Viele bilden sich selbst fort, da geht manche Extrastunde drauf“, weiß Eberhard Brandt, Vorsitzender des niedersächsischen Landesverbands der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Ein Problem sei auch die Verwaltung der Rechner und des Schulnetzwerks. „Wir erwarten von der staatlichen Seite, dass die Administratoren bezahlt werden. Das passiert aber nicht“, kritisiert Brandt. Die Kommunen und das Land schöben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu.

Denn kosten soll die digitale Revolution den Staat möglichst wenig. Meistens müssen die Eltern die Kosten für die Netbooks schultern. Für einkommensschwache Familien gibt es häufig einen Fördertopf, so auch in Cuxhaven. Manchmal kann der Verein „n-21“ gesponserte Laptops verteilen, wie im Januar in Bad Bederkesa.

Firmen wie Apple wittern das große Geschäft und die Chance, Kinder schon früh an ihr Unternehmen zu binden. Nach ihrem Tablet-PC, dem iPad, werden bereits die Klassen benannt, die fast nur auf den Computern arbeiten. In seinem Internet-Laden verdient das Unternehmen Geld mit Bildungssoftware. Und von Apple kam der Anstoß, Schulbücher zu digitalisieren.

Die kosten auch Geld, aber sie lösen ein Lizenzproblem. Denn heute scannen Lehrer etwa Grafiken aus den gedruckten Schulbüchern ein, um sie auf den elektronischen Tafeln zu zeigen. Das ist verboten. Es wurde sogar über den Einsatz von Schultrojanern diskutiert, eine Software, welche die verbotenen Kopien auf den Schulservern aufspüren soll.

„Buch nicht ersetzen“

„Auf die digitalen Schulbücher haben wir gewartet“, freut sich Jancke von „n-21“. Auch Schulleiter Kreft sieht Vorteile. Die Schüler müssen die Bücher nicht mehr schleppen, Aktualisierungen sind problemlos möglich und Hörübungen sowie Filme können eingebunden werden. GEW-Mann Brandt sieht diese zusätzlichen Funktionen auch positiv, aber „das gedruckte Schulbuch ganz zu ersetzen ist falsch“.

Er sieht den direkten Austausch zwischen den Schülern und dem Lehrer in Gefahr. Und wie andere Kritiker der digitalen Revolution im Klassenzimmer hat er Angst um die Handschrift.

In den Augen von Schulleiter Kreft ist die Sorge unberechtigt. Denn weil Klausuren noch handschriftlich abgegeben werden müssten, werde die Handschrift nicht leiden. Kreft sieht andere Probleme: Über die Kommunikationsplattform auf dem Schulserver können natürlich auch Beleidigungen veröffentlicht werden, und so ein Computer bietet nicht nur Lern-, sondern auch Ablenkungsmöglichkeiten. Dazu meint „n-21“- Experte Jancke nur: „Früher hatten wir auch andere Zettel in unseren Büchern liegen.“

Links zum Thema

Der Verein n-21 bietet ein großes Materialangebot zum Thema digitales Lernen: www.n-21.de

Der Lehrer Ulf Blanke aus Braunschweig schreibt zum Thema „Schule & Computer“: http://digitale-schule.blogspot.com

Verschiedene Lehrer berichten über den Einsatz von iPads in der Schule: http://schule-ipad.de/

Internettagebuch über den Gebrauch von Tablet-PCs an einer Gesamtschule http://gesamtschule-volkmarode.de/blog/

Angebote zur Stärkung von Medienkompetenz www.medienkompetenz-niedersachsen.de

Artikel vom 11.02.12 - 07:00 Uhr
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