
Um das Zwischenziel zu erreichen, müssten in den kommenden acht Jahren rund 2000 Windräder in Nord- und Ostsee errichtet werden – fast jeden Tag eins. Tatsächlich jedoch zögern die Investoren, solange der Netzanschluss ihrer teuren Windparks nicht gewährleistet ist. „Die Politik hat das Problem erkannt – jetzt muss schnell eine Lösung her“, sagte Bünting. „Das Vertrauen der Investoren ist erschüttert.“
RWE Innogy, die Erneuerbare-Energien-Tochter des RWE-Konzerns, bekam die Probleme beim Netzausbau selbst zu spüren: Im November erfuhren die Essener vom Netzbetreiber Tennet, dass das Seekabel zum geplanten Windpark „Nordsee Ost“ vor Helgoland ein Jahr später als vorgesehen verlegt wird. „Das kostet uns eine dreistellige Millionensumme und erfordert eine komplett neue Bauplanung“, sagte Bünting. Das Unternehmen behalte sich eine Schadensersatzklage gegen Tennet vor.
Allerdings sind auch die RWE-eigenen Schiffe, die die Windparks bauen sollen, verspätet. Am Donnerstag soll das erste der beiden in Südkorea gebauten Hubschiffe in Bremerhaven eintreffen. Avisiert war die Ankunft der „Victoria Mathias“ ursprünglich für Ende November. Technische Probleme mit der Hydraulik der Hubbeine jedoch führten auch hier zu Verzögerungen. Jetzt sollen die „Victoria Mathias“ und ihr Schwesterschiff „Friedrich Ernestine“ auf der Bremerhavener Lloyd Werft nachgerüstet werden. „Das wird noch einmal zwei bis drei Monate dauern“, schätzt Bünting.
Der Bau des Windparks „Nordsee Ost“ soll im Sommer mit dem Setzen der Fundamente beginnen. Der Probebetrieb der 48 Windräder ist für das vierte Quartal 2013 vorgesehen – ein Jahr später als geplant.
Die Hersteller der Windrad-Komponenten mahnte Bünting, durch verbesserte Technik und Serienproduktion die Kosten zu senken. Zurzeit kostet der Bau eines 5-Megawatt-Windrades vor der Küste rund 16,5 Millionen Euro. „Wenn wir da in den nächsten Jahren nicht zu einer deutlichen Kostenreduktion kommen, hat sich das Thema Offshore-Windenergie relativ schnell erledigt“, sagte Bünting.
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