
Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) startete am Freitag eine landesweite Kampagne, um mehr junge Leute für die Arbeit in der Altenpflege zu gewinnen. Mit großflächigen Plakaten, Zeitungsanzeigen, Kinospots sowie Aktionstagen der Altenpfleger an den Regelschulen soll für die Arbeit in der Pflege geworben werden. Die Kampagne richte sich auch an Migranten und Quereinsteiger, die in den Pflegeeinrichtungen in den kommenden Jahren in steigender Zahl benötigt werden, sagte die Ministerin. Potenziellen Bewerber sollen vor den Sommerferien auch gezielt an den Schulen in Hannover angesprochen werden.
Dank der Schulgeldförderung des Sozialministeriums sei die Zahl der Auszubildenden in der Pflege bereits von 4600 im Jahr 2008 auf mehr als 6200 im vergangenen Jahr gestiegen, sagte Özkan – „ein absoluter Spitzenwert für Niedersachsen“. Dieser Erfolg müsse fortgesetzt werden. Seit Februar bekämen Pflegeschüler eine monatliche Schulförderung von bis zu 160 Euro – für 80 Prozent der Schüler werde die Ausbildung damit kostenfrei. Die Kampagne solle jungen Leuten und deren Eltern zeigen, dass eine Arbeit in der Pflege zukunftssicher, abwechslungsreich und vielfältig sei und auch Aufstiegsmöglichkeiten biete.
Die Ministerin betonte, dass mit dem in Niedersachsen im November besiegelten Pflegepakts auch etwas für eine bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen getan werde. Der Aufruf an Träger und Pflegekassen, über eine Erhöhung der Pflegesätze zu verhandeln, zeige positive Wirkung.
Die unter anderem von der Gewerkschaft Verdi und den Linken geforderte Umlagefinanzierung der Ausbildung lehnte die Ministerin ab. Bereits jetzt gebe es keinen Mangel an Ausbildungsplätzen, vielmehr müssten mehr junge Menschen für den Beruf begeistert werden. Im Handwerk, wo ebenfalls Nachwuchs gesucht werde, denke auch niemand über eine Ausbildungsplatzumlage nach.
Allerdings kritisierte die Ministerin die mangelnde Ausbildungsbereitschaft ambulanter Pflegedienste. Die Zahl der Betriebe, die sich um Nachwuchs kümmerten, sei noch viel zu niedrig.
Der Landespflegebericht 2010 prognostiziert die Zahl der benötigten Pflegefachkräfte auf rund 48 500 im Jahr 2020. Das wären rund 11 800 Pflegefachkräfte mehr als in 2009.
In ganz Deutschland werden Altenpfleger händeringend gesucht. Rund 30 000 Kräfte fehlen derzeit bundesweit, schätzte Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbands privater sozialer Dienste, erst kürzlich in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Der Deutsche Pflegerat fürchtet, dass bis 2020 etwa 135 000 Pfleger fehlen, wenn sich die Entwicklung fortsetzt. (dpa/rn)
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