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Deutschland ist ein Reiseland


Hamburg. Krise hin, Krise her: Jeder zweite Deutsche sitzt auf gepackten Koffern. Das geht aus der 28. Deutschen Tourismusanalyse der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen hervor. Allerdings: Nicht jeder kann sich die schönste Zeit des Jahres noch leisten, Geringverdiener und Familien müssen immer häufiger zu Hause bleiben. Von Ulrich Kroeger


„Urlaub ist und bleibt für die meisten Bundesbürger das Highlight des Jahres“, stellte Professor Ulrich Reinhardt am Mittwoch das wichtigste Fazit der Studie vor. 45 Prozent der Deutschen säßen gedanklich auf gepackten Koffern und planten eine Reise von mindestens fünf Tagen. „Die Tourismusbranche kann aufatmen und sich in diesem Jahr auf stabile bis leicht steigende Gästezahlen einstellen“, so der wissenschaftliche Leiter der Stiftung.

Für die 28. Ausgabe der jährlichen Tourismusanalyse befragte das Marktforschungsinstitut GfK 4000 Bundesbürger ab 14 Jahren zu Urlaubsreisen 2011 und den Reiseabsichten für 2012. Ergebnis: Deutschland ist nicht nur Reiseweltmeister, sondern auch als Urlaubsland wieder stark angesagt. Die Renaissance der Feriengebiete zwischen Küste und Alpen setze sich ungebrochen fort, berichtete Reinhardt. Zwei Fünftel aller Reisenden würden auch 2012 ihren Urlaub im Inland verbringen – Tendenz steigend.

Auch das europäische Ausland kann sich auf die deutschen Urlauber verlassen. Spanien bleibe dabei das beliebteste Auslandsreiseziel vor Italien. Auf den weiteren Plätzen folgten die Türkei, Österreich und Kroatien. Bei den Fernreisen seien neben den USA, Kanada, der Karibik und Mittelamerika vor allem asiatische Länder gefragt. Auf halbleere Flieger müssten sich dagegen die Reisedestinationen Nordafrikas einstellen – eine Reaktion auf die politischen Unruhen in den arabischen Ländern.

Ein weiteres Resultat der Studie: Die Reiselust hängt von Bildungsgrad und Einkommensniveau ab. Hauptschulabsolventen (39 Prozent) seien 2011 nur halb so oft verreist wie Akademiker (76 Prozent), und während bei Geringverdienern nicht mal jeder Dritte (32 Prozent) sich einen Urlaub habe leisten können, hätten bei den Gutverdienern mehr als drei Viertel (77 Prozent) die Koffer gepackt.

„Vor allem kinderlose Paare und Jungsenioren zeigten sich auch 2011 als besonders reisefreudige Zielgruppen“, berichtete Reinhardt. Beide Gruppen seien zeitlich flexibel und verfügten über Geld. Ungewiss sei dagegen die Situation des Familientourismus: Im Vergleich zum Reisejahr 2010 habe sich der Anteil urlaubender Eltern mit Kindern erneut um zwei Prozentpunkte vermindert. „Familienurlaub wird zunehmend zu einem Luxus, den sich zukünftig nur noch jede zweite Familie leisten kann.“

So viel kostet Urlaub

Im Schnitt 1012 Euro beziehungsweise 81 Euro pro Tag und Person ließen sich die Deutschen 2011 ihren Urlaub kosten. Beim Inlandsurlaub betrugen die Tageskosten 73 Euro, im europäischen Ausland 79 Euro und bei Fernreisezielen 105 Euro. Am teuersten war ein Urlaubstag in den USA (133 Euro), am günstigsten in Polen (56 Euro). Mit 715 Euro (9,9 Tage) waren Ferien in Deutschland im Schnitt mehr als 300 Euro günstiger als ein Auslandsurlaub (1029 Euro, 13 Tage).

Artikel vom 09.02.12 - 07:00 Uhr
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