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Deutsche essen weniger Obst

Von Bernd Röder
Berlin. Die Zwiebel hat der Gurke den Rang abgelaufen, Brokkoli gibt es in der Farbe Lila und die Tropenfrucht Achacha nun auch in Deutschland. Nicht nur Technikbranchen leben von Neuheiten, auch die Landwirtschaft braucht Reize, um Kunden anzulocken. In Berlin treffen sich von heute an mehr als 2500 Erzeuger und Handelsunternehmen, um ihre Produkte, Verpackungen und Dienstleistungen rund um Obst und Gemüse zu präsentieren. Von Bernd Röder


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Die Deutschen greifen seltener zum Obst. Die Branche beschwert sich über niedrige Preise und warnt davor, dass die Auswahl in Deutschland kleiner werden könnte, weil andere Abnehmerländer mehr zahlten. Foto dpa

Die deutschen Firmen treibt vor allem die schwache Nachfrage im Inland um. 2011 griffen die Bundesbürger noch seltener zu frischem Obst als im Vorjahr. Die Privathaushalte verbrauchten durchschnittlich nur 76,7 Kilogramm davon, 210 Gramm am Tag und sechs Prozent weniger als 2010. Die Preise stiegen zugleich um gut vier Prozent. Gemüse kauften die Kunden etwas häufiger als im Vorjahr, pro Haushalt waren es 61,9 Kilo, ein Plus von einem Prozent.

„Andere Länder zahlen mehr“

Generell seien die Preise für Obst und Gemüse in Deutschland zu niedrig, sagte der Präsident des Fruchthandelsverbandes, Dieter Krauß, am Dienstag: „Das kann auf lange Sicht nicht funktionieren.“ Wenn es so weitergehe, werde das „wunderbare Sortiment“ in Deutschland schrumpfen, und die Exporte gingen an andere Absatzländer, deren Kunden mehr zu zahlen bereit seien.

Die Branche hat Versäumnisse bei sich selbst ausgemacht. Über Jahre wurde das eigentlich gute Image von „gesundem“ Obst und Gemüse nicht gefördert. Eine Studie hat jetzt gezeigt, dass nur über Emotion ein Kaufimpuls ausgelöst werden könne, sagte Krauß. Vier große Erzeuger- und Handelsorganisationen aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien starten deshalb im Mai eine dreimonatige Plakataktion in 900 deutschen Städten. Die Kampagne kostet 500 000 Euro, die Verbände zahlen die Hälfte, die andere Hälfte steuert die Europäische Union bei.

Mit einem Innovationspreis, bei dem die Besucher den Sieger küren, macht die Berliner Messe auf neue Produkte und Ideen aufmerksam. Zu den zehn Nominierten gehört der Züchter eines lilafarbenen Brokkoli, der Europa-Vermarkter der süßen Achacha-Frucht mit Ursprung in Bolivien, der Hersteller von vorgerösteten Süßkartoffeln und der Erfinder einer kleinen, roten Süßpaprika ohne Samen.

Vor allem die Salatgurke hat im vergangenen Jahr unter dem falschen Verdacht gelitten, sie sei Träger des gefährlichen Darmkeimes EHEC. Sie wurde deshalb deutlich seltener gekauft und rutschte auf der Liste der beliebtesten Gemüsesorten einen Platz runter.

Beliebteste Sorten

Die fünf meistgekauften Obst- und Gemüsearten 2011– jeweils mit der Einkaufsmenge in Kilogramm je Privathaushalt: 1. Äpfel 20,4 Kilo;

2. Bananen 14,3; 3. Orangen 8,4;

4. Clementinen und Mandarinen 5,9; 5. Weintrauben 4,2 – 1. Tomaten 10,0 Kilo; 2. Möhren 7,3; 3. Zwiebeln 6,5; 4. Salatgurken 6,1; 5. Paprika 4,9. (dpa)

Artikel vom 08.02.12 - 12:00 Uhr
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