In Berlin ist derzeit allerdings weniger die Rede von den politischen Verhältnissen in Brasilien oder Argentinien. In der Hauptstadt stellen sich Politiker aller Parteien immer öfter die Frage, ob Guido Westerwelle der richtige Mann im Außenamt ist.
Die SPD hat ihr Urteil schon gefällt: Von Untauglichkeit sprach der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann. „Man gewinnt den Eindruck, dass er diesem Amt nicht gewachsen ist.“ Erstaunlich: Niemand warf sich in die Bresche, um den obersten Diplomaten zu verteidigen. Stattdessen herrschte in der Union und in der FDP-Spitze vielsagendes Schweigen.
Westerwelles Einladungen zu seinen Dienstreisen sind ins Gerede gekommen. Natürlich nimmt er Unternehmer mit auf seine Reisen, die im Ausland Geschäftskontakte anbahnen wollen. Das haben bisher alle Außenminister so gehalten. Doch Beobachter stellen fest, dass Westerwelle gerne politische Weggefährten und Parteispender mitnimmt.
Gleichzeitig existiert der Verdacht, dass Westerwelles Partner Michael Mronz, ein erfolgreicher Sport- und PR-Manager, die Reisen nutzen könnte, um selbst Geschäfte anzubahnen. „Mronz ist nicht Teil der Wirtschaftsdelegation“, musste ein Sprecher des Außenamtes klarstellen. Mronz selbst hat den Zweck seiner Reisebegleitung so beschrieben: „Ich möchte mich für die schwächsten Erdenbürger einsetzen – die Kinder.“ Selbstverständlich reise er auf eigene Kosten, fügte er hinzu.
Die CDU windet sich in Qualen. Dass sich der Außenminister auf die Ebene eines Dorfbürgermeisters begibt und an der Eröffnung eines Hotels mitwirkt, treibt manchem Christdemokraten die schiere Verzweiflung ins Antlitz: „Das ist und bleibt ein Klientelpolitiker“, stöhnt einer.
