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Tank-Boykott macht die Runde

Berlin. Die Bundesregierung macht den Autofahrern trotz Rekordpreisen an der Zapfsäule wenig Hoffnung auf eine höhere Pendlerpauschale. Derweil rührt sich im Internet Protest. Bis zum Mittwochabend kündigten in dem sozialen Netzwerk Facebook rund 600 000 Autofahrer an, am 1. März die Tankstellen zu boykottieren.

„Dieser eine Tag soll den Öl-Multis die Macht der Konsumenten – nämlich unsere zeigen!“, hatte ein junger Mann als Nachricht in Facebook hinterlassen, und binnen weniger Stunden formierte sich der virtuelle Widerstand im Netz. „Finde ich toll, diese Initiative! Wir sind uns noch viel zu wenig unserer Macht als Konsumenten bewusst“, kommentierte eine Nutzerin ihren Beschluss, ebenfalls beim Tankboykott mitzumachen. Und die Protestwelle im Netz nimmt rasant zu. Bei mehr als zwei Millionen Facebook-Freunden ist der Boykott-Aufruf mit dem Hinweis „Gefällt mir“ als Appell mitzumachen eingetrudelt.

In der Vergangenheit hatte es immer wieder Aufrufe zum Boykott der Ölkonzerne wegen hoher Preise oder Umweltsünden einzelner Konzerne gegeben. Diese verpufften jedoch zumeist, da die Appelle nicht so schnell die Runde machen konnten. Via Facebook könnte der aktuelle Aufruf nun aber eine andere Dimension bekommen. Einige Netzaktivisten sehen das Vorhaben aber skeptisch: „Die Konzerne wissen doch genau, dass wir dann am nächsten Tag wieder tanken müssen.“ Umwelt- und Automobilverbände raten deshalb angesichts der Preiserhöhungen, auf nicht zwingende Fahrten zu verzichten und auch ansonsten das Auto öfter mal stehen zu lassen. Wenn der Absatz nachhaltig und nicht nur für einen Tag zurückgehe, werde dies dann sinkende Spritpreise nach sich ziehen.

Die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn wirft im Gespräch mit unserer Zeitung den Ölkonzernen Abzocke zulasten der Autofahrer vor. „Im Moment schlagen die Mineralölkonzerne den aktuellen Ölpreis drauf, obwohl das Benzin mit einem vor Wochen deutlich billiger eingekauften Öl hergestellt wurde.“ Dadurch habe sich die Gewinnmarge der Konzerne „nach unseren Erkenntnissen verdoppelt“, so Höhn weiter. Gleichwohl sprach sich die Grünen-Politikerin wie auch die schwarz-gelbe Bundesregierung gegen eine vom ADAC ins Gespräch gebrachte Erhöhung der Pendlerpauschale aus. Das Geld sei besser in den Ausbau des Nahverkehrs auch auf dem Lande investiert. (wil/dr/sv)

Artikel vom 23.02.12 - 07:00 Uhr
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