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„Sie werden es kaum glauben...“

Berlin. Die Prominenz zieht vom Leder, die Sprache ist derb, teilweise aggressiv, platte Klischees werden auf Stammtischniveau aneinander gereiht: „Scheiß’ auf die Wahl“, „die ganze politische Klasse ist korrupt“, „es geht allen nur um Machterhalt“. Kurz bevor der Bundestagswahlkampf in seine Schlussphase mündet, rufen Prominente im Internet dazu auf, nicht wählen zu gehen.


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Von Alexandra Jacobsen, Büro Berlin

Der 1,10 Minuten lange Videospot mit dem Titel „Nicht wählen“ auf der Internetplattform Youtube zeigt Berühmtheiten aus unterschiedlichen Bereichen. Zusammengefunden haben unter anderem der Filmemacher Detlev Buck, der Schauspieler Claude-Oliver Rudolph, die Moderatorin Sarah Kuttner, der Fernsehkoch Ralf Zacherl, der Schlagersänger Bernhard Brink. Und im Ton etwas gewählter: Jan Hofer, der Chefnachrichtensprecher der Tagesschau: „Sie werden es kaum glauben, aber ich gehe nicht wählen.“

Vielleicht ist aber alles ganz anders gemeint. Eventuell taucht demnächst ein zweiter Spot auf, wo dieselben Promis plötzlich Einsicht demonstrieren und doch zum Urnengang aufrufen.

Am nächsten Dienstag, 28. Juli, wollen Jan Hofer und andere Mitspieler auf einer Pressekonferenz in Berlin das Rätsel lüften. Die Idee stammt von der TV-Produktionsfirma „Pro Bono“ von Friedrich Küppersbusch und der Politik-Plattform „politik-digital.de“. Ein Sprecher von „politik-digital.de“ sagte, man wolle vor der Bundestagswahl die Themen Politikverdrossenheit und Wahlmüdigkeit thematisieren.

Im US-Präsidentschaftswahlkampf gab es etwas ähnliches. Da riefen Hollywood-Stars wie Leonardo DiCaprio, Dustin Hoffman und Jennifer Aniston ebenfalls zum Nichtwählen auf. Allerdings kippte deren Videospot nach der Hälfte um und mündete dann in einen furiosen Aufruf, sich als Wähler registrieren zu lassen.

Die deutschen Nachahmer scheinen ihr Publikum etwas länger auf die Folter spannen zu wollen. In der Internetgemeinde schwillt derweil die Empörung an. Etliche Nutzer beschweren sich in entsprechenden Foren. „Das sind Spinner, denen Politik egal ist, weil sie sowieso genug Kohle haben“, heißt es da beispielsweise. Viele halten es für einen missratenen Scherz. Oder sie protestieren gegen die platte Aussage des Videos: „Wer nicht wählt, macht doch alles nur noch schlimmer.“

www.youtube.com/watch?v=Wfi_ivppEwI

Artikel vom 22.07.09 - 08:45 Uhr
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