Seit einem Jahr gibt es den Pflege-TÜV für Heime und ambulante Pflegedienste – welche Aussagekraft haben die Noten für Sie?
Die Pflege-Transparenzvereinbarungen tragen dem Wunsch der Verbraucher nach mehr Informationen Rechnung – aber ob sie ausreichen, ist fraglich.
Bietet das Notensystem den Angehörigen pflegebedürftiger Menschen die nötige Orientierung bei der Suche nach einem guten Pflegeheim?
Es bietet eine grobe Orientierung – aber keineswegs die Basis, um eine Entscheidung für einen bestimmten Pflegeplatz zu treffen.
Verbessert der Pflege-TÜV die Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen?
Nein, mit diesem Anspruch würde man das Instrument in der jetzigen Form überbewerten. Es ist ein Informationsportal. Wir haben die Rückmeldung von Pflegekräften bekommen: Unsere Einrichtung hat zwar gute Noten, weil wir unsere Arbeit gut dokumentiert haben, aber unsere eigentliche Arbeit mit den Menschen wurde gar nicht bewertet.
Was muss aus Ihrer Sicht am Prüfkatalog verbessert werden?
Die Bewertung der Pflegeeinrichtungen muss künftig stärker auf Ergebnisse ausgerichtet werden – auf das, was letztlich bei den Patienten ankommt. Das ist auch ein Ergebnis des ersten wissenschaftlichen Evaluationsberichts. Er bemängelt, dass derzeit keine Erhebung von Ergebnis- und Lebensqualität der Pflegebedürftigen erfolgt.
Kritiker des Pflege-TÜVs beanstanden, dass momentan bei der Bewertung Mängel bei der Pflege bettlägeriger Menschen mit nachrangigen Kriterien wie „gut lesbarer Speiseplan“ ausgeglichen werden können.
Das zeigt: Die Gesamtnote besitzt zu wenig Aussagekraft und ist in Frage zu stellen. Viel wichtiger sind die Kriteriumsnoten und Bereichsnoten, also zum Beispiel zu Pflege und medizinischer Versorgung oder Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung. Auf diese sollten Verbraucher achten – und die gute Note für den „schön lesbaren Speiseplan“ ignorieren.
Qualitätsmanagement hin oder her – Experten sagen, in vielen Einrichtungen gebe es ohnehin viel zu wenig Personal, um die Patienten richtig zu versorgen.
In der Tat haben viele Einrichtungen momentan das Problem, qualifizierte Fachkräfte zu finden – es gibt einfach keine. Teilweise können Stellen schon nicht mehr besetzt werden.
