Auch Oberst Georg Klein, der das Bombardement befahl, würdigte Schneiderhan. Eine eindeutige Einschätzung zu dessen Angriffsbefehl gab er aber nicht ab.
Erst nach etwa 90 Minuten kam Schneiderhan zur Kernfrage, die für ihn eine Frage der Ehre ist: Haben er und Staatssekretär Peter Wichert, der ebenfalls entlassen wurde, dem Minister Informationen verheimlicht? Und haben sie damit tatsächlich dazu beigetragen, dass Guttenberg das Bombardement zuerst als „militärisch angemessen“ und später als „unangemessen“ bewertete?
Schneiderhan beantwortete diese Fragen mit einem klaren Nein. Aus seiner Sicht hat der Minister diese Frage inzwischen ebenfalls mit Nein beantwortet. Eine Woche vor seiner Aussage hatte der CSU-Politiker erklärt, es seien ihm keine Informationen vorsätzlich oder böswillig vorenthalten worden, nachdem er anfangs zunächst gesagt hatte, ihm seien Berichte unterschlagen worden. „Das nehme ich mit Erleichterung zur Kenntnis“, sagte Schneiderhan nun. Die Sache sei für ihn damit erledigt.
Die „ehrabschneidende und unwahre Berichterstattung“ über ihn stehe dagegen weiter im Raum. Mit Medienberichten, nach denen er die Existenz eines Feldjägerberichts der Bundeswehr geleugnet haben soll, würden Zweifel an seiner Redlichkeit genährt, sagte Schneiderhan. Dann fügte er hinzu: „Es wurden auch Zweifel an meinem Verstand genährt.“
Glatt gelogen
Er hatte Guttenberg den Bericht wohl auch deshalb nicht vorgelegt, weil dieser eh in den Untersuchungsbericht der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe ISAF eingeflossen war. Schneiderhan machte deutlich, wie sehr ihn die Affäre getroffen hat. Dass ihm Vorwürfe gemacht werden, die aus seiner Sicht glatt gelogen sind, macht ihm zu schaffen.
Wichert wurde erst am Abend als zweiter Zeuge befragt. Seine Aussage ähnelte in der Tendenz der von Schneiderhan. An wenigen Stellen konnte man sogar den Eindruck bekommen, die beiden hätten sich abgesprochen. Auch Wichert sprach davon, dass „nicht nur unsere Aufrichtigkeit, sondern auch unser Verstand“ infrage gestellt worden sei.
Wichert ging Guttenberg indes schärfer an als Schneiderhan und warf ihm Rufschädigung vor. Seine Entlassung sei völlig haltlos. Nach diesen Aussagen steht Guttenberg nun weiter unter Druck.
