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Der Weg zum Mauerfall

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Der Weg zum Fall der Mauer begann bereits im Frühjahr des Jahres 1989. Eine ganze Kette von Ereignisse führte zum Ende der Deutschen Demokratischen Republik. Eine Chronik.

2. Mai 1989: Die Mauer bekommt Risse. "Grenzkosmetische Maßnahmen", so die Bezeichnung des DDR-Regimes, werden durch ungarische Grenzsoldaten durchgeführt. Sie bauen den Stacheldrahtzaun zu Österreich ab.

7. Mai: Die SED wird bei der Fälschung der Kommunalwahl-Ergebnisse überführt.

16. Mai: "Die Westverschuldung der DDR steigt gegenwärtig um über 500 Mio. DM im Monat", so Gerhard Schürer, Vorsitzender der Staatlichen Plankommission: "Bei Fortsetzung dieser Entwicklung ist die DDR 1991 zahlungsunfähig."

25. Mai: Michail Gorbatschow, KPdSU-Generalsekretär und zugleich Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjet, wird ohne Gegenkandidaten zum Staatspräsidenten gewählt.3. und 4. Juni1989: Im Zentrum Pekings schlägt das chinesische Militär gewaltsam die Proteste der Bevölkerung brutal nieder. Das Ereignis mit mehreren tausend Toten wird bekannt unter dem Namen "Tian’anmen-Massaker".

Mitte Juli: Die westdeutsche Presse berichtet:Die Fluchtwelle von DDR-Bürgern über Ungarn nach Österreich nimmt zu.

5. August: Die DDR-Regierung gibt erstmals offiziell zu: Wir haben ein Fluchtproblem.

26. August: Aufruf zur Gründung einer sozialdemokratischen Partei in der DDR.

31. August: Der ungarische Außenminister Gyula Horn kündigt an, die Ost-Flüchtlinge ab dem 11. September ausreisen zu lassen, wenn bis dahin keine Ausreisezusage zur Rückkehr in die DDR bewogen worden ist.

10. September: In der Nacht zum 11. September öffnet die ungarische Regierung, ohne Rücksprache mit Moskau, für DDR-Bürger ihre Grenze zu Österreich. Zehntausende Menschen fliehen in den nächsten Tagen.

25. September: Demokratische Reformen und die Zulassung des "Neuen Forum" als Bürgerbewegung werden auf der Montagsdemonstration in Leipzig von 5.000 bis 8.000 Demonstranten gefordert.

30. September: Die DDR lenkt ein: Nach dem Prager Botschaftskonflikt wird durch sowjetischen Druck die Ausreiseerlaubnis für die Botschaftsbesetzer verkündet. In verriegelten Sonderzügen werden tausende DDR-Flüchtlinge in die Bundesrepublik "entlassen". Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genschar verkündet das vor Ort.



2. Oktober: Montagsdemonstration in Leipzig mit 20.000 Teilnehmern.

4. Oktober: Nochmals werden etwa 7.000 DDR-Bürger aus der Prager Botschaft mit verriegelten Sonderzügen in die Bundesrepublik gefahren.8. Oktober: Erich Honecker: "Maßnahmen" gegen die Demonstrationen sollen beraten werden.

9. Oktober: "Tag der Entscheidung" in Leipzig - 70.000 Menschen demonstrieren in Leipzig friedlich für Reformen. Die Sicherheitskräfte, welche die Demonstration zerschlagen sollten, schrecken aufgrund der Anzahl an Menschen zurück.

10./11. Oktober: Die SED ist erstmals bereit zu einem Dialog mit der Bevölkerung.

16. Oktober: Mehr als 100.000 Menschen demonstrieren in Leipzig. Zehntausende in anderen Städten.

17./18. Oktober: Sturz Erich Honeckers.

23. Oktober: Mehr als 400.000 Menschen demonstrieren in ostdeutschen Städten.

1. November 1989 (Mittwoch):Egon Krenz berichtet dem KPdSU-Generalsekretär über die schwierige ökonomische Situation der DDR. Michail Gorbatschow gibt bekannt, dass die Sowjetunion der DDR wirtschaftlich nicht helfen kann und die deutsche Frage nicht mehr auf der Tagesordnung steht.Erstmals wird das Thema der Wiedervereinigung auf einer Pressekonferenz durch Krenz thematisiert.

2. November 1989 (Donnerstag):Der Tag der Rücktritte: Zahlreiche Parteivorsitzende und Sekretäre treten schlagartig von ihren Ämtern zurück.

3. November 1989 (Freitag):Die CSSR fordert von der DDR, "Maßnahmen einzuleiten, die entweder den Zustrom an "politischen Flüchtlingen" beenden oder eine solche Abfertigungspraxis vorzunehmen, dass "jeden Tag so viele ehemalige DDR-Bürger aus der CSSR in die BRD ausreisen können, wie täglich in die BRD-Botschaft neu hin­zukommen."

Am Abend spricht sich Egon Krenz für den Erneuerungswillen der SED ("Ein Zurück gibt es nicht") aus.

4. November 1989 (Sonnabend): Bis zu einer halben Million Menschen demonstrieren auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz für Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit. Versteckt sind am Brandenburger Tor massive Kräfte der Nationalen Volksarmee stationiert, um einen möglichen Grenzdurchbruch notfalls mit aller Gewalt zu entgegnen.

5. November 1989 (Sonntag):An diesem Wochenende sind insgesamt 23.200 DDR-Bürger über die CSSR in die Bundesrepublik ausgewandert. Bis zum Abend des 8. Novembers werden es geschätzte 45.000 sein. An den Grenzübergängen passieren stündlich hunderte Fahrzeuge.6. November 1989 (Montag):Der Reisegesetz-Entwurf wird veröffentlicht. Der Gesetzentwurf wird von Gregor Gysi, Vorsitzender des Rates der Kollegien der Rechtsanwälte der DDR, zurückgewiesen. Er sei halbherzig und völlig unzureichend.

Alexander Schalck-Golodkowski als Beauftragter von Egon Krenz,

Bundeskanzleramtsminister Rudolf Seiters und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble veranstalten in Bonn ein Geheimtreffen und diskutieren über mögliche Auswege aus der Situation. Es werden Finanzierungsprogramme in Höhe von 15 bis 18 Milliarden DM thematisiert.

7. November 1989 (Dienstag):Das SED-Politbüro beschließt aufgrund von Protesten den Ausreiseteil des Reisegesetz-Entwurfs vorzeitig in Kraft zu setzen und eine taugliche Regelung ausarbeiten zu lassen. Der Ministerrat tritt samt Vorsitzenden zurück.

Die Bundesregierung weißt darauf hin, dass sie bereit wäre der DDR materiell und finanziell zu helfen, wenn die SED auf ihren absoluten Führungsanspruch verzichtet.

8. November 1989 (Mittwoch): Das Politbüro der SED tritt zurück. Der Bundeskanzler Helmut Kohl spricht gegenüber der SED von einer "völlig neuen Dimension der wirtschaftlichen Hilfe" für die DDR. Dafür setzt er den Verzicht auf das Machtmonopol, die zulassung unabhängiger Partein und freie Wahlen als Voraussetzungen fest.

Das ZK und die Regierung der CSSR fordern die Ausreise von DDR-Bürgern in die BRD "direkt und nicht über das Territorium der CSSR" abzuwickeln.

9. November 1989 (Donnerstag)

9 Uhr: Vier Offiziere des Ministeriums des Innern und der Staatssicherheit beschließen bei dem erneuten Entwurfsversuch des Reisegesetzes, dass zukünftig jegwede Einschränkungen bei Anträgen auf eine ständige Ausreise aus der DDR wegfallen müssen.10.00: Das SED-Zentralkomitee beginnt seinen zweiten Beratungstag.

12 Uhr: Der von den Offizieren erarbeiteten Reiseregelungs-Entwurf wird bestätigt und an den Ministerrat gesendet.15.00: Das Innenministerium und die Staatssicherheit arbeiten an der Durchführungsbestimmungen zur Reiseverordnung.

16 Uhr: Der Reiseregelungs-Entwurf wird von Egon Krenz im SED-Zentralkomitee vorgetragen.

18 Uhr: Beginn der international live ausgestrahlten Pressekonferenz von Günter Schabowski.

18 Uhr: Schabowski antwortet auf die Frage, wann die Reiseregelung in Kraft treten soll: "Ab sofort, unverzüglich!"

19.05 Uhr: Eilmeldung: "DDR öffnet Grenze"

"Heute"-Sendung des ZDF:


19.41 Uhr: Eilmeldung: "Die DDR-Grenze ... ist offen."

Der Bundestag singt während seiner turnusgemäßen Sitzung die Nationalhymne:


20.15 Uhr: Die Grenzwächter sollen alle Menschen in Ost-Berlin auf den nächsten Tag vertrösten und zurückzuschicken.

20.47 Uhr: Ende der SED-Zentralkomitee-Sitzung. Sie erfahren nun von den Vorgängen auf und nach der Pressekonferenz.

21.10 Uhr: Ende der Bundestagssitzung.

21.30 Uhr: Bundeskanzler Helmut Kohl erhält Nachricht über die Geschehnisse in Ost-Berlin. Immer mehr Menschen drängen in Ost-Berlin an die Grenze.

22 Uhr: Egon Krenz erfährt von der Lage an der Grenze. Weder das Ministerium für Staatssicherheit noch die Grenztruppe erreicht in dieser Nacht ein Befehl zur Grenzöffnung. 22.28: Es wird versucht die Entwicklung zu bremsen: "Die Reisen müssen beantragt werden!"

23.30 Uhr: Die Lage spitzt sich in der Bornholmer Straße zu. Bis gegen Mitternacht wird die Öffnung aller Berliner Übergänge erzwungen. Die Mauer wurde durchbrochen. (men)

Artikel vom 06.11.09 - 10:14 Uhr
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