
Von Kurt-Peter Christophersen, Büro Hannover
Das Innenministerium hatte nach dem Amoklauf von Winnenden im März (16 Tote) zur Abrüstung in den Privathaushalten aufgerufen. Mit offenbar guter Resonanz. Zwischen März und Juli wurden 9572 Waffen bei den kommunalen Ordnungsämtern und bei der Polizei abgegeben. Für den größten Teil der Waffen gab es Waffenbesitzkarten, nur 714 Waffen waren illegal.
Die meisten der Ex-Besitzer illegaler Waffen mussten keine Strafverfolgung fürchten, weil Staatsanwaltschaften die Ermittlungsverfahren einstellten, sobald die Waffen freiwillig abgegeben wurden.
Das neue bundesdeutsche Waffenrecht dürfte die Bereitschaft gefördert haben, eigene Waffen aus dem Hause zu schaffen und von der Polizei gratis vernichten zu lassen. Denn nach der Verschärfung des Gesetzes im Juni müssen Waffenbesitzer jederzeit mit ungebetenem Besuch der amtlichen Kontrolleure rechnen. Sie überprüfen, ob die Waffen auch ordnungsgemäß in einem sicheren Tresor aufbewahrt werden.
Der Innenminister will sich zwar weiterhin „für eine Reduzierung des legalen Waffenbestands in der Gesellschaft einsetzen“. Doch „wesentlich“ sei für ihn, den illegalen Zugriff auf Waffen und die damit verbundenen Straftaten zu bekämpfen.
Da haben Schünemann und die Sicherheitsbehörden noch einiges vor sich. Denn nach Schätzungen von Experten kursieren in der Bundesrepublik zehn Millionen Schusswaffen, die nicht von Soldaten, Jägern, Polizisten oder von Personen benutzt werden, die wegen persönlicher Gefährdung eine Waffe tragen dürfen.
Nach dem Amoklauf von Winnenden wurde die Kontrolle der Aufbewahrung verschärft, und in Schützenvereinen dürfen erst Volljährige mit Großkalibern feuern, bisher lag die Altersgrenze bei 14 Jahren. Weiter gehenden Forderungen, wie die zentrale Aufbewahrung von Waffen oder das Verbot großkalibriger Waffen für den Schießsport, setzten sich nicht durch.
