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1105 Männer beim Gentest


Hannover. Mit einem Massen-Gentest suchen Fahnder seit gestern in Hannover nach dem Mörder einer Gelegenheitsprostituierten. Insgesamt 1105 Männer aus dem Stadtteil Linden wurden zur Speichelprobe aufgerufen. Die Aufgeforderten im Alter zwischen 18 und 65 Jahren können sich noch bis morgen freiwillig zu dem Speicheltest melden. Von Christian Müller


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Von dem Genmaterial erhoffen sich die Ermittler einen Hinweis auf den Mörder. Die Analyse kann zwei Wochen dauern.

Anfang Januar hatte die Polizei den zerstückelten Leichnam einer 24-jährigen Gelegenheitsprostituierten am Ufer der Ihme in Hannover gefunden. Da die bisherigen Ermittlungsversuche keine konkreten Hinweise auf einen Täter lieferten, beantragte die Staatsanwaltschaft den Massen-Gentest. Es ist der erste in Hannover. Die zum Test gebetenen Männer wohnen alle im Umkreis des Fundorts.

„Man will ja helfen“, kommentiert ein junger Mann aus Hannover seine Testteilnahme. Nach kurzer Unterweisung greift ein Beamter zu einem Wattestäbchen, um dem Mann den Mundraum auszustreichen. Nur wenige Sekunden später ist er mit dem Prozedere durch. „Kürzer als ein Gang zur Wahl“, sagt der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes Hannover, Thomas Rochell.

Rochell hofft, mit der DNA-Analyse bei der Aufklärung des Falls „ein gutes Stück weiterzukommen“ und zumindest viele Bewohner des Stadtteils als Tatverdächtige ausschließen zu können. Ähnliche Tests führten bereits zu Fahndungserfolgen. So kam die Polizei 1996 in Wunstorf durch eine Speichelprobe einem Vergewaltiger auf die Spur.

Polizei steht vor der Tür

Die Teilnahme an dem Test ist zwar freiwillig. Doch erhalten die Männer, die nicht teilgenommen haben, dann einen Brief, oder Polizisten besuchen sie zu Hause. Letzteres war für viele der Hauptgrund, eine Speichelprobe abzugeben. „Sonst steht ja morgen die Polizei vor meiner Tür“, sagt ein Mann mit grimmiger Miene.

Andere sorgen sich vor einem Datenmissbrauch. Zwar muss das Untersuchungsmaterial nach der DNA-Analyse im Landeskriminalamt Niedersachsen unverzüglich vernichtet werden, falls keine Übereinstimmung mit den genetischen Spuren an der Leiche auftritt. Dennoch beschlich einen Mann „ein mulmiges Gefühl wegen der Datensicherheit“. Am Ende aber überwog bei ihm der Wille zu helfen. „Schließlich könnte der Mörder auch aus meiner Nachbarschaft kommen.“ (dpa)

DNA-Analyse

Die DNA-Analyse ist bei der Aufklärung von Gewaltverbrechen eine der schärfsten Waffen. Bereits aus winzigen Spuren mit Erbinformationen wie Blut, Sperma, Schuppen oder Haaren können Experten den genetischen Fingerabdruck eines Menschen erstellen. Die Erbgut-Informationen werden häufig über Spuren am Tat- oder Fundort gewonnen.

Artikel vom 22.03.10 - 10:00 Uhr
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