In beiden Fällen sind es Journalisten, die den reichlich miesen Tätern auf die Schliche kommen. Im „Straßenkampf“ heißt die Supernase Bernhard Hamm, lebt auf einem abgeschiedenen Resthof im fiktiven Fickstedt und arbeitet als Pressechef eines Bremer Touristik-Unternehmens. Als Hamm eines Abends auf einsamer Landstraße am Deich, mitten im Handy-Funkloch, einen Schwerverletzten findet und ins Krankenhaus fährt, gerät er in einer überaus turbulente Geschichte.
Denn das offenbar gezielt angefahrene Unfallopfer leitet eine Bürgerbewegung gegen den Neubau einer Autobahn zwischen Elbe und Weser, die dicht an seinem Haus vorüberführen würde. Dass der wieder Genesene aber im Krankenhaus plötzlich doch noch stirbt, weckt Hamms Misstrauen. Er schaut sich in der Szene der ländlichen Bürgerinitiative um, findet eine Verbündete in einer lesbischen Aktivistin und dem Chefredakteur des „Küstenboten“. Und entdeckt im Haus des Toten, das bereits aufgebrochen und durchwühlt wurde, Unterlagen, die politisch-wirtschaftliche Kungelei beim Autobahnbau belegen. Nun gerät auch Hamm in Lebensgefahr...
„Stern“-Autor Wolfgang Röhl (64, Foto links)) hat seinen Krimi mit flotter Hand verfasst. Das platte Land im Norden beschreibt er mit viel Gespür fürs Lokalkolorit. Die Typen vom Marschenkünstler bis zum Bauunternehmer, die Kneipen und Wirtschafts-Kungelclubs sind prägnant beschrieben. Dazu ein wenig Politik und eine Buchhändlerin als „Bond-Girl“ – solch eine unterhaltsame Mischung liest sich gut.
Dafür ist Röhls Plot bis hin zur Geldübergabe auf der Schwebefähre an der Oste allerdings eher locker und wenig raffiniert gestrickt. Dass der „Held“ etwa zwischendurch noch in einem Baggersee tauchen muss, nur um dort erwartungsgemäß knapp einem Mordanschlag zu entgehen, wirkt dramaturgisch arg bemüht.
Genau den gegenteiligen Eindruck hinterlässt der Krimi „Kalte Schreie“. Er kommt stilistisch kühler, aber ausgeklügelter daher.
Technik-Journalist Jürgen Warmbold (62, Foto links)) aus Weyhe erzählt seinen ersten Krimi über vier junge Leuten aus der Gothic-Szene, die vermisst werden, zwar eher behäbig. Auch dass sich die gesamte Erzählung im Präsens vollzieht, ist gewöhnungsbedürftig.
Je mehr der Reporter nun versucht, seine Unschuld zu beweisen, um so mehr macht er sich verdächtig. Mehrfach wird Kaltenbach im Bremer Umland vom Täter in Fallen gelockt, die ihn bei der Polizei nur noch mehr in Verdacht bringen. Kaltenbachs Ex-Geliebte, mit der sich plötzlich eine neue Liaison anbahnt, gerät ebenfalls in Lebensgefahr. Auch hier gibt es einen Mordversuch am See – doch viel beklemmender. Wenn kurz darauf auch noch vier Leichen in grotesker Weise wieder auftauchen, fühlt man sich an Hitchcock erinnert.
Genau diese Szene führt dann auf die richtige Spur nach Bremerhaven. Das Finale in einem Kühlhaus am Hafen lässt an eisiger Dramatik nichts zu wünschen übrig. Hier brauchen die Leser wirklich starke Nerven. Und die Protagonisten am Ende eine heiße Dusche.
Jürgen Warmbold, Kalte Schreie, Bremen-Krimi, Books on Demand, Norderstedt, 196 Seiten, 12,90 Euro
