Inszeniert wird das kühne Werk, das eine todkranke Edelnutte zur Titelfigur macht und bei der Uraufführung 1853 in Venedig durchfiel, von Kirsten Uttendorf. In Bremerhaven hat sie sich als Regisseurin der Schauspiele „Maria Stuart“ und „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ eingeführt, für ihre erste Opernregie bringt sie Erfahrungen aus dem Projekt „Musiktheater heute“ mit, das sie seit fast sechs Jahren mitbetreut.
„,La Traviata‘ gilt ja als eine der großen Liebesopern, dabei geht es hier eigentlich um das Scheitern einer Liebe“, stellt sie gleich klar. „Erst am Ende, wenn Violetta stirbt, singen Alfredo und sie wirklich im Duett, werden sich beide über ihre Gefühle klar.“
Violetta sei ein Gewächs der „besseren“ Gesellschaft. „Als Edelprostituierte verdient sie ihren Lebensunterhalt, ihr Körper ist ihr Kapital. Und sie verdient nicht schlecht, ist da ganz dicht dran an Herrschaften wie Berlusconi, Friedman oder Strauss-Kahn.“
Die Regisseurin möchte Violetta auf ein Podest stellen („ihr Lebens- und ihr Sterbeort“), auf dem sie von der Gesellschaft durch alle Ritzen und Jalousien ständig angestarrt wird. Denn diese Gesellschaft ist nicht so fein, wie sie tut: „Mein erster Gedanke war: Bloß keine Sektgläser.“ Uttendorf schmunzelt.
Für Violetta sei Alfredo zunächst nur ein neues Spielzeug. „Auch wenn beide ins Grüne ziehen, zeigen wir kein weites Land, sondern ein Himmelsbild mit großer Begrenzung. Das Luftschloss eines Neuanfangs kann sich hier nicht entfalten.“ Schon gar nicht, wenn Alfredos Vater Violetta die unstandesgemäße Verbindung ausredet. „Giorgio Germont ist ein sehr selbstgefälliger alter Herr, der glaubt, alles bestimmen zu können. Ich bin froh, dass wir mit dem Walter Donati, einem ehemaligen Tenor, einen Gastbariton haben, der wirklich eine Vaterfigur darstellt.“
Auch für die Titelrolle wurde ein Gast engagiert. Die 32-jährige chinesische Sopranistin Yitian Luan hat die Violetta bereits in einer Hochschulaufführung gesungen und wird demnächst an der Kölner Oper als Gilda in „Rigoletto“ auftreten. Die Rolle verlangt jeder Sängerin eine Menge ab: Koloratur, Dramatik und Lyrik sind gleichermaßen gefragt – und glaubhaftes Aussehen auch. Denn die Uraufführungsinterpretin der schwindsüchtigen Violetta war so fett, dass sie vom Publikum als „Cervelatwurst“ verspottet wurde. Haustenor Daniel Kim wird Luans Alfredo sein.
Doch obwohl die Dreiecksbeziehung damit perfekt sein sollte, gibt es noch einen dritten Neuling: Am Dirigentenpult stellt sich Stefan Veselka vor, der neue 1. Kapellmeister, der sein Amt wegen anderer Verpflichtungen erst jetzt angetreten hat. Er führt das Werk auf Italienisch mit deutschen Übertiteln auf – einige der üblichen Striche sind ebenfalls vorgesehen.
Die Jugend hat also ihre Chance, doch der jüngste Nachwuchs wird sich wohl erst nach Weihnachten einstellen. Regisseurin Kirsten Uttendorf leitet die Endproben hochschwanger: „In drei Wochen ist der Geburtstermin“, sagt sie mit leuchtenden Augen. „Es wird ein Mädchen, so viel Verdi tut ihm hoffentlich gut.“ Ob sie das Kind da wohl Violetta nennen wird?
Wann: Die Premiere ist am Sonntag, 25. Dezember, um 19.30 Uhr. Weitere Vorstellungen folgen am 29. Dezember, 7., 15., 18. und 21. Januar sowie am 3. Februar
Karten: Die Premiere ist ausverkauft. Für die weiteren Vorstellungen gibt es Karten von 14,60 bis 32,60 Euro u. a. im NZ-Ticketshop und unter 04 71/4 90 01
