
Die Viererbande, die sich 2007 zusammengeschlossen hat und den Namen von Getränkekartons selbstbewusst aufgreift, verpackt ihre Kunst in Geschichten. Doch keiner der Künstler bedient den platten Realismus. Alle halten die Balance zwischen erzählenden und abstrakten Elementen, auch wenn das Pendel mal zu der einen oder zu der anderen Seite ausschlägt.
Annemarie Strümpflers Bilder geben auf den ersten Blick gar keine Rätsel auf. Die Bremerin entdeckt ihre Motive im Alltag, sieht einer Frau zu, die ihren Pullover auszieht, beobachtet eine andere beim Spaghetti-Essen, zeigt eine Bierflasche, die auf dem Boden abgestellt ist. Wieder ist von der dazugehörigen Person nur das Bein zu sehen. Durch solche Ausschnitte wird das an sich banale Motiv erhöht, so bekommen die Alltagsszenen fast Bühnenreife. Nur wie die Handlung weitergeht, ob die Flasche noch ausgetrunken, das Mahl aufgegessen wird, müssen sich die Betrachter selbst ausmalen.
Auch Christine Vogelsang lässt in ihren Arbeiten Leerstellen, die die Kunstfans selbst füllen müssen. In ihren Siebdrucken überlagern sich Szenen, Epochen und Figuren. Ihre Bild-Helden heißen Herakles, Marat und Benno Ohnesorg. Die Künstlerin lässt sich ebenso von der griechischen Mythologie wie von der Historie als auch von zeitgeschichtlichen Ereignissen wie dem G-8-Gipfel in Genua inspirieren. Das spannungsreiche Spiel mit Zeichen und leeren Flächen lenkt den Blick auf soziale Auseinandersetzungen und Umbrüche, ohne je plakativ zu werden.
Den Kontrast zu der Überfülle setzt menschenleere Welt von Martin Koroschka. Seine kühl anmutenden Bilder wirken zwar auch wie am Computer entstanden, doch es handelt sich um analoge Malerei. Die künstlichen Landschaften und Architekturen sind Idealisierungen, die wir mit unseren Erfahrungen abgleichen. Wieder darf beim Betrachten einfach drauflos fantasiert werden. Das ist das Schöne an der Schau, die vier Künstlerinnen und Künstler erzählen immer nur den Anfang einer Geschichte, das Ende kann sich jeder selbst ausdenken. Und sie geben vier unterschiedliche Antwort darauf, wie realistische Kunst im Medienzeitalter aussehen kann.
Zeit: Bis zum 12. Februar. Die Schau ist dienstags bis freitags von 13 bis 18 Uhr geöffnet
