Moralischer Triathlon für Flüchtlinge
Bremerhaven. 2008 brach Liedermacher Heinz Ratz zu einem 1000 Kilometer langen „Lauf gegen die Kälte“ auf und spendete die Einnahmen der abendlichen Konzerte zugunsten Obdachloser. 2009 schwamm er 850 Flusskilometer und warb in 52 Städten für besseren Naturschutz, seit Anfang Januar 2011 radelt er auf seiner „Tour der 1000 Brücken“ 7000 Kilometer für einen humanen Umgang mit Flüchtlingen. Jetzt erreichte er auf dem „moralischen Triathlon“ Bremerhaven, Etappenziel war der Pferdestall.

„Mondpunk“, „Rios Herz“ oder „Das Raubtier von heute“ sind nur einige der Songs, mit denen Heinz Ratz (rechts, mit Querflötist Arne Assmann) sich für Flüchtlinge in Deutschland stark macht. Foto asc
Ratz’ Anliegen ist ernst: „Die Situation der Flüchtlinge in Deutschland ist erbärmlich – und das zum Teil über Jahre und ohne Aussicht auf Einbürgerung oder Rückkehr.“ Von der Lage macht sich der Liedermacher vor Ort ein Bild, fordert Aufmerksamkeit ein: „Einfach das Grundgesetz zu achten, würde die meisten Probleme schon lösen“, ist er sicher.
Aber Ratz wäre nicht Ratz, wenn er dem Elend im Konzert nicht auch mit Witz begegnen würde: „Es tut dem männlichen Selbstbewusstsein gut, wenn man zum ersten Mal eine Ente überholt“, kommentierte er seine Schwimmabenteuer. „Mein glückliches Lied“ widmete er einer missmutigen Nachbarin, die ihm gern so kam: „Auf Ihre gute Laune hab’ ich keinen Bock!“
28 000 Euro gesammelt
Unterstützt wurde der Bassist bei seinen bissigen, nachdenklichen oder absurden Songs von Perkussionistin Maria Schneider, Querflötist und Saxofonist Arne Assmann sowie Dominik Dittrich an den Tasten: Das „Strom & Wasser“-Kollektiv erwies sich als sehr versiert. So wurde die Freude einzig dadurch getrübt, dass die Texte vom Ton her oft schwer zu verstehen waren. Trotzdem gab es nach dem „Lied von der Elbe“ laute Zugabe-Rufe, das Konzert hat den Spendenstand der Tour, aktuell 28 000 Euro, sicher weiter erhöht. www.1000-Brücken.de