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Feurig wird die Tradition gefeiert

Salzburg/Bayreuth (dpa).   Er stolziert über die Bühne, packt seine Buhlschaft zum Kuss, sinkt verzweifelt auf die Knie und betet schließlich inbrünstig im Büßergewand das Vaterunser: Als Jedermann bei den Salzburger Festspielen verkörpert Peter Simonischek das pralle Leben. In diesem Jahr stellt er einen Rekord auf: 91 Mal wird er den Jedermann gespielt haben, häufiger als jeder Vorgänger. 2010 soll Nicholas Ofczarek die Rolle übernehmen.

Bayreuther Festspielhaus bild vergrößern

Die beiden Neuen in der kaum veränderten Inszenierung über das Leben und Sterben des reichen Mannes von Christian Stückl wurden von den Zuschauern ebenfalls mit Applaus überschüttet: Ben Becker gab in Schlamm geschmiert einen zitternd-grausigen Tod. Peter Jordan legte die Rolle des Teufels und guten Gesells humoristischer an als seine Vorgänger. Er kroch als tierischer Satan mit Rattenschwanz über die Bühne und durfte am Ende das Stück selbst kommentieren: „Souffleuse, gib ’nen Stift, es ist zu dumm, ich schreib’ das Stück mal eben um.“ Doch kurz darauf resigniert selbst er und gibt mit dem Satz „Ich lass’ ihn euch, stopft ihn euch aus“ alle „Jedermann“-Reformversuche auf.

Belanglose Folklore

Trotz allen Erfolges scheiden sich an Hugo von Hofmannsthals Stück jedes Jahr die Geister: Während viele Anhänger der Hochkultur das Open-Air-Spektakel vor imposanter Dom-Kulisse als belanglose Folklore kritisieren, reagiert das Publikum begeistert.

Auch in Bayreuth erwies sich das Festspiel-Publikum nicht auf Reform gebürstet. Selbst als Festspielchefin genießt Katharina Wagner (31) da keinen Bonus. Mit kräftigen Buhrufen quittierten die Zuschauer ihre Inszenierung der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ bei den Richard-Wagner-Festspielen. Nach dem ersten und dem zweiten Akt hatte es noch freundlichen Beifall gegeben. Doch im dritten Akt mutet die Urenkelin von Richard Wagner dem Publikum einiges zu: Uropa Richard tanzt mit Schwellkopf auf der Bühne, ein Regieteam wird verbrannt, und am Ende hält Hans Sachs als dumpfer Nationalist seine Schlussansprache.

Die Inszenierung bleibt damit auch in ihrem dritten Jahr umstritten. Dabei hat die Persiflage auf Deutschtümelei einen durchdachten Ansatz. Katharina Wagner inszeniert einen Rollenwechsel: Walther von Stolzing, zunächst ein unangepasster junger Künstler, möchte zuletzt von den Etablierten akzeptiert werden, während der Bürokrat Beckmesser zum Individualisten und Außenseiter wird. Nur führt die Fülle der Ideen zu einer gewissen Beliebigkeit.

Mit der Rolle gekämpft

Sängerisch gehörte der Abend vor allem Tenor Klaus Florian Vogt, der den Stolzing mit viel Schmelz sang. Ein gelungenes Bayreuth-Debüt gab Adrian Eröd als klarer, kraftvoller Beckmesser. Als Hans Sachs löste Alan Titus in diesem Jahr Franz Hawlata ab, doch wie schon sein Vorgänger hatte auch Titus nach schönem Beginn mit der Rolle zu kämpfen.

Dirigent Sebastian Weigle bot mit dem gut aufgestellten Festspielchor und -orchester eine angenehm schlanke und unpathetische Auslegung der Partitur, der indes ein wenig der Glanz fehlt.

Artikel vom 28.07.09 - 12:00 Uhr
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