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Die herrlichen Verse der Mascha Kaléko

Bremerhaven (uwe). Genuss und Leseanreiz zugleich: Die Berliner Sängerin und Schauspielerin Regine Gebhardt verzauberte in Thieles Garten mit einer musikalisch-literarischen Hommage an die von den Nazis geächtete und 1938 ins New Yorker Exil getriebene Dichterin Mascha Kaléko.

Das Programm trägt den Titel „Du hörtest mein Gras wachsen“ – die Zeile stammt aus „Ich träume nicht mehr“, einem der letzten Gedichte Kalékos, das sie nach dem Tod ihres Mannes Chemjo Vinaver 1973 in ihrer Wahlheimat Jerusalem schrieb. Krank und vereinsamt folgte ihm Mascha schon bald: Im Januar 1975 starb sie auf einer Europareise in Zürich.

Bereits im Einstieg „Wiedersehen mit Berlin“ von 1956 nutzte Regine Gebhardt die autobiografischen Möglichkeiten, die viele Gedichte bieten. In zwei Stunden entwickelte sie die Lebensgeschichte Kalékos – von frühen lebensfrohen Berliner Versen wie „Bericht aus einer Kindheit“ über die humorvollen Wortspielereien mit der Notwendigkeit, in den USA Englisch zu lernen, bis hin zu den melancholischen Werken der späten Jahre („Temporäres Testament“). Dazu Prosafragmente und Briefe, etwa das Schreibverbot der Reichsschrifttumskammer, aber auch das Lob Thomas Manns („ausdrucksvolle Gedichte – aufgeräumte Melancholie“).

Eindringliche Lieder

Eindrucksvoll war die rezitatorische, gesangliche und spielerische Leistung Regine Gebhardts mit wenigen Requisiten: Papierbögen, ein Stehpult, ein gepolsterter Hocker, ein Mantel. Dank ihrer konzentrierten Körpersprache und ihrer klaren Stimme ging kaum ein Wort verloren. Olaf Taubes luftige Klänge am Vibrafon schufen dazu ganz eigene Stimmungen.

Besonders eindringlich wirkten einige der Lieder, die die Berliner Komponisten Frank Schwemmer und Winfried Radeke speziell für das Duo vertont haben, die Klage um den frühen Tod des Sohnes Steve und der Abgang mit Kurt Weills Song „Speak low“. Ein wunderbarer Abend.

Artikel vom 27.04.09 - 15:00 Uhr
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