Das Programm trägt den Titel „Du hörtest mein Gras wachsen“ – die Zeile stammt aus „Ich träume nicht mehr“, einem der letzten Gedichte Kalékos, das sie nach dem Tod ihres Mannes Chemjo Vinaver 1973 in ihrer Wahlheimat Jerusalem schrieb. Krank und vereinsamt folgte ihm Mascha schon bald: Im Januar 1975 starb sie auf einer Europareise in Zürich.
Bereits im Einstieg „Wiedersehen mit Berlin“ von 1956 nutzte Regine Gebhardt die autobiografischen Möglichkeiten, die viele Gedichte bieten. In zwei Stunden entwickelte sie die Lebensgeschichte Kalékos – von frühen lebensfrohen Berliner Versen wie „Bericht aus einer Kindheit“ über die humorvollen Wortspielereien mit der Notwendigkeit, in den USA Englisch zu lernen, bis hin zu den melancholischen Werken der späten Jahre („Temporäres Testament“). Dazu Prosafragmente und Briefe, etwa das Schreibverbot der Reichsschrifttumskammer, aber auch das Lob Thomas Manns („ausdrucksvolle Gedichte – aufgeräumte Melancholie“).
Besonders eindringlich wirkten einige der Lieder, die die Berliner Komponisten Frank Schwemmer und Winfried Radeke speziell für das Duo vertont haben, die Klage um den frühen Tod des Sohnes Steve und der Abgang mit Kurt Weills Song „Speak low“. Ein wunderbarer Abend.
