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Der verführerische Krimi


Bremen. Der Verführer Don Giovanni ist ein halbseidener Pelzhändler im weißen Anzug, der auf seinen erotischen Streifzügen schnell zum Revolver greift. Sein Diener Leporello steht als feister Mafioso Schmiere, und der rächende Komtur erscheint so cool wie Kommissar Maigret. Andrea Moses inszeniert die Mozart-Oper am Bremer Theater locker im Stil einer Kriminalkomödie. Von Sebastian Loskant


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Das sind drei Stunden Spaß. Mal greift die Souffleuse in eine Prügelei ein, mal wird der Dirigent mit der Pistole bedroht. Zur Champagner-Arie flirtet der Titelheld im Parkett herum. Und das Register aller Eroberungen führt Leporello als Computershow mit angebissener Birne (bloß keine Schleichwerbung!) vor.

Schon der langgestreckte, ständig kreiselnde Hotelpavillon aus Holz und Glas, eine Zauberkiste des Ausstatters Christian Wiehle, sieht nach aufpolierten 60er Jahren aus. Oben Balkon, unten Bar – hier könnte auch Humphrey Bogart um die Ecke kommen.

In diesem Ambiente spreizt sich der Frauenheld mit viel unechtem Chic. Um ihn herum eine oberflächliche Sonnenbrillen-Gesellschaft voll neurotischer Frauen. Donna Anna ist in einer erotischen Krise, wie auch ihr notgeiler Verlobter Ottavio zu spüren bekommt. Donna Elvira pocht nur so lange auf Anstand, wie sie selber nicht zum Zuge kommt. Zerlina, deren Bräutigam Masetto eine Straßen-Gang anführt, ist ein vergnügungssüchtiges Girlie auf Garagen-Fete. Erst flirtet sie wild mit Giovanni, dann löst sie, wohl aus Angst vor der eigenen Courage, einen Party-Skandal aus.

Die ernsten Momente des Werks geraten da ins Hintertreffen, das Maskenterzett wirkt wie eine verunglückte Show-Einlage. Andererseits reagiert die Regisseurin schon darauf, dass Mozart an den Arien-Enden die Aufrichtigkeit seiner Figuren oft in Frage stellt. Und sie gestaltet das Ende, die „Höllenfahrt“ des Erotomanen, als echte Krimi-Pointe. Der Komtur, anfangs unglaubwürdig erschlagen, sorgt in Zombiekluft für so viel Verwirrung, dass Leporello seinen Herrn an- und dieser sich selbst erschießt. Es stellt sich heraus: Der Komtur war gar nicht tot, sondern geht jetzt einen trinken. Die Trauer aller Damen um den Don ist allerdings echt.

Ein junges Frauentrio

Das Frauentrio tritt erfrischend jugendlich an: Während Sara Hershkowitz als Donna Anna fast etwas undramatisch erscheint, bieten „Elvira“ Nadja Stefanoff und „Zerlina“ Nadine Lehner verführerische Leistungen. Bei den Herren übertrumpft der fantasievoll-verschmitzte Leporello von George Stevens seinen stimmlich angeschlagenen „Chef“ Juan Orozco. Tenor Luis Olivares Sandoval singt einen angenehmen Ottavio, Alberto Albarrán einen aufmüpfigen Masetto, Jose Gallisa einen basssatten Komtur. Der Chor bringt sich mit viel Spielfreude ein.

Markus Poschners anfangs sehr absichtsvolles Dirigat wurde zum Schluss hin immer weitbogiger und dramatischer. Mag dieser „Don Giovanni“ auch als Fast-Food-Verführung daherkommen: Unterhaltsam ist er allemal.

Auf einen Blick

Premiere: „Don Giovanni“, Oper von Wolfgang Amadeus Mozart (italienisch mit deutschen Übertiteln)

Ort: Bremer Theater, Goetheplatz

Zeit: Nächste Termine sind morgen, am 12., 14., 17., 20. und 24. Februar sowie am 5., 7., 14. und 27. März

Karten: Von 12,90 bis 52,50 Euro unter 04 21/3 65 33 33

Artikel vom 09.02.10 - 11:00 Uhr
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