Das sind drei Stunden Spaß. Mal greift die Souffleuse in eine Prügelei ein, mal wird der Dirigent mit der Pistole bedroht. Zur Champagner-Arie flirtet der Titelheld im Parkett herum. Und das Register aller Eroberungen führt Leporello als Computershow mit angebissener Birne (bloß keine Schleichwerbung!) vor.
Schon der langgestreckte, ständig kreiselnde Hotelpavillon aus Holz und Glas, eine Zauberkiste des Ausstatters Christian Wiehle, sieht nach aufpolierten 60er Jahren aus. Oben Balkon, unten Bar – hier könnte auch Humphrey Bogart um die Ecke kommen.
In diesem Ambiente spreizt sich der Frauenheld mit viel unechtem Chic. Um ihn herum eine oberflächliche Sonnenbrillen-Gesellschaft voll neurotischer Frauen. Donna Anna ist in einer erotischen Krise, wie auch ihr notgeiler Verlobter Ottavio zu spüren bekommt. Donna Elvira pocht nur so lange auf Anstand, wie sie selber nicht zum Zuge kommt. Zerlina, deren Bräutigam Masetto eine Straßen-Gang anführt, ist ein vergnügungssüchtiges Girlie auf Garagen-Fete. Erst flirtet sie wild mit Giovanni, dann löst sie, wohl aus Angst vor der eigenen Courage, einen Party-Skandal aus.
Die ernsten Momente des Werks geraten da ins Hintertreffen, das Maskenterzett wirkt wie eine verunglückte Show-Einlage. Andererseits reagiert die Regisseurin schon darauf, dass Mozart an den Arien-Enden die Aufrichtigkeit seiner Figuren oft in Frage stellt. Und sie gestaltet das Ende, die „Höllenfahrt“ des Erotomanen, als echte Krimi-Pointe. Der Komtur, anfangs unglaubwürdig erschlagen, sorgt in Zombiekluft für so viel Verwirrung, dass Leporello seinen Herrn an- und dieser sich selbst erschießt. Es stellt sich heraus: Der Komtur war gar nicht tot, sondern geht jetzt einen trinken. Die Trauer aller Damen um den Don ist allerdings echt.
Markus Poschners anfangs sehr absichtsvolles Dirigat wurde zum Schluss hin immer weitbogiger und dramatischer. Mag dieser „Don Giovanni“ auch als Fast-Food-Verführung daherkommen: Unterhaltsam ist er allemal.
Karten: Von 12,90 bis 52,50 Euro unter 04 21/3 65 33 33
