Max Schmeling
Henry Maske spielt Max Schmeling, unter der Regie von Uwe Boll. Da sage noch einer, Kino könne nicht mehr überraschen ...
V:KSM (Central), D 2010, R: Uwe Boll, D: Henry Maske, Heino Ferch, Susanne Wuest u.a.
Uwe Boll inszeniert ein Biopic über Max Schmeling. Mit Henry Maske in der Hauptrolle. - Als im vergangenen Jahr diese Meldung die Runde machte, hielten die meisten das für einen schlechten Witz. Was anderes als "Trash"-Kino sollte das schon werden, wenn sich der derzeit meistkritisierte deutsche Regisseur mit einem Boxweltmeister von einst zusammentut? Man wusste nicht, was einem größere Sorgen bereiten sollte - dass Boll das Denkmal Max Schmelings zum Einsturz bringt oder Nicht-Schauspieler Maske sein eigenes, kleineres. Aber, aber, gemach: Der schlicht "Max Schmeling" betitelte Film ist keineswegs so schlecht, wie Pessimisten erwarteten. Und "Trash"-Kino ist das hier ganz und gar nicht.

Max Schmeling wird im gleichnamigen Biopic vom ehemaligen Boxweltmeister Henry Maske gespielt.
Bild von: Central Film
Ja, die ersten Minuten machen schon ein wenig Angst. Da robbt sich ein schwer verletzter Henry Maske in der Titelrolle durch den Staub Kretas. Es ist Krieg. Schmeling, längst bei den Nazis in Ungnade gefallen, sollte verheizt werden. Bald schon liegt er auf der Trage im Lazarett und verlangt ein Glas Wasser. Dieser erste Satz Maskes lässt Schlimmes erahnen. Und tatsächlich: Es werden einige weitere folgen, die wie Papier, halt auswendig aufgesagt klingen. Begleitet vom wenngleich reduzierten Dialekt des gebürtigen Brandenburgers ist das dann schon hart an der Grenze zu Peinlichkeit. Ja, da wird manchmal ohne Frage gelacht werden in den Kinos.
Aber, und darauf kommt es an: Solche Momente sind die Ausnahme in einem grundsoliden, konventionell inszenierten Biopic, das es nicht nur mit Schmeling, sondern auch mit Henry Maske sehr gut meint. Der Mann hat geübt. Monatelang. Nun hat Schauspielerei mit Talent zu tun, nicht anders als Boxen. Und Maske wird niemals auch nur annähernd ähnlich gut vor der Kamera wie damals im Ring sein. Aber: Er schlägt sich ordentlich. Was er zum einen der auffälligen Maske zu verdanken hat, die ihm die dunklen, markanten Augenbrauen Schmelings schenkte. Zum anderen aber auch dem Schauspieltraining mit Arved Birnbaum, der im Film als Reichssportminister Hans von Tschammer und Osten zu sehen ist.
Schon vor vielen Jahren liefen Vorbereitungen für eine Lebensverfilmung, die dann jedoch nicht zustande kam. Schmeling selbst soll sich damals seinen Darsteller gewünscht haben: "Henry spielt mich dann." Nun tat er wie geheißen. Sein Vorteil zum einen: Maske kannte Schmeling aus persönlichen Gesprächen. Vor allem aber: Maske kann boxen. Die zahllosen Sportsequenzen im Film wirken so glaubwürdig, wie man es bisher in keinem Boxfilm sah. Maske stellte sogar auf Linksauslage um. Was leider auch zur Folge hat, dass der "Rocky"-verwöhnte Zuschauer die ganz großen Momente, das Blut, die Zeitlupen, die hemmungslos hängende Deckung vermissen wird.
Aber: Der Film bleibt eben nah an den historischen Vorgaben, setzt zu beinahe keinem Zeitpunkt auf Effekte oder Pathos. Henry Maske tat man damit einen Gefallen. Große, emotionale Momente bleiben ihm erspart. Selten hat er mehr als drei Sätze hintereinander zu sagen. Er wirkt in seiner Rolle bisweilen kindlich, etwas naiv, bescheiden und eher als Bauch- denn als Kopfmensch. Womit er, nimmt man die späteren Interviews mit Schmeling als Maßgabe, wohl auch gar nicht so falsch liegt. Und in den vielen Sequenzen, in denen Maske nur mit Mimik und Gestik arbeitet, zeigt sich, wie ernst der inzwischen 46-Jährige die Vorbereitung auf die Rolle genommen hat. Wobei eines eben auch unvermeidlich ist und zum wahrscheinlich größten Problem des Films wird: Der da oben, auf der Leinwand, der ist eben immer Henry Maske. Seine Popularität und sicher auch seine eingeschränkten schauspielerischen Fähigkeiten sorgen dafür, dass er nicht hinter seiner Figur verschwinden kann.
Chronologisch führt der Film seine Zuschauer durch die Karriere Schmelings. Beginnend beim WM-Kampf im Juni 1930 gegen Jack Starkey, an dessen Ende er den Titel hatte. Sharkey wurde nach einem Tiefschlag disqualifiziert. Es geht weiter über die erfolgreiche Verteidigung des Gürtels gegen Young Stribling - eine spektakuläre Auseinandersetzung, die gerne historisch unterschlagen wird - bis hin zu den beiden Kämpfen gegen Joe Louis, der von dem seinem Vorbild unglaublich ähnlich sehenden Boxer Yoan Pablo Hernandez verkörpert wird.
Mindestens zur Hälfte ist "Max Schmeling" also ein klassischer Boxfilm. In der anderen Hälfte stellt Boll seine Hauptfigur in das historische gesellschaftliche, vor allem aber politische Umfeld. Schmeling, der sich in die Schauspielerin Anny Ondra (Susanne Wuest) verliebt. Schmeling, der von der NS-Führung benutzt wird, so lange er Erfolg hat. Schmeling, der fallen gelassen wird, als er den Rückkampf gegen Joe Louis verliert. Dabei folgt der Film den Aussagen des Boxers, der demnach stets Distanz zur NS-Ideologie wahrte. In der Reichspogromnacht 1938 versteckt er zwei jüdische Kinder in seinem Hotelzimmer.
Hier ist "Max Schmeling" ein über weite Strecken unspektakuläres Biopic, dem es - wohl auch aus finanziellen Gründen - ein bisschen an notwendiger Größe mangelt. Man hätte sich die filmische Biografie des deutschen Jahrhundertsportlers in Sachen Ausstattung und Personal eine Spur pompöser gewünscht. Immerhin sorgt der rundum überzeugende Heino Ferch in der Rolle von Schmelings Trainer Max Machon für ein bisschen Starkino.
teleschau der Mediendienst
Filmbewertung: überzeugend
Starttermin: 07.10.2010
Freigabealter: 12
Verleih: KSM (Central)
Originaltitel: Max Schmeling
Laufzeit: 122 Min.
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Von Menschen und Göttern

Der jüdische Manager Joe Jacobs (Vladimir Weigl) betreute Schmeling seine gesamte Karriere über, wagte sich jedoch bald schon nicht mehr nach Deutschland zurück.
Bild von: Central Film

Max Schmeling (Henry Maske) und die Schauspielerin Anny Ondra (Susanne Wuest) lernten sich 1930 kennen. Sie blieben zusammen bis zu ihrem Tod 1987.
Bild von: Central Film / Hans Rauchensteiner

Vor dem Rückkampf: Gegen Jou Louis erlebte Max Schmeling (Henry Maske) am 22. Juni 1938 seine schlimmste Niederlage.
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Henry Maske: "Ich will mir nicht anmaßen, mich mit Max Schmeling auf eine Ebene zu stellen. Aber was sicherlich zutrifft: Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht und bin in ähnlichen Situationen gewesen."
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Susanne Wuest, geboren 1979 in Wien, spielt die Schauspielerin Anny Ondra, Schmelings Ehefrau.
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Heino Ferch spielt Schmelings Trainer Max Machon, der auch nach dem Rücktritt seines Zöglings dem Boxsport noch lange erhalten blieb.
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Henry Maske bereitete sich über Monate hinweg auf seine Rolle vor.
Bild von: Central Film / Werner Dittmair

Max Schmeling selbst hatte Henry Maske ins Spiel gebracht, als es um die Besetzung in seiner Lebensverfilmung ging.
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Max Schmeling (Henry Maske, Mitte) plant zusammen mit seinem Manager (Vladimir Weigl, rechts) und seinem Trainer (Heino Ferch) den nächsten Kampf.
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Auf Kreta wird Max Schmeling (Henry Maske) verwundet.
Bild von: Central Film

Max Schmeling (Henry Maske, Mitte) und Anny Ondra (Susanne Wuest) heiraten. Hitlers Adjutant Lehback (Christina Kahrmann) ist mit dabei.
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Der Profiboxer Arthur Abraham (rechts) spielt Richard Vogt, Schmelings (Henry Maske) Bezwinger in seinem letzten Profikampf 1948.
Bild von: Central Film / Werner Dittmair

Schmelings (Henry Maske, rechts) wichtigster Gegner Joe Louis wird von Profiboxer Yoan Pablo Hernández dargestellt.
Bild von: Central Film

Max Schmeling (Henry Maske, links) wird beim Kampf von seinem Trainer Max Machon (Heino Ferch, Mitte) betreut. Rechts Manager Joe Jacobs (Vladimir Weigl).
Bild von: Central Film