Prince of Persia - Der Sand der Zeit
Erfolgsproduzent Jerry Bruckheimer macht aus Jake Gyllenhaal den Computerspielhelden "Prince of Persia": In einem Jump-and-Run-Film macht der sich auf die Suche nach dem Sand der Zeit.

V:Disney, USA 2010, R: Mike Newell, D: Jake Gyllenhaal, Gemma Arterton, Sir Ben Kingsley u.a.

Persische Prinzen sollen nach plündernden Piraten das nächste große Langzeitprojekt im Hause Disney werden: Etwa 150 Millionen US-Dollar ließ sich das Studio die effektreiche Verfilmung des Kult-Computerspiels "Prince of Persia" kosten, die beim Publikum ähnlich einschlagen soll wie die "Fluch der Karibik"-Reihe. "Der Sand der Zeit" heißt das erste Abenteuer mit Jake Gyllenhaal in der Rolle des Titelhelden, der sich im sechsten Jahrhundert durch ein Problemgebiet kämpft, das auch heute ein Krisenherd ist. Nur ist die Lösung der Probleme im Laufe der Jahrhunderte etwas komplizierter geworden, als sie Krawallproduzent und Patriot Bruckheimer in seinem Sommer-Blockbuster mit einer einfältigen Stellungnahme zum aktuellen politischen Weltklima darstellt.

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Neues Spektakel aus dem Hause Disney: Krawallmacher Jerry Bruckheimer produzierte "Prince of Persia - Der Sand der Zeit".
Bild von: Disney Enterprises, Inc. and Jerry Bruckheimer, Inc.
Was von Produzent Jerry Bruckheimer erwartet werden kann, ist hinlänglich bekannt. "Pearl Harbour", "Armageddon", "Con Air" und eben Johnny Depps Piratengang: Bruckheimer macht gerne Rabatz. Das ist bei "Prince of Persia" nicht anders. "Ein Feuerwerk der Fantasie mit phänomenaler Action", versprach Bruckheimer und verpflichtete trotzdem Mike Newell als Regisseur: Der Brite hat sich eher als Mann der leisen, subtilen Töne einen Namen gemacht. Zu seine Filmen gehören "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" und "Liebe in den Zeiten der Cholera". Selbst Newells Beitrag zur "Harry Potter"-Filmreihe, "Harry Potter und der Feuerkelch", betonte eher die märchenhaft-romantischen Züge. Tempo und Spannung waren Nebensache.

Das musste sich ändern: "Prince of Persia" ist ein klassisches Jump-and-Run-Spiel und wurde genauso inszeniert. Physikalische Gesetzmäßigkeiten spielen keine Rolle, wenn sich Prinz Dastan (Gyllenhaal) mit einer geheimnisvollen Schönen durch Persien kämpft. Diese Tamina, dargestellt von "Bond"-Girl Gemma Arterton, ist die aktuelle Hüterin eines magischen Dolches, mit dem sich der Sand der Zeit aktivieren lässt - ein mächtiges Instrument, das Kontrolle über die Vergangenheit verspricht und damit für potenzielle Weltherrscher höchst interessant ist.

Springen, rennen, Fallen stellen - es gibt viele Szenen, die direkt aus dem Computerspiel stammen könnten. Dastan hangelt sich an Wänden hoch, sucht innovative Lösungen, um Mauern zu überwinden, haut und sticht sich selbst in ausweglosen Situationen den Weg frei. Leichen pflastern seinen Weg, abgestochen mit Schwert und Dolch. Aus Bits und Bytes werden namenlose Statisten - nur dass der Tod im Kino immer etwas plastischer wirkt, als auf einem verpixelten Computerbildschirm.

Dieser Dastan ist ein cleveres Bürschchen mit reinem Herzen und der Intelligenz der Straße gesegnet: kein großer Denker und Lenker, eher einer, der aus dem Bauch heraus entscheidet und instinktiv das Richtige tut. Nur bei der Eroberung von Alamut, einer heiligen Stadt, hört er nicht auf sein Herz. "Die Feinde Persiens", sagt sein Onkel Nizam (Sir Ben Kingsley), "werden von hier aus mit Waffen versorgt." Ein Spion hätte das herausgefunden. Schon damals ein beliebter Grund, sich unterentwickelte Gebiete einzuverleiben. Nizam hat sogar mit einer Handvoll drogenabhängiger Derwische eine geheime Terrorgruppe zur Hand, die mit brutalen Anschlägen ein Klima der Angst schürt und dadurch politische Entscheidungen beeinflusst. Ein schwacher Einwand Dastans verhallt ungehört, der Junge beugt sich dem Willen seines Heerführers und verhindert mit einem cleveren Manöver wenigstens ein Blutbad. Die Perser marschieren ein und bringen Recht und Ordnung mit.

Denn Persien ist die ordnende Hand der damals bekannten zivilisierten Welt. Technologisch überlegen, regieren die Perser mit militärischer Stärke vom Mittelmeer bis nach China. Die Usurpatoren werden in den eroberten Gebieten anfangs skeptisch begrüßt, doch schon bald entpuppen sie sich als Segen: Sie sind eine Art Weltpolizei mit guten Intentionen und bringen ein besseres Leben für alle mit. Die eroberten Gebiete können froh sein, dass sie von nun an eine zur zivilisierten Welt gehören. Einen plumperen Imagefilm hätte auch die US-Regierung nicht hinbekommen. Mit dem Patriotismus Bruckheimers als Koordinaten ist "Prince of Persia" eine wenig logische bis logistische unmögliche Expedition durch ein Riesenreich. Von den Wüsten der arabischen Halbinsel geht es über den Hindukusch bis in den Himalaya - alles auf dem Rücken eines Pferdes und in kurzer Zeit.

Märchenhaft ist das nicht gerade, eher ermüdend, aber die wechselnden Regionen bieten genügend verschiedene Kulissen für Actionfolklore. Gehauen und gestochen wird überall, in meistens rasanten und spektakulären Szenen. Allerdings nimmt sich "Prince of Persia" dabei viel zu ernst, es fehlt eine Portion Lockerheit, es fehlt die ironische Distanz, auch wenn eigentlich an alle Blockbuster-Zutaten gedacht wurde. Dastan und Tamina sind sich anfänglich so sympathisch wie zwei Cops in einem Buddy-Movie aus den 80er-Jahren. Ein wenig hilflos raufen sich Jake Gyllenhaal und Gemma Arterton mit dummen Sprüchen und romantischer Anziehungskraft zusammen, um den gemeinsamen Feind Nizam zu besiegen. Alfred Molina taucht als unternehmerischer Freigeist in der Wüste auf und sorgt für eine Handvoll kalkuliert komische Momente. Die schiere Gigantonomie des Projektes, 1.850 Schauspieler, Statisten und Crewmitglieder waren beteiligt, und die exotischen Schauplätze geben Augen und Gehirn ständig neues Futter.

Nach dem Showdown gibts dann noch eine Katharsis: Der Sand der Zeit ermöglicht Dastan die Rückkehr zum Beginn der Invasion Alamuts. Und dort entschuldigen sich die Perser für ihren Fehler. "War alles nicht so gemeint. Eigentlich sind wir ganz nett und respektieren Euch": Nizam hatte für seine Intrigen, den Verrat und den Krieg dann auch kein politisches Motiv. Er ist einfach ein armes Würstchen, das es satt hat, nur der Bruder des Königs zu sein. Er will selber mal regieren: Am Ende gehts also nur um die Eitelkeit eines Jammerlappens.
teleschau der Mediendienst


Filmbewertung: akzeptabel
Starttermin: 20.05.2010
Freigabealter: 12
Verleih: Disney
Originaltitel: Prince of Persia - Der Sand der Zeit
Laufzeit: 116 Min.

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Sportlich, sportlich: Aber fit müssen Tamina (Gemma Arterton) und Dastan (Jake Gyllenhaal) auch sein, um den Sand der Zeit vor Missbrauch zu schützen.
Bild von: Disney Enterprises, Inc. and Jerry Bruckheimer, Inc.
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Viel springen, viel laufen, schließlich ist "Prince of Persia" die Verfilmung eines Computerspielklassikers: Pausen wie diese hat Jake Gyllenhaal als Titelheld selten.
Bild von: Disney Enterprises, Inc. and Jerry Bruckheimer, Inc.
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Guter Onkel, böser Onkel: Sir Ben Kingsley dürstet es als Nazim nach viel Macht.
Bild von: Disney Enterprises, Inc. and Jerry Bruckheimer, Inc.
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Tamina (Gemma Arterton) hat zunächst keine Lust auf Dastan (Jake Gyllenhaal) und will wegrennen.
Bild von: Disney Enterprises, Inc. and Jerry Bruckheimer, Inc.
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