Green Zone
Verschwörung in Nahost: Matt Damon brilliert als aufrichtiger Recke im Kampf gegen die eigenen Befehlshaber bei der Neuordnung im besiegten Irak.

V:Universal, USA 2010, R: Paul Greengrass, D: Matt Damon, Jason Isaacs, Amy Ryan u.a.

Es begann in der Nacht vom 19. März 2003: Der Angriff der US-Armee auf Bagdad verlief nahezu reibungslos und zielgerichtet. Bereits nach wenigen Wochen wurde der zweite Irakkrieg vom damaligen US-Präsidenten George Bush mit den siegesgewissen Worten "Mission Accomplished" für beendet erklärt. Der Militärthriller "Green Zone" kommentiert sieben Jahre später mit einer actiongeladenen Handlung, dass der Fortlauf der Entwicklungen im Irak die Pläne der Sieger konterkariert hat: Statt der erfolgreichen Installierung eines demokratischen Staates versank das Land in einem Bürgerkrieg, der bis heute nicht befriedet werden konnte. Im Kern hinterfragt der Film die Gründe, mit denen die US-Regierung den Angriffskrieg gegen den irakischen Diktator Saddam Hussein öffentlich gerechtfertigt hat.

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Gutmensch im Kriegseinsatz: Als Hauptmann kämpft Matt Damon in "Green Zone" für die Aufklärung.
Bild von: 2009 Universal Studios
Als "Green Zone" wurde das Machtzentrum der irakischen Hauptstadt bezeichnet, die innerste Sicherheitszone, wo die US-Heeresleitung das Kommando übernahm, als Hussein und seine Gefolgsleute geflohen waren. Matt Damon spielt einen Hauptmann der US-Armee namens Miller, der mit der Suche nach Massenvernichtungswaffen betraut ist.

Relativ bald hat er Anhaltspunkte dafür, dass sich seine Einsatzpläne auf falsche Geheimdienstinformationen gründen müssen, da er mit seinen Suchtrupps immer wieder auf leere Lagerhallen und sogar eine längst verlassene Toilettenfabrik stößt, in der sich nicht einmal ansatzweise Waffen zur Massentötung hätten produzieren lassen. Seine Frustration über die Sinnlosigkeit seiner tagtäglichen Arbeit wächst auch deshalb, weil seine Männer dadurch akuter Lebensgefahr ausgesetzt werden. Mit seiner internen Kritik stößt er jedoch auf taube Ohren. Die oberste Heeresführung zeigt kein Interesse, den Hauptgrund für die Anwesenheit des US-Militärs im Irak in Zweifel zu ziehen.

Dass die wahren machtpolitischen Hintergründe des Kriegseinsatzes im Nahen Osten verschleiert werden sollen, schwant dem ebenso drahtigen wie versierten Chief Miller spätestens dann, als er von brutal vorgehenden Spezialeinsatzkräften an der Befragung eines wichtigen Informanten gehindert wird. Beauftragt wurden sie von einem Sonderermittler des US-Verteidigungsministeriums im Pentagon (ungewohnt verschlagen: Greg Kinnear). Nach und nach kommt der aufrichtige Miller der skrupellosen Logik der US-Führung auf die Spur.

Sie lautet: Alles, was den Medien und damit der allgemeinen Öffentlichkeit plausibel vorgegaukelt werden kann, ist nur recht und billig, um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Dies geht bis hin zu konstruierten oder schlicht erfundenen Geheiminformationen, um der Welt den Kriegseinsatz als notwendig zu verkaufen. Der Soldat muss entgeistert erkennen, dass beim Neuaufbau des Iraks am Rat erfahrener Nahost-Experten vorbei Fehler am laufenden Band gemacht werden, die entscheidende Auswirkungen für die Zukunft des Landes haben. Dazu gehört auch, dass die Menschenrechtskonvention mit Füßen getreten wird. So muss Miller mit ansehen, wie Verdächtige schonungslos durch Dauerbeschallung mit lauter Musik, durch Hundegebell oder durch tätliche Übergriffe Verdächtige gefoltert werden.

Es überrascht nicht, dass ein solch dramatisch und spannungsgeladen inszenierter und inhaltlich brisanter Filmstoff von einem Regisseur bearbeitet wurde, der mit anspruchsvollen Action-Blockbustern ("Bourne"-Trilogie) und engagierten Dokudramen ("Bloody Sunday", "Flug 93") gleichermaßen bekannt wurde. Der Brite Paul Greengrass verwehrt sich zwar strikt dagegen, seinen Film als ein politisches Statement zu verstehen. Nichtsdestotrotz ist "Green Zone" auch ein bisschen moralisierende, effektvoll in Szene gesetzt Geschichtsstunde.

Auf der Basis des Drehbuchs von Brian Helgeland ("Mystic River") entstand ein atemloser Ritt durch die unter anderem in Spanien und Marokko nachgebauten Gassen Bagdads auf der Suche nach der längst enthüllten schmutzigen Wahrheit über den Krieg der Lügen, in dem sich auch die Qualitätspresse instrumentalisieren ließ. Doch durch die Augen des brillant aufspielenden Matt Damon in der Rolle des zum Einzelkämpfer mutierenden Chief Miller richtet die Erzählung eine neue, ungewohnte dringliche Perspektive auf das Problemthema, das seit Jahren die Abendnachrichten bestimmt.

Teils werden zwar klischeehafte, aber auch nur allzu wahre Kontraste bemüht wie das Leid der irakischen Bevölkerung durch fehlendes Wasser auf der einen und die Völlerei der Besatzer auf der anderen Seite, die es sich bei Banketten und am Swimming Pool des Präsidentenpalasts gut gehen ließen. Interessant dürfte es aber für weite Publikumskreise sein, dass die scheinbare Mär vom standhaften Soldaten keine reine Erfindung nach dem Klischee des einsamen Hollywood-Helden ist: Regisseur Greengrass betont mit Nachdruck, dass sich der Film eng an das Sachbuch von Journalist Rajiv Chandrasekaran gehalten habe.

Der berichtet in seinem Buch "Imperial Life in the Emerald City" davon, dass sich nicht wenige Soldaten gegen das Unrecht ihrer Befehlshaber stellten und wenn nicht wie im Film unter Einsatz ihres Lebens dann doch mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln an der Entwirrung des Lügengewirrs beteiligten. Dass die Medien schließlich doch noch als letzte Rettung bei der Aufklärung erscheinen, ist so paradox wie beruhigend; denn Besserung zu geloben ist immer noch angemessener als den Schein aufrecht halten zu wollen. So schrecklich unterhaltsam "Green Zone" geraten ist, so mitreißend zeigt der Film auch, wie wachrüttelnd und authentisch historische Stoffe einem breiten Publikum präsentiert werden können.
teleschau der Mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Starttermin: 18.03.2010
Freigabealter: 16
Verleih: Universal
Originaltitel: Green Zone
Laufzeit: 115 Min.

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Ihm kann niemand etwas vormachen: Mit kritischem Blick und kühlem Kombinationsgeschick erkennt Chief Miller (Matt Damon), was hinter dem Kriegseinsatz im Irak wirklich steckt.
Bild von: 2009 Universal Studios
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Reporterin Lawrie Dayne (Amy Ryan) übernahm ungeprüfte Exklusivinformationen von Pentagon-Sonderermittler Poundstone (Greg Kinnear) - und saß prompt einer epochalen Lüge auf.
Bild von: 2009 Universal Studios
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Diesmal die Guten: Nahostexperte Martin Brown von der CIA (Brendan Gleeson) versorgt Chief Miller bei dessen Privatermittlungen mit Informationen über die Verschleierungstaktik des Pentagons.
Bild von: 2009 Universal Studios
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Chief Miller (Matt Damon) will die Wahrheit ans Licht bringen.
Bild von: 2009 Universal Studios
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