"Kein Laientheater, keine Nerds, kein Playback"
kabel eins produziert derzeit die Contestshow "Deutschlands beste Party-Band"
Es muss nicht immer "Superstar" sein. "Deutschlands beste Partyband" tuts auch. Das Schöne an der neuen Show, die im Frühjahr bei kabel eins auf Sendung geht: Sie zeigt, dass ein Pop-Casting auch noch etwas mit handgemachter Musik zu tun haben kann. "Da waren schon originelle, schräge, witzige Vögel dabei", beteuert Axel Stegmaier, Leiter Entertainment bei kabel eins nach den ersten Dreh-Wochen. "Aber alles sind echte Musiker. Keine Nichtskönner, keine Nerds!"

Suchen "Deutschlands beste Partyband" (von links): Steve Blame, Anja Lukaseder, Oliver Petszokat, die Jurymitglieder der neuen kabel eins-Sendung.
Bild von: kable eins
Seit Anfang November wird das neue Format in München-Unterföhring produziert. Und klare Sache: "Der Unterhaltungswert der Sendung generiert sich nicht daraus, irgendwelche Pappnasen vorzuführen und dann öffentlich hinzurichten", so der kabel eins-Unterhaltungschef. "Wir machen hier kein Laientheater, sondern einen Musik-Wettbewerb." Deutliche Ansagen an alle, die mit noch einem Casting-Abklatsch mit aufgestylten Karaoke-Helden und aufgeregten Choreografie-Coaches rechneten.
kabel eins richtete seinen Casting-Aufruf an Bands, "die bereits ein Musikerleben haben", so Stegmaier: "Originelle Typen, die den RocknRoll-Lifestyle leben und aus sich heraus interessant sind." Allerdings waren nur Amateure gefragt. Stegmaier ist überzeugt, dass es spannend ist, "Zahnärzte, Polizisten, Verwaltungsfachangestellten oder Sales Manager dabei zu sehen, wie sie nach der Arbeit abrocken".
Die Macher waren von der Resonanz überwältigt. An die 1.000 Musikgruppen, Cover- und Stimmungsbands, vom Duo bis zur Bigband, aus allen Regionen des Landes, haben sich beworben. "Da sieht man, was in dieser Republik musikalisch alles los ist", meint der Chef-Entertainer von kabel eins. Es gab Skurrilitäten und Unglaubliches: "Eine Band hatte eine Sängerin mit einer Stimme wie Melissa Etheridge gekreuzt mit Tina Turner - ein 24-jähriges zierliches Persönchen, das normalerweise im Rathaus arbeitet." Die Frage ist, warum geht so ein Talent nicht gleich zu Bohlen und Co.? "Weil wir sie als Musiker ernst nehmen", entgegnet der kabel eins-Macher prompt. "Und weil es erwachsene Leute sind, die sich nicht vorführen lassen wollen."
Was braucht die Partyband, die am Ende die Nase vorne haben will? "Sie muss in der Lage sein, sich auf jedes Publikum und jede Situation einzustellen." Konkret: Die Bands, die es nach den Vorcastings in die Show geschafft haben, müssen sich zunächst im vollbesetzten Studio in Unterföhring beweisen. Das Publikum steht, es ist Rockclubatmosphäre angesagt. Immer mit dabei: die prominente Jury mit der schon von "DSDS" bekannten Musikmanagerin Anja Lukaseder (42), dem früheren MTV-Moderator Steve Blame (50) und Moderator Oliver Petszokat (31). Bei den Auftritten werden den Musikern auch Genres abverlangt, in die sie sich sonst nicht vorwagen. So sieht sich etwa die Schlager-Combo mit dem Classic-Rock konfrontiert oder Punkrocker kriegen es mit deutschen Party-Hits zu tun ...
Im "Reality Check" gehts dann in der freien Wildbahn und ohne Netz und doppelten Boden zur Sache. Die Bands spielten beim Sechs-Tage-Rennen in der Münchner Olympiahalle, traten auf einer Skihütte in Kaprun auf oder rockten ein Beachfest in der Therme Erding. Das Besondere: "Deutschlands beste Partyband" ist absolut Playback-freie Zone, alles live und handgemacht.
Außergewöhnlich auch das breite Repertoire mit Schwerpunkt Rock-Classics. Heißt: Alles im Bereich von "Summer of 69" bis "Highway To Hell" ist möglich - auch mit Abba- oder Village-People-Smashern wird zu rechnen sein. Die perfekte Beschallung jedenfalls für die kabel eins-Kernzielgruppe, die laut Geschäftsführer Jürgen Hörner, selber bekennender Rockfan, im Schnitt "42 Jahre alt und eher männlich" ist. Hüttengaudi à la DJ Ötzi werde es eher nicht geben - auch weil so etwas, sagt Stegmaier, nicht so gut in eine neue Version gebracht werden könne: "Die Bands haben den Ehrgeiz, die Stücke nicht eins zu eins zu covern, sondern sie verpassen ihnen eine eigene Note - wir hatten Back For Good als harte Punknummer oder Verdammt, ich lieb dich als Reggae."
Ein Castingformat mit Mehrwert gewissermaßen. Das Konzept ist ansonsten nicht anders als bei vergleichbaren Sendungen. Zunächst wird unterhaltsam der Run auf die Auditions dargestellt. Danach folgt die eigentliche mehrteilige Show, für die sich sechs Gruppen qualifizieren. Es gilt, diverse Hürden zu meistern, und im Finale entscheidet sich zwischen den besten drei Bands, wer sich "Deutschlands beste Partyband" nennen darf. Versteht sich, dass die Zuschauer die Bands auch in ihrem Leben fernab der Bühne kennenlernen und verfolgen, wie sie den Spagat aus Entertainment und Berufsalltag bewältigen.
Am Ende winkt dem Sieger Geheimnisvolles: "Ein Preis, den man mit Geld nicht kaufen kann", so Stegmaier. Möglicherweise ein Auftritt im Vorprogramm eines berühmten Acts. Aber kein Plattenvertrag! "Das ist für diese Amateurmusiker überhaupt nichts Erstrebenswertes", erklärt der kabel eins-Macher. Und er betont, dass kaum eine Gruppe danach gefragt habe, was es für die Teilnahme gibt. "Das sind Idealisten!" Aber klar, eine Promotionplattform fürs bandeigene Booking ist die Sendung in jedem Fall ... Und für den Sender kabel eins, der zuletzt schon mit Markus Kavkas Musikformat "NUMBER ONE!" die eigene Musiktradition aufleben ließ, ein weiterer Schritt in ein etwas weiter gefasstes Senderprofil. "Wir stellen uns mit den neuen Formaten im Entertainmentbereich künftig etwas breiter auf", erklärt Jürgen Hörner. "Die Grenzen zwischen Dokutainment und Entertainment verschwimmen immer mehr." "Deutschlands beste Partyband" wird im April starten und acht Wochen lang auf einem Primetime-Sendeplatz laufen.
teleschau der Mediendienst
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