Das Surreale, die Poesie und die Liebe
Neu im ZDF-Sonntagskrimi: Bestseller-Verfilmungen von Fred Vargas (ab 20.09.)
"Sie haben ein hartes und ein weiches Profil ..." Frauen sind schnell fasziniert vom geheimnisvollen Charme des Jean-Baptiste Adamsberg. Jetzt endlich wird der spröde Held, den die französische Bestsellerautorin Fred Vargas erfunden hat, auch zum ZDF-Sonntags-Ermittler. So wie vor ihm der britische "Inspektor Lynley" oder der schwedische "Kommissar Beck". Das Zweite startet eine neue Reihe von Kriminal-Literaturverfilmungen. Mit geschmeidiger Hand - und Starbesetzung - übertrug Josée Dayan die essenziellen Elemente der Vargas-Krimis auf den Bildschirm: die Faszination für ihre verschrobenen Figuren, das Zwischenmenschliche, das Surreale, die Poesie und die Liebe. Das Wort ist wichtiger als die Action. Vermutlich wird auch die Reihe, die am Sonntag, 20. September im Zweiten startet, vor allem beim weiblichen Publikum Anklang finden.

Kommissar Adamsberg (Jean-Hugues Anglade) ist der neue Krimiheld am Sonntagabend im ZDF.
Bild von: ZDF / Gilles Scarella
Den Kern bildet mal wieder ein etwas schräges Ermittlerteam, und dessen Seele ist ein tiefgründiger Kommissar. Jean-Baptiste Adamsberg (Jean-Hugues Anglade, "Kein Himmel über Afrika") ist kein Superhirn, sondern sein kriminalistisches Genie ist auf seiner Intuition begründet. Die Pariser Kollegen finden den Mann aus den Pyrenäen zwar ein wenig befremdlich und "hinterwäldlerisch", doch gleichermaßen interessant und liebenswert. Vor allem die Frauen ... Denen ist auch der Bulle mit dem Stoppelbart nicht abgeneigt - dennoch hat er nur eine große und ziemlich komplizierte Liebe: die zarte Camille (Hélène Fillières), die als Komponistin und Klempnerin arbeitet und abwechselnd Adamsbergs Geliebte und Verflossene ist.
Adamsberg wird bei seinen Ermittlungen unterstützt von der Zweimeterfrau Retancourt (Corinne Masiero) und dem Schöngeist Danglard (Jacques Spiesser). Der liebt Bücher, Weißwein und seine fünf Jungs, die er allein zu adretten Schlaumeiern erzieht. Es erinnert fast ein wenig an 50er-Jahre Film-Idylle, wenn der etwas rundliche Analytiker die Bengel in ihren gestreiften Schlafanzügen zum "Kriegsrat" zusammenruft, damit sie bei der Strukturierung des aktuellen Falles helfen ... Doch das ist nur eines der eigentümlichen Elemente dieser mystischen, surrealen, düsteren Geschichten.
Vor allem der Auftakt (die Reihenfolge der Ausstrahlungen entspricht nicht jener der Romane) ist ein unkonventionelles, fast märchenhaftes Road Movie: Camille, die Adamsberg seit drei Jahren nicht mehr gesehen hat, ist zusammen mit einem alten Schäfer und dessen Lexikoneinträge zitierenden Adoptivsohn unterwegs im Gebirge. In einem stinkenden Viehtransporter machen sie Jagd auf einen angeblichen Werwolf. Doch schließlich benötigen sie die Hilfe eines ganz besonderen Polizisten ... ("Bei Einbruch der Nacht", 20.09., 22.00 Uhr).
Bemerkenswert an der Reihe ist die Besetzung der Episodenhauptrollen mit internationalen Hochkarätern: Tobias Moretti ist gleich zum Auftakt zu sehen, Charlotte Rampling prägt mit ihrer Präsenz den zweiten Fall: "Es fährt noch ein Zug von der Gare du Nord" spielt in Paris und erfüllt dann wohl eher klassische Krimi-Erwartungen (27.09., 22.15 Uhr). Zuletzt hat die Grande Dame Jeanne Moreau ihren großen Auftritt als Computerhackerin (im Zweiteiler "Der vierzehnte Stein", 04.10. und 11.10., jeweils 22.00 Uhr).
Zum Abschluss der Reihe zeigt das ZDF im "Montagskino" die Free-TV-Premiere von "Fliehe weit und schnell" (Mo., 12.10., 22.15 Uhr). Die französische Produktion erschien 2007 in Deutschland als DVD - Adamsberg wird darin von José Garcia gespielt.
Das ZDF hatte sich nach eigenen Angaben jahrelang um die Filmrechte an Vargas Büchern bemüht. Doch die waren zunächst dem Kino vorbehalten. Nun konnte gemeinsam mit Europool und France 2 drei Verfilmungen realisiert werden. Es könnten nicht die letzten gewesen sein. Außerdem - so kündigten die Mainzer bereits an - sind weitere neue Umsetzungen und Ausstrahlungen der internationalen Kriminalliteratur in Arbeit, darunter Arne Dahl und die Stieg-Larsson-Trilogie "Millenium": Am 01.10. beginnt sie mit dem schwedischen Thriller "Die Verblendung" im Kino.
teleschau der Mediendienst
Hoffen auf verschärfte Sprünge
Der Mann mit der gruseligen Maske
Und sie brüllen wieder
Was nun ..?

Kommissar Adamsberg (Jean-Hugues Anglade) ist ein kauziger Zeitgenosse, aber auch ein kriminalistisches Genie.
Bild von: ZDF / Gilles Scarella

Inspektor Danglard (Jaques Spiesser) hat fünf Kinder, eine ansehnliche Privatbibliothek und einen Hang zum Weißwein.
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Camille (Hélène Fillières) ist abwechselnd Klempnerin und Komponistin, mal Adamsbergs Geliebte und mal nicht.
Bild von: ZDF / Gilles Scarella

Ein weiteres Merkmal der neuen Krimireihe: die Starbesetzung. In der ersten Ausgabe spielt Tobias Moretti (links) den Nebenbuhler des Kommissars (Jean-Hugues Anglade).
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Charlotte Rampling darf als undurchsichtige Künstlerin Mathilde den Charakter von Adamsberg ein bisschen analysieren.
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Adamsberg (Jean-Hugues Anglade) und sein Kollege Danglard (Jaques Spiesser) ergänzen sich gut: Der eine vertraut auf seine Intuition, der andere auf seinen Verstand.
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Eigentlich ist Camille (Hélène Fillières) die einzige Frau, die Adamsberg wirklich liebt.
Bild von: ZDF / Gilles Scarella

Schräges Ermittlerteam: Kommissar Adamsberg (Jean-Hugues Anglade, links) wird unterstützt von Danglard (Jaques Spiesser) und der großen Lieutenant Retancourt (Corinne Masiero).
Bild von: ZDF / Gilles Scarella