Cosma Shiva und Eva-Maria Hagen
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Unter dem Titel "Oma, Opa - wie war das damals eigentlich?" hatte der Spartensender HISTORY zum sechsten Mal einen Geschichtswettbewerb an deutschen Schulen ausgelobt - am 15. Juni 2010 ging der Preis ans Humboldt-Gymnasium im brandenburgischen Eichwalde. Schirmherrinnen des Projekts: die Schauspielerin Eva-Maria Hagen (74) und ihre ebenso prominente Enkelin Cosma Shiva Hagen (29). Im Interview berichten Mutter und Tochter der dauerschrägen Sängerin Nina H. über Unterschiede zwischen ihren Generationen und die Besonderheiten der Familie Hagen.

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Intensiver Austausch über drei Generationen: Enkelin Cosma Shiva Hagen (links) ist zum Teil bei ihrer Großmutter Eva-Maria in Hamburg aufgewachsen.
Bild von: HISTORY / Klaus Knuffmann
teleschau: Cosma Shiva, mit welchen Fragen haben Sie Ihre Oma als Kind am meisten gelöchert?

Cosma Shiva Hagen: Ich habe meine Oma nie gelöchert. Geschichten oder Geschichte wird in Familien eher beiläufig vermittelt. Das macht die besondere Qualität dieser Art von Lernen aus. Man wächst auf mit Anekdoten und Erzählungen. Man hört zu und irgendwann ergibt sich ein Bild. Meine Familie ist auch ein Stück deutsche Geschichte live. Manchmal weiß ich gar nicht mehr, ob ich bestimmte Dinge aus Fernseh-Dokumentationen oder Familienerzählungen erfahren habe.

teleschau: Was haben Sie durch Ihre Großmutter über Deutschland gelernt?

Cosma Shiva Hagen: So einiges. Mein Großvater war Jude, meine Oma kam aus dem Osten, sie war mit Wolf Biermann zusammen und musste die DDR verlassen. Allein darin spiegeln sich einige der wichtigsten deutschen Themen der letzten 80 Jahre oder so wider.

teleschau: Frau Hagen, was bewundern Sie an Ihrer Enkelin?

Eva-Maria Hagen: Dass sie so früh selbstständig geworden ist. Und dass sie ihr Leben sehr frei lebt. Cosma Shiva ist ein Mensch, der alles ausprobiert. Auch, wenn sie dabei mal auf die Nase fliegt. In diesem Fall steht sie ganz schnell wieder auf. Sie war immer ein wissbegieriges Kind. Wenn ich ihr früher Märchen vorlas und sie schon fast eingeschlafen war, wollte sie immer noch eine weitere Geschichte hören. "The next story", sagte sie dann mit extrem schläfriger Stimme (beide lachen). Außerdem ist Cosma sehr musikalisch. Aber weil ihre Mutter und ihre Oma ja schon singen, dachte sie wohl, es sei besser, etwas Eigenes zu machen.

teleschau: Hat Cosma Shiva Hagen das Talent von ihrer Großmutter geerbt?

Cosma Shiva: Ich halte mich nicht für besonders talentiert. Schauspielerei habe ich nie gelernt. Alles, was ich spiele, entnehme ich meinen persönlichen Erfahrungen. Ich weiß nicht, ob sich darin ein Talent ausdrückt. Aber etwas anderes kann ich nicht. Was ich an meiner Oma bewundere, ist, dass sie so viel macht: Sie schreibt, singt, spielt und malt.

teleschau: Sie selbst sind aber auch sehr umtriebig - als Schauspielerin, Model, Designerin, politische Aktivistin und seit einem Jahr sogar als Betreiberin einer Bar am Hamburger Fischmarkt ...

Cosma Shiva: Das ist alles gar nicht so viel, wie es sich anhört. Aber durch die Bar bündeln sich alle Aktivitäten, weil alles dort hinkommt. Vor über zehn Jahren reiste ich nach Afrika, dabei habe ich mich in den Kontinent verliebt. Seitdem bin ich süchtig danach, immer mehr zu erfahren. Über afrikanische Geschichte, über die alten und neuen Formen der Ausbeutung dort. Wenn man die Menschen dort kennenlernt, kann man nicht mehr mit demselben Gefühl zurückfahren und einfach weitermachen wie bisher. Das wäre, als würde man Freunde betrügen. Aus dieser Erfahrung kommen all meine karitativen Engagements. Die Bar ist so etwas wie das Zentrum meiner Ideen. Dazu ist sie ein kleines Kunsthaus für jegliche Form der Subkultur: Graffiti, urbane Kunst, junge Kunst. Meine karitativen Vereine binde ich einfach mit ein in die Bar, so können sich dort alle begegnen. Das ist besser, als alles nur über E-Mail zu regeln.

teleschau: Sie haben aber auch in "Alarm für Cobra 11" mitgespielt ...

Cosma Shiva: Nun, ja. Das war schon okay. Aber man macht natürlich auch Dinge, damit etwas Geld reinkommt. Insgesamt habe zuletzt viel Theater gespielt, und ich baute die Bar auf. Daneben blieb wenig Zeit für Film oder Fernsehen.

teleschau: Ist das Wuselige kennzeichnend für die Gene der Familie Hagen? Dass man immer viele künstlerische Rollen gleichzeitig ausfüllen muss?

Eva-Maria Hagen: Ich würde das nicht wuselig, sondern engagiert nennen. Vielseitigkeit ist jedoch auch eine Generationsfrage. Ich könnte nicht so viele unterschiedliche Dinge tun wie Cosma. Selbst als ich in ihrem Alter war, hätte mich das überfordert. Aber die Zeiten sind um ein Vielfaches schneller geworden. Cosmas Generation ist damit aufgewachsen und offenbar daran angepasst.

teleschau: Sie sind doch auch Multikünstlerin, Frau Hagen. Was unterscheidet Sie von Ihrer Enkelin?

Eva-Maria Hagen: Dass ich nicht alles gleichzeitig mache. Wenn ich male, dann mache ich nichts anderes. Dann kann ich nichts anderes. Dass wäre Cosmas Generation viel zu langweilig.

Cosma Shiva Hagen: Aber Oma, das Leben ist doch auch wuselig. Warum sollen meine Jobs, meine Projekte nicht mein normales Leben abbilden. Sicherlich verzettele ich mich immer wieder mal, das gebe ich zu. Aber selbst das finde ich nicht so schlimm.

teleschau: Lassen Sie sich von Ihrer Oma beraten, wenn Sie im Leben den Überblick verlieren?

Cosma Shiva Hagen: Natürlich unterhalte ich mich über manche Dinge mit der Familie. Aber Familie ist keine Versicherung, bei der man anruft, um sich beraten zu lassen. Familie, das sind Gespräche. Und dann gibt es auch ganz andere Momente. Da geht es mir schlecht, und ich will mit niemandem reden oder mich gar beraten lassen. Ratschläge sind auch manchmal Schläge.

teleschau: Haben Sie ein Lebensmotto?

Eva-Maria Hagen: "Carpe Diem" - nutze den Tag.

Cosma Shiva Hagen: "Lebe im Hier und Jetzt". Das ist in etwa das Gleiche, oder?

Eva-Maria Hagen: Meine Tochter Nina sagt: "Gott gibt, Gott nimmt." Das hat sie schon immer gesagt ...

teleschau: Sind Sie beide religiös?

Cosma Shiva Hagen: Wir sind alle sehr unterschiedlich. Meine Mutter ist inzwischen Christin. Oma ist Atheistin. Und ich glaube daran, dass es alle Propheten wirklich gegeben hat, dass aber Religion nichts Göttliches hat. Durch Religion sind viele Kriege und die ganze Angstmacherei entstanden.

teleschau: Man sagt, Großeltern und Enkel können oft besser miteinander als Eltern und Kinder. Sind Sie beide ein Paradebeispiel für diese These?

Cosma Shiva Hagen: Das wurde oft so dargestellt, stimmt aber nicht. Wir sind alle zusammen und fühlen uns gleichberechtigt als eine Familie. Als ich bei meiner Oma lebte, wurde mir in den Mund gelegt, dass ich meine Mutter zu anstrengend finde. Aber ich frage: Welche 13-Jährige empfindet ihre Mutter nicht als anstrengend? Als ich mit 14 oder 15 Jahren Interviews gegeben habe, da haute ich das raus. Na klar!

teleschau: Fühlen Sie sich von den Medien damals ausgenutzt?

Cosma Shiva Hagen: Nein, aber es wurde alles sehr auf Schwarz-Weiß getrimmt. Welche 15-Jährige freut sich darüber, wenn ihre Mutter sie von der Schule abholt? Keine tut das. Wenn ich aber damals so etwas gesagt habe, wurde gleich ein großer Mutter-Tochter-Konflikt konstruiert. Aber diese Zeiten sind glücklicherweise lange vorbei.

teleschau: Leben Sie heute beide immer noch in Hamburg?

Eva-Maria Hagen: Wir leben beide in Hamburg. Cosma allerdings im Westen und ich im Osten der Stadt.

Cosma Shiva Hagen: Absolut. Hier ist mein Lebensmittelpunkt. Vor allem die Bar. Ich bin für das gesamte künstlerische Programm zuständig. Für Musik, Kunst, Events. Bei wichtigen Veranstaltungen stehe ich unten, ansonsten bin ich oben im Büro. Aber ich habe natürlich auch ein tolles Team, das mich unterstützt.

teleschau: Sehen Sie sich heute hauptsächlich als Unternehmerin?

Cosma Shiva Hagen: Ich bin alles, was mit "in" aufhört: Galeristin, Schauspielerin, Gastronomin, Autodidaktin, Lebenskünstlerin. In die Büroarbeit groove ich mich gerade langsam hinein, diese Art Arbeit war ich bisher eher nicht gewohnt.

teleschau: Frau Hagen, hat es eine junge Frau wie Cosma heute leichter oder schwerer als zu Ihrer Zeit?

Eva-Maria Hagen: Sie hat es anders. Meine Jugend fand im und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Damals war die Welt offen, es gab eine Utopie und ungeheuren Lebenshunger - das Gegenteil der heutigen Überflussgesellschaft. Zwischendurch gab es die Null-Bock-Generation mit wenig Antrieb. Aber ich glaube, dass die Generation danach, zu der auch Cosma zählt, wieder viel engagierter und auch weniger oberflächlich ist.

Cosma Shiva Hagen: Trotzdem müssten wir viel mehr tun. Eigentlich sollte meine Generation eine Revolution starten. Nehmen wir die Ölpest. Man dürfte nicht mehr fliegen und keine Autos mehr fahren. Wir müssten alle Selbstversorger werden. Leider ist das ziemlich unrealistisch. Vielleicht ist einfach noch nicht genug passiert. Wenn uns alles um die Ohren geflogen ist, dann steht vielleicht auch meine Generation auf.
teleschau der Mediendienst




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Die Schauspielerinnen Eva-Maria Hagen und ihre Enkelin Cosma Shiva verliehen in Hamburg den "History Award 2010". Sieger des Schülerwettbewerbs wurde ein Brandenburgisches Gymnasium.
Bild von: HISTORY / Klaus Knuffmann
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"Warum sollen meine Jobs, meine Projekte nicht mein normales Leben abbilden. Sicherlich verzettele ich mich immer wieder mal, aber selbst das finde ich nicht so schlimm." Cosma Shiva Hagen bleibt dem Vielseitigkeits-Gen ihrer Familie treu.
Bild von: HISTORY / Klaus Knuffmann
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Die Schauspielerin, Sängerin, Autorin und Malerin Eva-Maria Hagen war Theater- und Filmstar im Osten Deutschlands. Ende der Siebziger musste sie die DDR mit Tochter Nina wegen ihrer Beziehung zu Liedermacher Wolf Biermann verlassen.
Bild von: HISTORY / Klaus Knuffmann
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Es gibt viel zu erzählen: Kunst-Bar-Betreiberin Cosma Shiva Hagen (links) mit Großmutter Eva-Maria Hagen beim Generationengespräch und der Verleihung des "History Award 2010".
Bild von: HISTORY / Klaus Knuffmann

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