Anna Stieblich
spielt in der Komödie "Männer lügen nicht" (Do., 11.02., 20.15 Uhr)

Drei Jahre lang war sie fast täglich in deutschen Wohnzimmern zu Gast: Die Rolle der bis zur Selbstverleugnung toleranten Patchwork-Mutti Doris machte sie berühmt. Seitdem feststeht, dass es keine vierte Staffel der preisgekrönten ARD-Vorabendserie "Türkisch für Anfänger" mehr geben wird (wohl aber vermutlich schon bald einen Kinofilm), hat sich Anna Stieblich mit großem Vergnügen auf neue Rollen gestürzt. In der ARD-Degeto-Komödie "Männer lügen nicht" (Donnerstag, 11.02., 20.15 Uhr) sieht man sie als schüchterne Romantikerin. Außerdem spielt sie am Freitag, 19.02., 21.15 Uhr, eine Episodenhauptrolle als Gerichtsmedizinerin in der ZDF-Krimireihe "SOKO Leipzig". Doch ganz lässt sie die "Türkisch für Anfänger"-Welt nicht los: Mit ihrem ehemaligen Serienpartner Adnan Maral steht die gebürtige Bremerin, die am 20. Februar 45 Jahre alt wird, derzeit in der Theaterproduktion "Der Gott des Gemetzels" von Erfolgsautorin Yasmina Reza auf der Bühne.

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Eine Paraderolle: Die Chaosmutter Doris in der ARD-Vorabendserie "Türkisch für Anfänger" möchte Anna Stieblich in der geplanten Kinofassung gerne mal nach Istanbul schicken.
Bild von: ARD / Richard Hübner
teleschau: Frau Stieblich, was machte für Sie den Konflikt in der ARD-Komödie "Männer lügen nicht" so interessant?

Anna Stieblich: Ich spiele eine graue Maus, die mit 40 Jahren immer noch Mauerblümchen ist. Es geht um eine Frau, die sich einmal in ihrem Leben richtig verliebt hatte - und dann glaubt, dass ihr Mann umgekommen ist. Diesem einen Aufblühen in ihrem Leben träumt sie seitdem immer hinterher.

teleschau: Und dann trifft sie ihre große Liebe wieder ...

Anna Stieblich: ... sie sieht ihn im Skiurlaub zufällig auf der Straße. Es ist letztlich eine Komödie, die sich plötzlich fast zu einem Krimi entwickelt. Zum Glück hat sie eine sehr umtriebige, neugierige Freundin an der Seite, die ihr hilft, herauszufinden, was mit dem lange Totgeglaubten wirklich passiert ist.

teleschau: Das klingt fast so, als müsste man nur an ein paar Stellen die Gewichte verschieben und herauskäme ein ziemlich unheimlicher Thriller.

Anna Stieblich: Stimmt. Mit veränderten Vorzeichen oder einer größeren Ernsthaftigkeit erzählt, wäre das eine ziemliche Lebenskatastrophe.

teleschau: Sind Beziehungsnöte von dieser Art nicht doch ein bisschen ein zu ernstes Thema für diesen doch eher leichtgewichtigen ARD-Sendeplatz?

Anna Stieblich: Eine Komödie ist ja nie etwas, in der man nur Sachen verlacht. Sie ist nur eine andere Herangehensweise, sich mit einem Problem zu beschäftigen. Um eine Komödie gut zu spielen, muss man seine Rolle sehr ernst nehmen. Das Problem im deutschen Fernsehen ist doch eher, dass viel zu schnell Etiketten verliehen werden. Warum darf eine Komödie nicht Tiefe haben? Oder ein Thriller nicht komisch sein? In anderen Ländern trennt man die Genres nicht so streng - zur Bereicherung der Filme. Wirklich komisch ist es ja nur, wenn man sich durch das Lachen von einem ernsten Problem befreien kann.

teleschau: Spielte sich der Film denn leichter, wenn er eine tragische Wendung nähme?

Anna Stieblich: Sie haben schon Recht: Das Ende von "Männer lügen nicht" ist sehr leicht hingespielt und märchenhaft überhöhend. Das gehört aber offenbar zu diesem Sendeplatz dazu. Privat erschiene mir die Schlusswendung ein wenig zu "Wuppdiwupp".

teleschau: Als Schauspielerin haben Sie sich ja schon seit Längerem erfolgreich auf Komödien spezialisiert.

Anna Stieblich: Ich toure derzeit mit der Theaterkomödie "Der Gott des Gemetzels". Diese Rolle zu spielen, ist eine echte Erfüllung für mich. Das Stück schrammt an der Grenze zwischen tragikomisch, bitterböse und dann wieder sehr heiter entlang. Das funktioniert in "Männer lügen nicht" nicht ganz unähnlich - das Märchenende einmal ausgeklammert.

teleschau: Im Theaterstück "Der Gott des Gemetzels" wird die Gnadenlosigkeit der Akteure aber viel stärker auf die Spitze getrieben.

Anna Stieblich: Den wilden Schlagabtausch von zwei Paaren zu spielen, ist für eine Schauspielerin wie für Kinder ein Besuch in der Schokoladenfabrik. Ich freue mich jeden Abend aufs Neue darauf.

teleschau: Das Stück steigert sich von einem eher harmlosen Zusammensitzen zweier Nachbarschaftspaare wirklich zum wilden Gemetzel. Bedeutet das nicht auch Abend für Abend eine enorme Anstrengung für Sie?

Anna Stieblich: Der Pulsschlag geht jede Nacht richtig hoch. Erst kürzlich wollte ich nach der Vorstellung früh schlafen gehen - unmöglich! Alles rast im Stück durcheinander. Da braucht man zwei bis drei Stunden, um danach wieder runterzukommen. Aber ich mache das mit großer Lust. Jeder Abend nimmt minimal einen anderen Bogen.

teleschau: Steckt da nicht viel Freude am Anarchischen in Ihnen - im Vergleich zum eher disziplinierten Vorgehen, wenn man fürs Fernsehen arbeitet?

Anna Stieblich: Fernsehen und Film bringen mit sich, dass man in einem viel kostspieligeren Rahmen arbeitet. Anarchische zehn Minuten wären hier viel zu teuer, deswegen möchte sie da keiner haben. Im Theater ist es durchaus möglich, das Publikum mal mit einer Verrücktheit mitzureißen. Letztlich kann man hier viel mehr mitbestimmen. Beim Fernsehen wird einem zwar für den einen Moment, in dem man alles geben soll, ein gewisser Spielraum zugestanden. Aber die Freiheit findet auf der Bühne statt.

teleschau: Trotzdem haben Sie ja die Brücke zwischen den zwei Welten selbst geschlagen, in dem sie ihren "Türkisch für Anfänger"-Serienpartner Adnan Maral mit zur Bühnenkomödie "Der Gott des Gemetzels" holten.

Anna Stieblich: Genau. Wir haben uns einfach als Schauspieler sehr schätzen gelernt. Ich war immer sehr neugierig, ihn einmal auf der Bühne kennenzulernen. Wir kannten uns ja nur vor der Kamera. Ich war sehr positiv überrascht: Ich hätte nicht gedacht, dass da noch so viel Potenzial in uns schlummert. Und ich sehe einen vollkommen anderen Mann vor mir.

teleschau: Aber das schnippische Hickhack und die Wortgefechte setzen sich fort?

Anna Stieblich: Wir sind einfach miteinander warm gespielt. Aber das Konfliktpotenzial ist im Theaterstück ganz anders gelagert. Diesmal spielen wir kein Paar, sondern Gegenspieler. Adnan ist der Mann meiner Feindin. Ich hab mich in keinem Moment dabei erwischt, zu sagen: Ach ja, das ist ja der Metin.

teleschau: Mit "Türkisch für Anfänger" wird es als Serie ja nicht weitergehen. Wie konkret ist denn das Kinoprojekt, von dem man immer wieder hört?

Anna Stieblich: Ich hab noch nichts unterschrieben, aber ich habe ernst zu nehmende Ansagen bekommen, dass es bald losgeht.

teleschau: Wird im Kinofilm einfach die Geschichte wieder aufgegriffen und da weitergeführt, wo sie in der Serie stehen blieb?

Anna Stieblich: Dazu weiß ich leider auch noch gar nichts. Ich könnte es mir reizvoll vorstellen, wenn die Handlung auch einmal in die Türkei verlagert wird. Das ist aber nur mein Wunsch ans Drehbuch. Es kann sein, dass sich die ARD und die Produktionsfirma etwas ganz anders ausdenken - ich weiß nicht, was die Drehbuchautoren derzeit schreiben.

teleschau: Ihnen würde aber gut gefallen, Berlin einmal zu verlassen?

Anna Stieblich: Wenn das geschieht, dann müsste der Schauplatzwechsel unbedingt in die Türkei führen. Ich würde sehr gerne sehen, wie sich Doris mit ihrer tollen Toleranz in Istanbul schlägt. Das fände ich großartig.

teleschau: Spricht da eine gewisse spöttische Distanz zur Figur? War Doris für Sie manchmal zu sehr Gutmensch?

Anna Stieblich: Sie ist ja kein echter Gutmensch. Viele Jugendliche, das haben wir aus den Reaktionen zur Serie gehört, finden sie als Mutter richtig furchtbar. Wenn es darauf ankommt, verrät sie ihre Tochter einfach. Letztlich erhebt sie ja immer ihr ganz spontanes Denken zum Prinzip - und die anderen werden überrannt. Aber ich liebe Doris einfach so, wie sie ist.

teleschau: Manchmal schnürt sich das Korsett einer Rolle ja zu: Sind Sie ganz froh, nicht mehr die Mutter der Nation zu sein?

Anna Stieblich: Drei Jahre lang habe ich Doris sehr gerne gespielt. Immerhin konnte ich die Rolle auch ein wenig mitgestalten, weil mich der Autor genau beobachtet hatte und viel Persönliches von mir reinschreiben konnte. Für meine Karriere ist es natürlich nicht schlecht, dass ich nicht auch noch die nächsten fünf Jahre lang "Türkisch für Anfänger" spiele. Aber auf den Kinofilm freue ich mich sehr.

teleschau: Kriegen Sie manchmal Mitleid, dass die ARD sich nach "Türkisch für Anfänger" auf dem Vorabendsendeplatz so schwer tut?

Anna Stieblich: Ich habe keine Serie geschrieben, die ich in der Schublade hätte, um sie den ARD-Kollegen anzubieten. Es ist aber wirklich schade, dass hier so vieles nicht funktioniert.

teleschau: Was ist Ihre Erklärung?

Anna Stieblich: Es liegt auch an vielen Autoren, die sich nicht die Freiheiten nehmen, wie dies Bora Dagtekin für uns getan hat. Er ist ein echtes Ausnahmetalent. Die wenigsten haben den Mut, sich so viel zu trauen wie er. Sein Schreibstil hat viel Biss - und enorme Leichtigkeit.
teleschau der Mediendienst




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Zwei unterschiedliche Freundinnen im Skiurlaub, im ARD-Film "Männer lügen nicht": Barbara (Maruschka Detmers, links) ist lebensfroh und neugierig, Silke (Anna Stieblich) gilt als Mauerblümchen.
Bild von: ARD Degeto / Silvia Zeitlinger
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Mit einer Ohrfeige revanchiert Silke (Anna Stieblich) sich in der ARD-Romanze "Männer lügen nicht" bei dem Herzensbrecher Sebastian (Markus Knüfken).
Bild von: ARD Degeto / Silvia Zeitlinger
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Auf der Tanzfläche kommen sich Silke (Anna Stieblich) und Walter (Holger Gotha) im ARD-Film "Männer lügen nicht" allmählich näher.
Bild von: ARD Degeto / Silvia Zeitlinger
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Von wegen Erholung: Ihren Wellness-Aufenthalt in den Bergen hatten sich Barbara (Maruschka Detmers, rechts) und Silke (Anna Stieblich) im ARD-Film "Männer lügen nicht" eigentlich anders vorgestellt.
Bild von: ARD Degeto / Silvia Zeitlinger
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Doris (Anna Stieblich) wünschte sich in der ARD-Serie "Türkisch für Anfänger" häufig nichts mehr als eine ganz normale Familie.
Bild von: ARD / Richard Hübner
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Fans und Jurys lieben sie: die Chaos-Familie Schneider-Öztürk aus Berlin aus der ARD-Serie "Türkisch für Anfänger". Von links: Metin (Adnan Maral), Lena (Josefine Preuß), Cem (Elyas MBarek), Doris (Anna Stieblich) und Yagmur (Pegah Ferydoni).
Bild von: ARD / Richard Hübner
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Doris (Anna Stieblich) präsentiert sich in "Türkisch für Anfänger" in ihrem weißen Brautkleid.
Bild von: ARD / Richard Hübner
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Metin (Adnan Maral) zuliebe bemüht sich Doris (Anna Stieblich) redlich, eine gute Hausfrau zu sein - sie will künftig auch die Wäsche trennen.
Bild von: ARD / Richard Hübner

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