Montag, 08.02.2010 - ProSieben: 20.15 Uhr
Killerjagd. Schrei, wenn du dich traust
Anna Winter an der Elite-Uni
Man nehme: Eine bekannte, dynamisch-attraktive Hauptdarstellerin, gruppiere eine Reihe talentierter Jungstars um sie und schicke sie als taffe Thriller-Heldin im betont hippen Szenario auf Verbrecherjagd. Wenn man dann noch auf eine bereits gut eingeführte Grundkonstellation bauen kann und ein bewährter Regisseur wie Elmar Fischer ("Fremder Freund", "Tatort: Hart an der Grenze") die Fäden zieht, kann beim Gänsehautprogramm für die junge Generation nichts schiefgehen. "Killerjagd. Schrei, wenn du dich traust" ist nach dem im September 2009 ausgestrahlten Film "Killerjagd. Töte mich, wenn du kannst" der zweite 90-Minüter mit Alexandra Neldel als Rechtanwältin Anna Winter, die dem Publikum aus der Serie "Unschuldig" vertraut ist. Und die an einer Berliner Elite-Universität angesiedelte Geschichte startet wirklich so furios, dass man sich auf eine Dosis Campus-Horror à la "Anatomie" gefasst macht. Doch bald wird klar, dass die fürs Thriller-Genre nicht unwichtigen Zutaten zu sparsam dosiert wurden: Spannung, Atmosphäre, Logik.

Zunächst schenkt Anna (Alexandra Neldel) der Vergewaltigungsgeschichte von Maja keinen Glauben. Doch dann nimmt sich die junge Studentin das Leben, und Anna findet heraus, dass sich Studenten offensichtlich den "Spaß" machen, auf den Campus-Partys junge Frauen mit K.o.-Tropfen zu betäuben und sie dann zu vergewaltigen ...
Bild von: ProSieben / Christiane Pausch
Keine Frage, Alexandra Neldel macht als Anna Winter abermals eine ansehnliche Figur - der Plot ist ganz auf sie zugeschnitten, und die sportive 33-Jährige kann das: einen Film im Alleingang tragen, in dem es körperlich zur Sache geht. Doch die Fulminanz der Hauptakteurin steht in keinem Verhältnis zur spindeldürren Story.
Der Einstieg sorgt für Gänsehaut: Grelles Licht. Ein weißer, verschlossener, gegen Schall abgedichteter Raum. Darin durchleidet ein fast nacktes, völlig verstörtes, von Panik geschütteltes Mädchen (Katharina Nesytowa) ein Martyrium. Sie schreit, schluchzt, trommelt auf den Boden, kratzt an den Wänden. Doch niemand hört sie. Von wem wird sie gefangen gehalten? Was steckt dahinter?
Anna ahnt von dem Szenario nichts, als sie von ihrem Geschäftspartner Philip Rothkamm (Max von Pufendorf) auf ihren Fall angesetzt wird: An einer Elite-Uni behauptet eine junge Frau, bei einer Erstsemesterparty verschleppt und von mehreren Männern vergewaltigt worden zu sein. Offenbar waren Drogen im Spiel, denn ihre gesichtslosen Erinnerungen sind so fragmentartig, dass Anna sich keinen Reim darauf machen kann. Doch dann stürzt sich die Studentin vom Dach der Uni - in einem Brief teilt sie ihren letzten Wunsch mit: Die Anwältin möge sich die Täter krallen ...
Anna Winter ermittelt an der Uni - und stößt dort nicht nur auf das unsympathisch sterile Umfeld reicher Leute Kinder, sondern vor allem auf unfassbare Arroganz. Tom Mars (Niklas Kohrt), Lutz Brennicke (Constantin von Jascheroff) und Peter Kerner (Mirko Lang), auf die sich Annas Fokus bald richtet, sind drei ganz besondere Exemplare einer erstaunlich party- und selbstsüchtigen Rich-Kid-Klientel. Parallel erwacht das gefangene Mädchen aus dem Delirium und erkennt seine Peiniger. Ihr Todesurteil?
Verbrechen und Dekadenz im Milieu einer Elite-Schule - das hat vor einem Jahr der "Tatort: Herz aus Eis" furchterregend glaubwürdig geschildert. Die eisblauäugige Schauspielerin Nora von Waldstätten spielte ein Mädchen, dem man am Ende alles abnahm. Hier glaubt man dagegen nichts. Es wird nicht nur eine polierte Elite-Uni-Szenerie skizziert, die mit vielen Übertreibungen jeder Beschreibung spottet. Schlimmer ist: Die Autoren lassen drei farblose Bürschchen nur für ein bisschen Sexspaß (um mehr geht es wirklich nicht), den sie an dieser Uni definitiv mit geringerem Aufwand und legalen Tricks bekommen hätten, mittels perfider K.O.-Tropfen-Strategie selten dumme und grausame Dinge tun. Und sie schreiben der Polizei eine peinliche Rolle zu, die alleine darin zu bestehen scheint, den Film am Laufen zu halten und Anna Winter das Leben schwer zu machen.
Zu brav, zu hübsch, zu bieder, zu vorhersehbar ist das Ganze unterm Strich. Wo ist das Skurrile, wo lauert das Bedrohliche, das Böse? Dennoch: Von Anna Winter würde man gerne mehr sehen. Übrigens auch von Luise Berndt - die begabte Nachwuchsdarstellerin ("Jagdhunde", "Ihr könnt Euch niemals sicher sein") glänzt in einer kleinen, aber entscheidenden Nebenrolle.
teleschau der Mediendienst
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Unter Verdacht: Anna (Alexandra Neldel).
Bild von: ProSieben / Christiane Pausch

Anna (Alexandra Neldel) ist sich sicher, in Tom Mars (Niklas Kohrt) einen der Täter gefunden zu haben- sie kann es nur nicht beweisen. Dazu muss sie die verschwundene Studentin finden. Doch je näher sie den Tätern kommt, desto mehr droht dem Leben des Mädchens ein Ende gesetzt zu werden ...
Bild von: ProSieben / Christiane Pausch

In letzter Sekunde kann Anna (Alexandra Neldel, links) Jennifer (Luise Berndt) davon abhalten, eine tödliche Dummheit zu begehen.
Bild von: ProSieben / Christiane Pausch