Montag, 04.05.2009 - ARD: 21.00 Uhr
Mein Deutschland (1)
Mosaik aus Meinung und Erinnerung

Die Sendungen zur 60-Jahr-Feier der Bundesrepublik nehmen überhand. Bei der ARD moderiert Sandra Maischberger weit nach Mitternacht immer noch ihr "60 x Deutschland", das Erste bot kürzlich unter Herbeiziehung "neuen Quellenmaterials" Steifes vor Mitternacht mit dem Zweiteiler "Bonner Republik" und blickte auf die bundesrepublikanische Geschichte von 1949 bis 1998 zurück. "Mein Deutschland" heißt nun die dreiteilige ARD-Dokumentation, die persönliche Erinnerungen mit dem "anonymen Begriff der Nation" verbinden will. 60 Zeitzeugen von Helmut Schmidt bis Angela Merkel, von Alice Schwarzer bis Annett Louisan, werden gefragt: Was ist haften geblieben von 60 deutschen Jahren? Der zweite und der dritte Teil folgen am 11. und am 18. Mai.

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Dieter Hallervorden, Kabarettist, flüchtete aus der DDR. Er sagt: "Meinungsfreiheit geht für mich über alles. Ich habe schnell erkannt, dass von den beiden deutschen Staaten die DDR nicht mein Staat sein konnte."
Bild von: rbb / DOKfilm / Thomas Ernst
Aus persönlicher Sicht erzählen die so unterschiedlichen Temperamente, was sie erlebt haben seit Ende des Krieges. Teil eins umfasst die Zeit von 1945 bis zum Mauerbau, Teil zwei gehört die Zeit der deutschen Teilung, mit Flüchtlingsschicksalen, sozialistischer Kulturpolitik, Studentenrevolte und der Ankunft der ersten Gastarbeiter - bis hin zum Deutschen Herbst zu Zeiten der RAF. Teil drei beginnt schließlich mit dem Moskauer Olympiaboykott und endet mit der Wiedervereinigung 1990.

Zeitgeschichte aus persönlicher Sicht, ein Mosaik privater ebenso wie politischer Erfahrung, Zeitzeugen in begrüßenswerter nichtdidaktischer Spontaneität. "Die Dokumentationsreihe Mein Deutschland hat uns die einmalige Gelegenheit gegeben, die ureigensten, oftmals schwierigen Erfahrungen von herausragenden Politikern, Musikern, Schauspielern, Sportlern und Intellektuellen mit ihrem Deutschland zu teilen", kommentieren die Autoren Jan Peter (Regie) und Yury Winterberg (Buch) ihren Infotainment-Triptychon.

Beide verbrachten Kindheit und Jugend in der DDR, die "meisten Erwachsenenjahre" jedoch im wiedervereinten Deutschland. Als Jugendliche erschien ihnen die DDR "dumpf und provinziell", aber die nur via Radio und Fernsehen gekannte Bundesrepublik übte keinen Reiz aus: "Wenn Heimat geteilt ist, ist es am Ende überhaupt keine Heimat mehr. Weder hüben noch drüben."

In Teil eins berichtet Eva-Maria Hagen, dass die Vertriebenen in der DDR über die bereits verlorene Heimat gar nicht sprechen durften. Ex-Kinderstar Christine Kaufmann erinnert an die Ersatzfunktion des deutschen Heimatfilms, Gert Rosenthal, Sohn des Moderators Hans Rosenthal, erzählt, trotz Verfolgung und Holocaust habe der Vater nach dem Krieg an seiner deutschen Heimat festgehalten. Eine Heimat, die zunehmend geteilt war: Wie Dieter Hallervorden gingen noch vor dem Mauerbau 2,5 Millionen Deutsche in den Westen.
teleschau der Mediendienst


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"Mein Vater Hans Rosenthal wurde während des Krieges in Berlin versteckt. Er hatte damit Kontakt zu den guten Deutschen - er wusste, es sind nicht alle Nazis", sagt Rechtsanwalt Gert Rosenthal. "Aber er wusste auch, dass unter denen, die später von ihm ein Autogramm wollten, auch solche waren, die ihn einige Jahre zuvor noch verfolgt hätten."
Bild von: rbb / DOKfilm / Thomas Ernst
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"Als die DDR gegründet wurde, war ich in der FDJ", sagt die Schauspielerin Eva-Maria Hagen. "Man hat uns gesagt: Jetzt bricht eine neue Zeit an. (...) Die Utopie lag vor uns."
Bild von: rbb / DOKfilm / Thomas Ernst
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Auch die Sängerin mit der Mädchenstimme, Annett Louisan, erklärt ihre Sicht auf die Bundesrepublik.
Bild von: rbb / DOKfilm / Thomas Ernst
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"Für mich als Kind war das überhaupt nicht vorstellbar, dass ich nach West-Berlin - wo ich vor zwei Tagen noch gewesen war - nicht mehr hin konnte", so berichtet Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Bild von: rbb / DOKfilm / Thomas Ernst
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"Typisch deutsch, das ist für mich die Schwäche für Schwarzbrot und Leberwurst und die Sehnsucht nach dem Rhein und nach dem, was die Ausländer die deutsche Seele, das Gemüt nennen", sagt Alice Schwarzer.
Bild von: rbb / DOKfilm / Thomas Ernst

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